Das Café "Flore" in San Francisco

Cannabis-Cocktails in Kalifornien Mix die Hanfpflanze

Stand: 28.09.2017 11:44 Uhr

Seit der Legalisierung von Cannabis in mehreren US-Bundesstaaten blüht das Geschäft: Anbau und Verkauf der Hanfpflanze sorgen für Einnahmen in Millionenhöhe. In San Francisco gehört Cannabis zum Getränkeangebot in Bars.

Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles, zzt. San Francisco

Terrance Alan verweist mit stolz auf die 43-jährige Geschichte seines Restaurants und Cafés. Denn das "Flore" spielte in den 90er Jahren eine wichtige Rolle bei der Legalisierung von Cannabis in Kalifornien.

Eine Hanfpflanze | Bildquelle: AFP
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Amerikanische Cannabis-Aktivisten: "Zeit für eine Gesetzesänderung"

"Es ist der Geburtsort des medizinischen Marihuanas im Land", sagt er. Brownie Marie und Dennis Perone - zwei Aktivisten, die jahrelang für den medizinischen Gebrauch von Cannabis kämpften - trafen sich hier im Innenhof, erzählt Alan, und beschlossen, dass es Zeit für eine Gesetzesänderung ist. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Einstellung der Menschen zum Cannabis zu verändern. Den Konsum von Cannabis wollen wir in einer gemütlichen Umgebung für Erwachsene ermöglichen."

Das "Flore" liegt an der Market Street mitten im Castro Viertel von San Francisco. Die Einrichtung erinnert etwas an ein französische Bistro. Küche und Bar sind überdacht. Der Rest ist teilweise mit einer Zeltplane überspannt. Rustikale Holzbänke stehen am Eingangsbereich zur Straße.

Schmeckt und riecht wie Cannabisprodukte

Das Essen ist typisch amerikanisch: Es gibt herzhafte Burger und Steak-Salate. Erst vor einem Dreivierteljahr haben Alan und sein Co-Geschäftsführer Aaron Silverman das "Flore" übernommen. Alan ist in San Francisco eine bekannte Größe. Als Vorsitzender einer städtischen Kommission kümmert er sich um die rechtliche Fragen bei der Legalisierung von Cannabis. Als er im Januar das "Flore" übernahm, war für ihn klar, dass Cannabis mit auf die Getränkekarte gehört.

"Wir haben über mehrere Monate mit einem Chemiker und einem Barmixer zusammengearbeitet", erzählt er. "Der Chemiker hat sich um das Cannabis gekümmert, der Mixer um die Zusammensetzung der Drinks. Und beide zusammen haben dann unsere Cocktail-Karte entworfen."

Doch wer jetzt denkt, Cannabis-Drinks wie "Tenderloin Teardrop" oder "Perons perverted Punch" entfalten die gleiche Wirkung wie das Rauchen eines Joints oder das Essen von Cannabis-Plätzchen, der dürfte Alans Meinung nach enttäuscht werden. Sie schmecken und riechen wie die Cannabisprodukte, die der erfahrene Hanfkonsument kennt. Das Cannabidiol sowie die Terpine entwickeln zwar dasselbe Geschmacksmuster. Doch das Extrakt der Hanfpflanze wurde entschärft, und somit fehlt das THC, das für die psychoaktive Wirkung verantwortlich ist.

Auf einer Getränkekarte sind Cannabis-Cocktails aufgeführt.
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Cocktails in San Francisco: "krautartiger" Geschmack

Konsum von Cannabis in Kalifornien bald komplett legal

Der Geschmack einer "Flore on Market Bloody Mary" ist beispielsweise scharf, durch das Cannabis Extrakt aber etwas gefälliger und weicher auf der Zunge. Außerdem schmeckt der Cocktail krautartig. Man kann die Hanfpflanze deutlich herausriechen. Besonders angesagt im "Flore" ist zur Zeit ein Mojito mit Blutorangensaft, sagt Aaron. Darin ist die Cannabis-Sorte "Jack Herer" enthalten. "Man kann das typische Terpen-Bouquet schmecken und riechen", erläutert Alan. "Das findet man in keinem Mojito auf der Welt."

Zehn alkoholische Cannabis-Cocktails bietet das "Flore" an. Preis: umgerechnet 13 Euro. In wenigen Wochen ist der Konsum von Cannabis in Kalifornien komplett legal. Doch schon jetzt ist klar: Der Wunsch von Flore-Besitzer Alan dürfte auch in absehbarer Zeit nicht in Erfüllung gehen: Auch in Zukunft werden Cocktails verboten sein, die zugleich THC und Alkohol enthalten.

Cannabis Cocktail Bar in San Francisco
M. Schuler, ARD Los Angeles
28.09.2017 10:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 28. September 2017 um 10:49 Uhr.

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