Burka-Trägerin | Bildquelle: dpa

Burka-Verbot in Marokko? Keiner blickt mehr durch

Stand: 11.01.2017 15:15 Uhr

Marokkanische Medien berichten, die Regierung habe ein Burka-Verbot erlassen. Grund seien Sicherheitsbedenken: Der Schleier würde häufig für Verbrechen genutzt. Das Problem dabei: Es gibt bisher keinerlei offizielle Mitteilung dazu.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Die Nachricht kam vom Internet-Portal 360.ma. Und die Journalisten dort zitierten einen hohen Beamten des marokkanischen Innenministeriums mit folgenden Worten: "Wir haben den Import, die Herstellung und den Handel mit diesem Kleidungsstück in allen Gemeinden und Städten des Königreiches verboten." Dieses "Kleidungsstück" - das ist die Burka. Ein weites Gewand für Frauen, das auch das Gesicht komplett verdeckt. Sehen können Frauen, die die Burka tragen, nur durch eine Art gewebtes Sichtgitter.

Angeblich ist den Händlern in Geschäften und auf den Märkten gesagt worden, sie hätten 48 Stunden Zeit, um sich von ihren Burka-Beständen zu trennen. Soweit, so unklar.

Offenbar Sicherheitsbedenken als Grund

Jetzt stellen sich viele Marokkaner viele Fragen: Gibt es ein offizielles Dekret oder ein Gesetz? Denn bisher ist davon nichts bekannt. Außerdem: Warum kommt das angebliche Verbot gerade jetzt? Angeblich aus Sicherheitsgründen, sagen marokkanische Medien. Verbrecher hätten die Burka benutzt, um Straftaten zu begehen. Wegen eines Feiertags ist das Innenministerium derzeit nicht zu erreichen. Dennoch macht die Nachricht vom Burka-Verbot natürlich in Windeseile die Runde.

Die Marokkaner und vor allem die Marokkanerinnen sind geteilter Meinung. "Hinter einer Niqab verstecken sich nur Diebe!", sagt eine Passantin in der Hauptstadt Rabat. Eine andere meint dagegen: "Hijab und Niqab werden im Koran erwähnt. Beim Hijab kann man das Gesicht sehen und die Hände auch."

Kaum Burka-Trägerinnen

Der Begriff Burka ist Marokko offenbar nicht vielen Menschen bekannt. Das liegt auch daran, dass die Burka im Königreich kaum zu sehen ist. Im Norden des Landes tragen Frauen teilweise ein Niqab. Das verhüllt auch den ganzen Körper sowie das Gesicht und die Haare. Aber der Bereich der Augen bleibt frei.

Dieses Kleidungsstück, häufig von Anhängerinnen einer konservativen Islam-Auslegung bevorzugt, ist durchaus bekannt im Königreich. Jetzt allerdings, nach diesem angeblichen Burka-Verbot, wird gefragt: Werden Niqabs dann auch verboten?

Signal gegen Salafisten

Und eine andere Frage schließt sich an: Wenn es kaum Burka-Trägerinnen gibt in Marokko - warum soll sie dann verboten werden? Der Islamforscher Karim Ifrak interpretiert die Meldung so: "Die Burka ist Teil des Islams, aber nur eines sehr kleinen Teils. In den Maghreb-Staaten ist sie kulturell und religiös nicht sehr verbreitet. Deshalb richtet sich die Botschaft an diejenigen, die eine andere Ideologie in Marokko einführen wollen."

Eine andere Ideologie - damit sind Salafisten gemeint. Menschen, die den Koran über alle staatlichen Gesetze stellen und sich auf die Frühzeit des Islams beziehen. Wenn sie gemeint sind, dann wäre das angebliche Burka-Verbot in Marokko also ein weiteres politisches Signal. Marokkos König ist gleichzeitig auch der "Kommandeur der Gläubigen". Und König Mohammed IV. lässt kaum eine Gelegenheit aus, um zu betonen, dass in seinem Land ein toleranter, gemäßigter Islam gelehrt und gelebt werde.

Jetzt muss Marokko also auf Erklärungen warten. Denn bisher gibt es kein Gesetz im Königreich, das es verbietet eine Burka zu tragen. Und auch kein Gesetz, das die Herstellung und den Vertrieb untersagt. Und bisher gibt es auch keine Erklärung, was genau gemeint ist mit dem angeblichen Verbot der Einfuhr, der Herstellung und des Handels mit Burkas.

Angeblich Burka-Verbot in Marokko
J. Borchers, ARD Rabat
11.01.2017 14:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Januar 2017 um 18:00 Uhr

Darstellung: