Die schottische Ministerpräsidentin Sturgeon mit der britischen Premierministerin May | Bildquelle: AFP

Schottland will Unabhängigkeit Hoffen auf eine zweite Chance

Stand: 28.03.2017 02:00 Uhr

Schottlands Parlament wird heute wohl ein neues Unabhängigkeitsreferendum von London fordern. Doch der Plan von Ministerpräsidentin Sturgeon trifft bei den Briten auf wenig Gegenliebe.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Das Duell von "Braveheart" Nicola Sturgeon gegen Theresa May geht heute in die nächste Runde, und die wird - aller Voraussicht nach - die schottische Ministerpräsidentin gewinnen. Denn die Abgeordneten im Regionalparlament dürften heute Abend ihrem Vorschlag folgen. Sturgeon will die Schotten demnach kurz vor dem Brexit, spätestens im Frühjahr 2019, erneut befragen, ob sie in einer unabhängigen Nation leben oder ein Teil Großbritanniens bleiben wollen.

Der bevorstehende EU-Austritt - gegen den Willen der Schotten - bietet Sturgeon die Chance, es noch einmal zu probieren mit der Unabhängigkeit. Sie spielt damit auf Risiko. Und sie braucht zuerst die Zustimmung aus London. Erst gestern hatte sich Sturgeon mit ihrer Rivalin May in Glasgow getroffen, vermutlich nicht in freundlicher Atmosphäre. Die Premierministerin hatte zuvor bei einer Rede gesagt, ein starkes und stabiles Vereinigtes Königreich sei umso wichtiger in einer Zeit, in der Großbritannien eine neue Rolle in der Welt suche.

May müsste Referendum zustimmen - will aber nicht

Die eine Union - die Europäische - will May verlassen und dafür am Mittwoch den Startschuss geben. Die andere Union - die zwischen England, Schottland, Wales und Nordirland - will die Konservative dagegen unbedingt erhalten. Die britische Regierung und das britische Parlament müssen einem neuen Volksentscheid ihren Segen geben, sonst ist der nicht bindend. Noch vor dem EU-Ausstieg will sich May dies aber nicht ans Bein binden. Ihren Kurs eines harten Brexit - raus auch aus dem europäischen Binnenmarkt - kritisiert nicht nur Sturgeon, sondern auch Patrick Harvie, der Fraktionschef der schottischen Grünen. Die Grünen werden heute im Regionalparlament in Edinburgh mit Sturgeons Schottischer Nationalpartei SNP stimmen und ihr damit eine Mehrheit verschaffen.

"Wir hatten unsere Chance"

Die Bürger selbst sind derweil ähnlich gespalten wie beim ersten Referendum im Herbst 2014. Eine Schottin meint, es sollte keine Wiederholung geben: "Wir hatten die Chance", sagt sie, "und haben uns entschieden, bei Großbritannien zu bleiben." Ihre Tochter widerspricht: Damals hätten die Gegner der Unabhängigkeit versprochen, Schottland könne nur als Teil Großbritanniens in der EU bleiben - was jetzt aber doch nicht klappt, obwohl 62 Prozent der Schotten gegen den Brexit gestimmt haben. Sollte es irgendwann tatsächlich ein neues Referendum geben: Ihre Stimme für Schottlands Unabhängigkeit hat Sturgeon sicher.

Brexit und Schottland-Referendum
S. Pieper, ARD London
27.03.2017 22:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. März 2017 um 06:16 Uhr

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Stephanie Pieper, RBB

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