David Cameron

Nachfolge von Cameron Das Rennen ist eröffnet

Stand: 29.06.2016 12:58 Uhr

In Großbritannien beginnt das Geschacher um den oder die Nachfolgerin von Premier Cameron. Acht Kandidaten haben sich in Stellung gebracht - für den Vorsitz der konservativen Partei und das Amt des Premierministers. Auch die Opposition sucht einen neuen Chef.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Wer wird neuer Premierminister? Wer wird in 10 Downing Street einziehen und nach Brüssel fahren, um das Austrittsschreiben zu überreichen? Acht Kandidaten sind bei den regierenden Konservativen im Gespräch. Ob sie alle tatsächlich antreten, entscheidet sich zwischen heute Abend 18 Uhr Ortszeit und Donnerstagmittag. In diesem Zeitraum können die Bewerber ihre Kandidatur für den konservativen Parteivorsitz und damit auch für das Amt des Premierministers anmelden.

Der Favorit: Boris Johnson

Favorit ist Boris Johnson, der frühere Londoner Bürgermeister: vor dem Referendum der Anführer der Austrittskampagne, sehr populär, aber auch mit vielen Feinden in der konservativen Unterhausfraktion. Seine Unterstützer meldeten sich heute bereits zu Wort.

Boris Johnson
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Gilt als Favorit: Boris Johnson, lautstarker Brexit-Befürworter

"Wir müssen jetzt sicherstellen, dass wir einen guten Deal in den Verhandlungen mit der EU bekommen", sagt Parteikollegin Liz Truss. "Boris ist ein Mann, der diese Weltbühne beherrscht - das sollten die Mitglieder unserer Partei berücksichtigen."

Aber: Das Rennen ist für Johnson noch nicht gelaufen. Denn bei den Konservativen ist seit 1955 nicht ein einziges Mal derjenige am Ende Vorsitzender und Regierungschef geworden, der anfangs als Favorit ins Rennen gegangen war.

Innenministerin May: Hardlinerin bei der Zuwanderung

Britische Innenministerin Theresa May
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Innenministerin Theresa May gilt als Hardlinerin beim Thema Zuwanderung.

Deshalb lohnt es auch, einen Blick auf die anderen wahrscheinlichen Kandidaten zu werfen: Theresa May zum Beispiel, die Innenministerin. Sie war in der Referendumskampagne zwar für den Verbleib in der EU, kämpfte aber dort nicht an vorderster Front.

Und: Als Innenministerin hat sie sich als Hardlinerin in Sachen Zuwanderung hervorgetan, dieses Thema, die Angst vieler Briten vor dem Zuzug zu vieler Ausländer, auch aus der EU, hatte das Referendum zu Gunsten der Austrittsbefürworter entschieden.

Sozialminister Crabb: aus kleinsten Verhältnissen

Sozialminister Stephen Crabb
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Sozialminister Stephen Crabb will als Alternative zu den Oberschicht-Kollegen punkten.

Ein Konservativer hat bereits seine Kandidatur angemeldet: der Waliser Stephen Crabb, der Sozialminister. Er präsentiert sich als Alternative zu Konservativen wie Cameron oder auch Johnson, die in den Zirkeln der Oberschicht groß geworden sind, das teure Elite-Internat Eton besucht haben und als Studenten in den Clubs der Snobs verkehrt haben. Crabb kommt aus kleinsten Verhältnissen - und er hat sich mit Wirtschaftsminister Sajid Javid zusammengetan, dem Wirtschaftsminister und Sohn eines Busfahrers. Javid sagte, Crabb habe das Zeug dazu, das Land wieder zusammenzubringen.

Chaos in der Opposition - Corbyn will nicht gehen

Labour-Chef Corbyn
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Labour-Chef Jeremy Corbyn will trotz des überwältigenden Misstrauensvotums seinen Posten nicht räumen.

Auch die Opposition sucht weiter nach neuer Führung. Die Abgeordneten der Labour-Party haben gestern mit 80 Prozent ihrem Partei- und Fraktionsvorsitzenden Jeremy Corbyn das Vertrauen entzogen. "Jeremy ist kein Führer, der uns voranbringt", sagt die Labour-Abgeordnete Seema Malhotra. "Wenn wir Wahlen verlieren, dann zahlt die arbeitende Bevölkerung dafür den Preis, weil sie niemanden hat, der für sie eintritt. Wir brauchen einen Führer für eine glaubwürdige Opposition und Regierungsalternative, der die Wähler zurückholt, die wir jetzt verloren haben."

Doch Corbyn will trotz des überwältigenden Vertrauensentzugs nicht gehen. Er sagt, er habe weiter die Unterstützung der Parteibasis. Als nächsten Schritt könnten die Abgeordneten jetzt einen Nachfolger für Corbyn aufstellen - dann müssten die Parteimitglieder und -unterstützer erneut entscheiden.

Derweil wollen sich die schottischen Nationalisten, die die zweitgrößte Oppositionsfraktion im Unterhaus bilden, das Chaos bei Labour nicht mehr länger ansehen. Sie wollen jetzt die Führung der Opposition Ihrer Majestät im Parlament in London übernehmen, mit dem Privileg, sich in den Debatten mit dem Premierminister duellieren zu dürfen.

Labour und Konservative suchen neue Führung
J.-P. Marquardt, ARD London
29.06.2016 11:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juni 2016 um 23:26 Uhr

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