Migrantengruppe mit Schlagstöcken. | Bildquelle: dpa

Calais Schwerverletzte bei Massenschlägereien

Stand: 02.02.2018 02:22 Uhr

In der Hafenstadt Calais sind bei Zusammenstößen von Migrantengruppen 18 Menschen verletzt worden, fünf von ihnen schwer. Frankreichs Innenminister zeigte sich besorgt. Die Stimmung vor Ort bleibt angespannt.

In der französischen Hafenstadt Calais wurden bei Massenschlägereien unter Migranten mehrere Menschen verletzt, einige von ihnen schwer. Fünf Flüchtlinge mussten wegen lebensbedrohlichen Schusswunden behandelt werden. 18 weitere seien durch Schläge mit Eisenstangen verletzt worden, so die Staatsanwaltschaft.

Frankreichs Innenminister Gérard Collomb reiste in die Stadt. Er sprach von "schlimmen Vorfällen" und beklagte ein nie gekanntes Ausmaß der Gewalt. Die Situation für die Einwohner der Hafenstadt am Ärmelkanal sei unerträglich, sagte der Minister. "Wir können nicht das Recht des Stärkeren in unserem Land herrschen lassen."

Schüsse auf Eritreer

Zu den ersten gewaltsamen Zusammenstößen kam es nach Polizeiangaben am Donnerstag Nachmittag: Rund hundert Migranten aus Eritrea und rund 30 Afghanen gingen bei der Essensausgabe aufeinander los, nachdem ein Afghane Schüsse abgefeuert hatte.

Eine zweite Schlägerei habe es kurze Zeit später fünf Kilometer weit entfernt auf einem Industriegelände gegeben. Dort hätten mehr als hundert Eritreer eine Gruppe von 20 Afghanen mit Eisenstangen und Stöcken angegriffen. Die Polizei musste eingreifen, um die Afghanen zu schützen.

Zuletzt hatten in Calais im vergangenen November Migranten aufeinander geschossen. Bei dem damaligen Streit unter Afghanen wurden fünf Menschen verletzt. Anfang Juli 2017 waren 16 Menschen bei Zusammenstößen verletzt worden, im Juni 2016 erlitten 40 Menschen bei Schlägereien Verletzungen.

Räumung des Dschungel von Calais | Bildquelle: AFP
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Räumung des "Dschungels von Calais" im Jahr 2016.

Symbol der Hilflosigkeit

In Calais halten sich nach Schätzung von Hilfsorganisationen derzeit rund 800 Migranten auf, die örtlichen Behörden sprechen von bis zu 600 Flüchtlingen. Sie versuchen, versteckt auf Lastwagen auf dem Seeweg oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Sie leben unter elenden Bedingungen, weshalb es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen unterschiedlichen Nationalitäten kommt.

In einem "wilden" Flüchtlingslager, das 2016 von der Polizei abgerissen wurde, hatten zeitweise bis zu 10.000 Flüchtlinge in Calais gehaust. Das als "Dschungel" bekannte Lager war in Frankreich zum Symbol für die Hilflosigkeit der Behörden im Umgang mit der steigenden Zahl von Migranten geworden.

"Kriegsszenen" - schwere Kämpfe unter Migranten im "Dschungel" von Calais
Marcel Wagner, ARD Paris
02.02.2018 13:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Februar 2018 um 22:20 Uhr.

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