Gedenken an die Opfer der Terroranschläge in Brüssel | Bildquelle: REUTERS

Eine Woche nach Brüssel-Anschlägen Die verwundete Stadt

Stand: 29.03.2016 09:37 Uhr

Eine Woche nach den Terroranschlägen ist Brüssel auf der Suche nach Normalität. Die Menschen gehen auf die Straße, aber nicht so viele wie sonst. Sie trauern gemeinsam und wollen der Angst trotzen. Aber Brüssel ist eine verwundete Stadt.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

Es ist unübersehbar: Brüssel ist eine verwundete Stadt - und wird das auf absehbare Zeit auch bleiben. Auch wenn die Menschen nun behutsam versuchen, wieder - soweit das möglich ist - in den Alltag zurück zu finden. "Alles spielt sich immer noch in Zeitlupe ab", sagt eine Brüsselerin. "Aber wir werden irgendwie wieder ins wahre Leben zurückkehren. Wenn auch nur langsam."

Als grüble die Stadt noch darüber nach, ob sie wirklich bereit ist, dem Terror zu trotzen - so wirkte sie am Osterwochenende: Ja, die Brüsseler bevölkerten die Parks, aber viel weniger kamen als sonst. Ja, die Touristen wagten sich in die Nähe der Sehenswürdigkeiten, aber in verminderter Zahl. Ja, Metros, Busse, Straßenbahnen verkehren wieder, aber eben nur eingeschränkt. "Wir können ja nicht einfach zu Hause bleiben. Wir müssen unser Leben weiterleben. Und zeigen, dass wir keine Angst haben," rät eine Belgierin ihren Landsleuten.

Polizisten in Brüssel | Bildquelle: AP
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Die Fahndung läuft weiter. Allein am Ostersonntag führte die Brüsseler Polizei 13 Razzien durch.

13 Razzien am Ostersonntag

Die Sicherheitskräfte würden den Menschen die Rückkehr in den Alltag vermutlich erleichtern, wenn sie bald verkünden könnten, dass sie das für den Terror in Brüssel und wohl auch Paris verantwortliche Netzwerk vollständig demontiert hätten. Täglich gibt es neue Razzien. 13 allein am Ostersonntag. Es gibt immer neue Festnahmen.

Doch noch immer sucht die Polizei jenen Mann, der floh, kurz bevor sich seine beiden mutmaßlichen Komplizen am Brüsseler Flughafen in die Luft sprengten. Jenen Mann, der im Fahndungsvideo, mit heller Jacke und dunklem Hut bekleidet, einen Gepäckwagen vor sich herschiebt.

Aber selbst wenn diese Terrorserie vollständig aufgeklärt ist: Bis die Angst und die Zweifel wieder verschwunden sind, wird es Zeit brauchen. "Ich arbeite in einer Bar", erzählt ein Franzose, der seit vier Jahren in Brüssel lebt. "Die Anspannung ist spürbar. Jedes verdächtige Geräusch macht Angst. Aber damit müssen wir leben."

Blumenmeer am Ort der Hoffnung

Genau wie Hunderte weiterer Menschen ist er zu jenem Platz im Zentrum direkt vor der Brüsseler Börse gekommen, der zum zentralen Ort des Gedenkens geworden ist. Es sei genau wie damals in Paris im November, erzählt der Mann: "Die Menschen weinen und sehnen sich nach Hoffnung."

Weder rechte Hooligans noch Sturm und Regen haben dem Blumenmeer und dem dichten Vorhang an Spruchbändern hier im Herzen Brüssels irgendetwas anhaben können. "Nicht im Namen des Islam" steht auf einem Schild. Es ist genau dieser Ort, der dem Franzosen - wie so vielen Menschen in der belgischen Hauptstadt - Hoffnung gibt. Denn von diesem Ort geht eine Botschaft aus, die der französische Barmann ausspricht:  "Macht weiter. Hört nicht auf zu leben. Lebt einfach!" Geschieht das nicht, hat der Terror gesiegt, finden sie alle hier.

Gedenken an die Opfer der Terroranschläge in Brüssel | Bildquelle: REUTERS
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Blumen und Spruchbänder - Gedenken an die Opfer der Terroranschläge in Brüssel

Tests für neue Passagierabfertigung

Heute werden am Flughafen Brüssel erste Tests für eine neue Passagierabfertigung durchgeführt. Verlaufen sie erfolgreich, könnte er schnell wieder öffnen. Auch das würde dazu beitragen, der Stadt ein Stück alter Lebendigkeit zurückzubringen. Eine Lebendigkeit, nach der sie sich so sehr sehnt.

Brüssel eine Woche nach dem Terror
K. Küstner, ARD Brüssel
29.03.2016 06:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. März 2016 um 09:00 Uhr.

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