Außenansicht der europäischen Arzneimittelagentur in London | Bildquelle: AP

Neuvergabe von EU-Agenturen Bonn ist raus, Frankfurt hofft noch

Stand: 20.11.2017 18:28 Uhr

Beim Ringen um den neuen Sitz der EU-Arzneimittelbehörde ist Bonn leer ausgegangen. Dagegen hofft Frankfurt weiter, künftiger Standort der europäischen Bankenaufsicht zu werden. Beide Behörden müssen wegen des Brexit Großbritannien verlassen.

Im Rennen um die Neuvergabe des Sitzes wichtiger EU-Behörden ist Bonn erwartungsgemäß leer ausgegangen. Die deutsche Bewerbung um den künftigen Standort der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) schied bereits in der ersten Runde einer geheimen EU-Abstimmung in Brüssel aus. Jedes der 27 EU-Länder (ohne Großbritannien) konnte seine Stimmen abgeben - nach drei Wahlrunden setzte sich Amsterdam gegen Mailand im Losentscheid durch.

Die EMA hat ebenso wie die europäische Bankenaufsicht EBA derzeit ihren Sitz in London. Wegen des angekündigten EU-Austritts Großbritanniens sollen beide Standorte so schnell wie möglich verlagert werden.

Frankfurt mit Chancen bei Neuansiedlung der Bankenaufsicht

Der Sitz der EBA in London. | Bildquelle: dpa
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Noch befindet sich die EBA in London.

Für den EBA-Standort hat Deutschland Frankfurt am Main als Kandidatenstadt ins Rennen geschickt. Der Bankenmetropole werden durchaus Chancen eingeräumt, sich bei der am Abend erwarteten Abstimmung durchzusetzen. Die Sitze von EU-Behörden sind sehr begehrt. Wer den Zuschlag erhält, kann auf hohe Zusatzeinnahmen hoffen. Die EMA und die EBA richten jährlich Hunderte Konferenzen und Veranstaltungen mit Experten aus aller Welt aus. In London sorgten beide Agenturen zuletzt pro Jahr für rund 39 000 zusätzliche Hotelübernachtungen.

Da Deutschland der wichtigste Nettozahler der EU ist und nach dem Brexit mit zusätzlichen Milliardenzahlungen rechnen muss, gilt es als wahrscheinlich, dass bei der Neuansiedlung der Bankenaufsicht zum Zuge kommt.

Gute Argumente für andere Standorte

Doch der Brexit-Poker in Brüssel kann sehr schnell zum Favoritenkiller werden. Zum Beispiel weil das irische Dublin als Brexit-Leidtragender Sympathiepunkte bei einer Abstimmung erntet, die viele Betrachter an den Eurovision Song Contest erinnert. Kurz vor der Entscheidung zogen die Iren ihre wenig aussichtsreiche Bewerbung für die Arzneimittelbehörde EMA zurück - womöglich, um die Chancen für die Bankenaufsicht zu erhöhen. Warschau und Prag machten hingegen das Argument geltend, es gebe keine bessere Ost-Integration in die EU als die Ansiedlung der Bankenaufsicht.

Mit Informationen von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. November 2017 um 17:00 Uhr.

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