US-Wohnungsbauminister Ben Carson bei einer Rede vor Mitarbeitern | Bildquelle: AP

US-Wohnungsbauminister Empörung über Carsons Sklaven-Zitat

Stand: 07.03.2017 09:12 Uhr

Ben Carsons Ansichten zum Holocaust und der Religionszugehörigkeit des US-Präsidenten sind leidlich bekannt. Nun hat der neue US-Wohnungsbauminister für neue Negativschlagzeilen gesorgt. In einer Rede sprach er von Sklaven als "Einwanderern".

Der schwarze US-Wohnungsbauminister Ben Carson hat mit Äußerungen über die Sklavenzeit für Empörung gesorgt. In einer Rede vor mehreren hundert Mitarbeitern sprach er davon, dass Sklaven als "Einwanderer" in das Land gekommen seien.

"Das ist Amerika: ein Land der Träume und Chancen", sagte Carson, der selbst in ärmlichen Verhältnissen in Detroit aufwuchs. "Da waren andere Einwanderer, die im Bauch von Sklavenschiffen hierhin kamen, sogar länger arbeiteten, sogar härter für weniger." Aber auch diese Menschen hätten "einen Traum" gehabt, dass ihre Nachkommen nach "Wohlstand und Glück in diesem Land" streben, sagte Carson.

Kritik lässt nicht lange auf sich warten

Seine Interpretation der freiheitsberaubenden Sklaverei als Einwanderung löste Entrüstung aus. Das Anne Frank Center for Mutual Respect, eine Partnerorganisation des Anne Frank Hauses in Amsterdam, bezeichnete Carsons Äußerungen als "tragisch, schockierend und inakzeptabel". Der Präsident des US-Zentrums, Steven Goldstein, sprach von einer Beleidigung. Auch die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) kritisierte den Minister. Bei Twitter meldete sich auch Schauspieler Samuel L. Jackson zu Wort:

Samuel L. Jackson @SamuelLJackson
OK!! Ben Carson....I can't! Immigrants ? In the bottom of SLAVE SHIPS??!! MUTHAFUKKA PLEASE!!!#dickheadedtom

"Zynischste Interpretation"

Carsons Ministerium konterte in einer Erklärung: "Niemand glaubt ernsthaft, dass er freiwillige Einwanderung mit unfreiwilliger Zwangsarbeit gleichsetzt." Solche Auslegungen der Ministerworte seien die "zynischste Interpretation" des Gesagten.

Es ist nicht die erste umstrittene Äußerung des ehemaligen republikanischen Präsidentschaftsbewerbers. Im Okotober 2015 vertrat er in einem CNN-Interview mit Blick auf die Ermordung von sechs Millionen Juden während der Nazi-Herrschaft die Auffassung, das Ausmaß des Völkermordes wäre kleiner gewesen, wenn die Bürger in Deutschland Waffen gehabt hätten.

Im Wahlkampf hatte er außerdem die Ansicht vertreten, dass ein Muslim nicht US-Präsident werden könne. Nach heftiger Kritik hatte er diesen Kommentar relativiert.

Illegalen Einwanderern die Kinder wegnehmen?

Auch Carsons Kabinettskollege John Kelly ist in der Kritik. Der US-Heimatschutzminister hatte angekündigt, zur Abschreckung illegaler Einwanderer zu einem besonders drastischen Mittel greifen zu wollen. Um Migranten künftig von nicht legalen Einreisen in die USA abzuhalten, will Kelly Einwanderer-Eltern von ihren Kindern trennen. "Wir haben viel Erfahrung darin, uns um unbegleitete Minderjährige zu kümmern", sagte Kelly bei CNN. Er verwies dabei auf besondere Betreuungseinrichtungen und Pflegefamilien.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. März 2017 um 13:00 Uhr

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