Tayyip Erdogan | Bildquelle: AP

Reaktionen auf Brüssel-Anschläge Kondolenzen - und Vorwürfe

Stand: 22.03.2016 15:50 Uhr

Das Entsetzen über die Anschläge von Brüssel ist weltweit, doch aus einigen Hauptstädten kommen neben Solidaritätsbekundungen auch Vorwürfe. Die westliche Politik der "doppelten Standards" habe die Terroristen gestärkt, hieß es aus dem Kreml. In Ankara zog Präsident Erdogan eine Parallele zum PKK-Terror.

Als "barbarische Verbrechen" hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Anschläge in Brüssel verurteilt. Der Terrorismus kenne keine Grenzen und müsse daher in aktiver internationaler Zusammenarbeit bekämpft werden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Putin | Bildquelle: dpa
galerie

Von einem "barbarischen Verbrechen" spricht Kremlchef Putin mit Blick auf Brüssel, im Außenamt macht man Europa aber auch Vorwürfe.

Außenamtssprecherin Maria Sacharowa verband ihre Solidaritätsbekundungen auch mit Vorwürfen. Eine westliche Politik der "doppelten Standards" habe die Terroristen gestärkt. Die wegen der Ukraine-Krise eingefrorenen diplomatischen Beziehungen zwischen NATO und Russland hätten den Kampf gegen den Terrorismus geschwächt.

Seitenhieb auf die NATO

Der russische Abgeordnete Alexej Puschkow verband seine Kondolenz an Belgien mit einem Seitenhieb auf die NATO, deren Hauptquartier in Brüssel ist: Es sei an der Zeit für Europa, zu erkennen, "wo die wahre Bedrohung herkommt" und zusammen mit Russland dagegen vorzugehen.

Russland, die USA und die Europäische Union haben konträre Positionen zum Krieg in Syrien, in dem Terrororganisationen wie der "Islamische Staat" Macht und Einfluss gewonnen haben.

Toleranz gegenüber Terrorismus

Die Sicht der russischen Regierung auf die jüngsten Terroranschläge in Brüssel wird geteilt von der Assad-Regierung in Syrien. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana zitierte einen Vertreter des Außenministeriums mit den Worten, die Attentate seien die "zwangsläufige Folge einer falschen Politik und von Toleranz gegenüber dem Terrorismus".

Auch die libanesische Hisbollah-Miliz, die an der Seite des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad gegen die Aufständischen kämpft, gab Europa mit seiner Politik in der Region eine Mitschuld für die Anschläge. "Das Feuer, das Europa im Besonderen und die Welt im Ganzen verbrennt, ist das gleiche, das man in Syrien und anderen Staaten der Region entzündet hat", erklärte die Schiiten-Organisation in Beirut. Die Gefahr gehe von ultra-radikalen Islamistengruppen wie dem IS aus, erklärte die Hisbollah.

Konkrete Vorwürfe aus Israel, Mahnungen aus Ankara

Ähnliche Vorwürfe Richtung Europa sind aus Israel zu hören. Die Europäer konzentrierten sich auf die Kritik an Israel und übersähen deshalb die Bedrohung durch "islamische Terrorzellen". Insbesondere nannte Wissenschaftsminister Ofir Akunis, ein Vertrauter von Regierungschef Benjamin Netanyahu, den Beschluss der EU, korrekte Herkunftsbezeichnungen für Produkte aus israelischen Siedlungen in besetzten Gebieten durchzusetzen. Zur gleichen Zeit hätten sich in Europa "Tausende extremistischer, islamischer Terrorzellen bilden können". Warnende Stimmen seien lächerlich gemacht, die Gefahren unterschätzt worden, schrieb Akunis auf Facebook. Der Minister gehört Netanyahus konservativer Likud-Partei an, seit 20 Jahren ist er ein enger Mitarbeiter des Parteichefs.

Einen gemeinsamen internationalen Kampf gegen jede Form von Terrorismus mahnte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan an. Die Terrorakte in Belgien zeigten, dass es keinen Unterschied mache, ob kurdische Extremisten in Ankara Anschläge verübten oder andere Täter dies in Brüssel täten. In der Türkei gab es es jüngster Zeit mehrere Anschläge, die Regierung in Ankara machte dafür immer den IS oder die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verantwortlich. Nach Ansicht Erdogans arbeiteten die PKK und andere Gruppen zusammen mit dem IS.

Darstellung: