Fidel Castro und Erich Honecker 1972 in Berlin | Bildquelle: dpa

Castro und die Deutschen Orangen und eine Affäre

Stand: 27.11.2016 08:56 Uhr

Fidel Castro pflegte besondere Beziehungen zu den Deutschen. In die DDR kamen kubanische Apfelsinen und Arbeitskräfte. Und mit einer Kapitänstochter hatte er eine Beziehung, die fast in einem Attentat mündete.

Von Christina Fee Moebus, ARD-Studio Mittelamerika und Karibik

Weißer Sandstrand, kristallklares Meer - und eine Büste von Ernst Thälmann, einem in der DDR verehrten Helden des Antifaschismus. Mehr gibt es auf dem idyllischen kubanischen Eiland in der Schweinebucht nicht zu sehen. Ein Sehnsuchtsort, an den Durchschnitts-DDR-Bürger nie gelangten.

Die "Isla Ernesto Thälmann", sie ist ein symbolisches Geschenk von Fidel Castro an die DDR, überreicht bei seinem ersten Amtsbesuch 1972.

Fidel Castro und Erich Honecker 1972 in Berlin | Bildquelle: dpa-Zentralbild
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Man verstand sich: Castro und Erich Honecker 1972 in Berlin (Ost).

Handel im Geiste des Internationalismus

Ein Stück Sozialismus in der Karibik als Geste der Freundschaft - der Besuch des Máximo Líder gilt als Start der engeren Beziehungen zwischen Kuba und der DDR. Vor allem wirtschaftlich arbeiten die sozialistischen Länder zusammen. Die Staaten des "Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe" und insbesondere die DDR beliefern Kuba mit ganzen Fabrikanlagen.

Kuba schickt Südfrüchte, Zucker - und junge Kubaner. In der DDR gibt es zu wenig Arbeiter. Etwa 30.000 Kubaner kommen, einer von ihnen ist Lorenzo Pérez. Damals, erinnert er sich, "mussten wir Anoraks für den Winter kaufen, Schuhe, Unterhosen, Unterhemden und das alles tragen. Und das war komisch, weil wir in Kuba an etwas anderes gewohnt waren."

Castros "kleine Deutsche"

Der charismatische Fidel zieht auch eine Westdeutsche in seinen Bann. Marita Lorenz, gebürtig in Bremen. Auf dem Deck eines Kreuzfahrtschiffs lernt er sie Ende der 1950er-Jahre kennen. Mit ihr hat er eine leidenschaftliche Affäre. "Alemanita mia" nennt er sie, "meine kleine Deutsche".

Die "kleine Deutsche" hat es aber in sich. Sie arbeitet nach dem Ende der Beziehung für die CIA und bekommt den Auftrag, Fidel zu töten. Einmal hat sie Gelegenheit dazu. Fidel reicht ihr sogar den Revolver: "Er sagte: 'Tu es.' Ich guckte auf die Pistole Ich war verwirrt. Und ich sagte: 'Nein, ich mach' das nicht. So mach ich das nicht. Und auch nicht anders.'"

Ob aus Liebe oder Hass: Auch andere scheiterten daran, Castro zu töten. Hunderte Attentatsversuche soll es gegeben haben. Am Freitag starb Castro in Havanna an Altersschwäche.

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Fidel Castro - Rechtsanwalt, Rebell, Symbolfigur

Das Leben des kubanischen Revolutionsführers

Fidel Castro

Fidel Castro - hier als Schüler des von Jesuiten geleiteten Colegio Dolores in Santiago de Cuba (2. von rechts) - wurde am 13. August 1926 geboren. Sein Vater war als armer Einwanderer aus Spanien nach Kuba gekommen und erwarb als Zuckerplantagenbesitzer ein beachtliches Vermögen.

Apfelsinen und eine Affäre: Fidel Castros Beziehung zu den Deutschen
C. F. Moebus, ARD Mexiko City
27.11.2016 12:32 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 27. November 2016 um 12:20 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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