Nach Putsch in Burkina Faso Anhänger und Gegner geraten aneinander

Stand: 20.09.2015 23:21 Uhr

Nach dem Staatsstreich in Burkina Faso ist es dort erneut zu Gewalt gekommen. Anhänger und Gegner der Putschisten gerieten aneinander. Die Vermittler sagten, sie hätten einen Lösungsansatz gefunden,aber noch keinen Weg, die zivile Regierung wieder zu installieren.

Seit dem Putsch im westafrikanischen Burkina Faso sind inzwischen mindestens zehn Menschen bei gewaltsamen Auseinandersetzungen getötet worden. 113 Menschen wurden nach Krankenhausangaben vom Wochenende verletzt. Anhängern des Putschistenführers Gilbert Diendéré störten die Gespräche der Vermittler. Rund hundert seiner Anhänger gelangten in die Halle des Hotels, in dem die Vermittler die Pressekonferenz abhalten wollten. Die Männe zerschlugen dort Mobiliar. Zuvor hatten sich vor dem Hotel bereits Gegner des Putsches versammelt. Die beiden Gruppen gerieten aneinander.

Unterstützer des Putsches stehen vor dem Hotel, wo die internationalen Vermittler über den Stand der Verhandlungen informieren wollten. | Bildquelle: AFP
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Unterstützer des Putsches stehen vor dem Hotel, wo die internationalen Vermittler über den Stand der Verhandlungen informieren wollten.

Vermittler: Entwurf für Lösung des Konflikts erstellt

Die Vermittler im Konflikt äußerten sich vorsichtig zum Stand ihrer Verhandlungen. Der Vorsitzende der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas), Senegals Staatschef Macky Sall, sowie Benins Präsident Thomas Boni Yayi sagten, sie hätten einen Entwurf erstellt. Es sei ihnen jedoch noch nicht gelungen, wieder eine Zivilregierung zu installieren. Er werde den Entwurf am Dienstag dem Ecowas-Gipfel präsentieren.

Yayi hatte zuvor gesagt, Diendéré habe in den Verhandlungen "Verantwortungsbewusstsein" an den Tag gelegt. Der Putschistenführer selbst erklärte: "Ich habe nie gesagt, dass ich an der Macht bleiben werde." Seine Anhänger forderten hingegen, Diendéré solle "bleiben" und schnellstmöglich für alle offene Wahlen organisieren.

Neuer Termin für Wahlen

Bisher sollten am 11. Oktober Präsidenten- und Parlamentswahlen stattfinden. Als neues Datum kursiert nun der 8. November. Boni Yayi sollte die Wahlen im Oktober im Auftrag der Ecowas beaufsichtigen.

Blaise Compaoré | Bildquelle: REUTERS
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Blaise Compaoré regierte von 1987 bis 2014 Burkina Faso.

Sall war bereits während der Erhebung der Bevölkerung gegen Burkina Fasos Staatschef Blaise Compaoré im Oktober 2014 von der Ecowas als Gesandter geschickt worden. Compaoré war damals nach 27 Jahren an der Macht gezwungen worden, zurückzutreten und ins Exil zu gehen. Viele Menschen befürchten, dass durch den Putsch letztlich Compaoré wieder an die Macht befördert werden soll.

Die Putschisten von der Elitetruppe RSP hatten am Mittwoch eine Kabinettssitzung im Präsidentenpalast in Ouagadougou gestürmt und Regierungschef Isaac Zida sowie Interimspräsident Michel Kafando festgenommen. Der von ihnen eingesetzte General Diendéré ist ein enger Vertrauter des gestürzten Präsidenten Compaoré.

Übergangsregierung nach Protesten 2014

2014 haben Massenproteste das 27 Jahre regierende autoritäre Regimes von Präsident Blaise Compaoré vorerst beendet. Am 16. September 2015 riss das Militär die Macht an sich. Michel Kafando, der Präsident der Übergangsregierung, wurde gestürzt. Er sollte eigentlich Wahlen organisieren. Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und ist erneut in eine tiefe politische Krise gestürzt worden.

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