Bundeswehrsoldaten stehen vor einem "Tornado". | Bildquelle: dpa

Zweifel am Einsatz gegen IS Was soll die Bundeswehr noch in Jordanien?

Stand: 13.01.2018 15:49 Uhr

Seit zwei Jahren fliegen deutsche Aufklärungs-Jets im Rahmen des Kampfes gegen die IS-Terrormiliz Einsätze über Syrien und dem Irak - derzeit von Jordanien aus. Spätestens seitdem der IS im Rückzug begriffen ist, mehren sich die Zweifel am Sinn des Einsatzes. 

Von Christian Thiels, tagesschau.de, zzt. Al-Asrak, Jordanien

Für Major Dominique G. ist es wie die sprichwörtliche Suche nach der "Nadel im Heuhaufen". Der Staffelkapitän des deutschen Einsatzkontigentes auf der jordanischen Luftwaffenbasis Al-Asrak organisiert den Flugbetrieb der deutschen Aufklärungs-Jets und des Tankflugzeuges, das die Luftwaffe hier stationiert hat, um Flieger der Anti-IS-Koalition mit Sprit zu versorgen.

Die Mission der Aufklärungs-Tornados hat sich dabei in den vergangenen Monaten deutlich verändert. Während die Jets früher hochauflösende Bilder von Stellungen und Gebäuden machten, in denen sich der Gegner verschanzt hatten, suche man nun nach versprengten IS-Kämpfern, die sich etwa als Beduinen tarnten. Keine einfache Aufgabe. "Je mehr die in den Untergrund gehen, desto schwerer wird es. Und letztlich sind unsere Aufklärungs-Tornados dann irgendwann das falsche Mittel", sagt Dominique G.

Das weiß wohl auch seine oberste Chefin. "Die Aufgabe wird weitergehen, aber sicherlich werden sich Aufträge und Charakter der Aufträge verändern", erklärte Verteidigungsministerin von der Leyen, die zu Besuch beim Kontingent in Jordanien ist. Auch eine Senkung der Mandatsobergrenze sei denkbar.

Staffelkapitän Dominique G | Bildquelle: Christian Thiels
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Major Dominique G. organisiert den Flugbetrieb auf der jordanischen Luftwaffenbasis.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zu Besuch auf dem jordanischen Bundeswehr-Stützpunkt in Al-Asrak. | Bildquelle: dpa
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Verteidigungsministerin von der Leyen besuchte am Samstag den Stützpunkt in Al-Asrak.

150 Einsätze in drei Monaten

Dass die Mission noch lange fortgeführt wird, bezweifelt auch Fritz Felgentreu, Verteidigungspolitiker der SPD und womöglich bald in einer Koalition mit von der Leyens Union. "Die Sinnhaftigkeit lässt nach", sagt Felgentreu. "Deshalb müssen wir diskutieren, wie wir das Mandat weiter entwickeln, um die Region zu stabilisieren."

Bei den Sondierungsgesprächen zwischen Union und SPD wurde dieses Thema bereits unter dem Schlagwort "Capacity Building", zu deutsch also "Fähigkeitsentwicklung" diskutiert. Gemeint ist etwa die Ausbildung und Ausrüstung der Sicherheitskräfte von Nationen in der Region. Entsprechende Projekte mit Jordanien gibt es bereits - etwa im Grenzschutz.

Monatelang waren die Jets der Luftwaffe von der türkischen NATO-Basis Incirlik aus gestartet. Doch die Debatte um Einschränkungen von Besuchen deutscher Parlamentarier bei der Truppe führte zum Umzug nach Jordanien. Seit Oktober 2017 fliegen die Tornados ihre Einsätze nun von hier aus. Seitdem haben die Aufklärungs-Jets nach Angaben der Luftwaffe mehr als 150 Einsätze absolviert, das Tankflugzeug sogar gut 160. Die Einsätze der fliegenden Tankstelle sind bei den Alliierten gern gesehen. Nicht ganz so begeistert ist man offenbar von den Aufklärungs-Jets.

"Nice to have", aber nicht erforderlich

Die vier Tornados liefern zwar gestochen scharfe Fotos von potentiellen Zielen für Luftangriffe der Koalition. Doch es dauert bis zu fünf Stunden, bis die Bilder überhaupt geprüft und freigegeben sind. Die Lage am Boden kann sich dann bereits deutlich verändert haben. Mit den Bildern der Deutschen kann häufig lediglich geprüft werden, welchen Schaden Luftangriffe der Verbündeten angerichtet haben.

Für Alexander Neu von der Linkspartei ist dies ein klarer Beweis dafür, dass die Bundeswehr und mithin auch das Ministerium klare Einblicke in die Kriegsführung der Koalition habe. Offiziell gibt sich das Wehrressort dagegen häufig unwissend. Unterm Strich ist der Nutzen der Fotos aber militärisch wohl überschaubar. Im Militärjargon sind sie "nice to have", also durchaus geschätzt, aber nicht zwingend erforderlich.

Briten und Amerikaner setzen eine beträchtliche Zahl von Drohnen in der Region ein. In Sichtweite der Tornados steht ein Dutzend "Predator"-Kampfmaschinen der US Air Force. Deren Bilder sind für die Einsatzplanung mehr als ausreichend, heißt es etwa von Seiten der US-Militärs.

Von der Leyen besucht deutsche Soldaten in Jordanien
tagesthemen 23:30 Uhr, 13.01.2018, Oliver Köhr, ARD Berlin

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Deutschland verzagt?

Und so mancher amerikanische Offizier fügt hinzu, dass man von den Deutschen lieber Jagdbomber als Aufklärer gesehen hätte. "Ihr schießt nur Fotos, Eure Nachbarn dagegen Terroristen", sagt ein US-Oberst im Gespräch mit tagesschau.de. Mit Nachbarn sind Länder wie das kleine Belgien gemeint. Das beträchtlich größere und in EU und NATO auch wesentlich bedeutendere Deutschland wird als vergleichsweise verzagt wahrgenommen.

Das gehe so nach dem Prinzip "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass", sagt Gerold Otten von der AfD.  Deutschland wolle dabei sein, aber nicht richtig. Otten war früher selbst Tornado-Pilot. Unabhängig vom militärischen Nutzen lehnt er ihn aber ohnehin ab, weil ein Mandat durch die Vereinten Nationen fehle. 

Doch ob die Tornados überhaupt noch lange in Jordanien bleiben, kann getrost bezweifelt werden. Wenn die Mission immer weniger Sinn ergebe, könne man sie ja auch beenden, heißt es selbst von Unionspolitikern.

Anm. d. Red.: Mit Rücksicht auf die Sicherheit der Familien werden die Nachnamen von Bundeswehrsoldaten im Ausland nicht genannt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Januar 2018 um 15:00 Uhr.

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Christian Thiels, SWR

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