Die britische Premierministerin Theresa May und EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker | Bildquelle: AFP

Britische Presse zum Brexit-Deal Zwischen "Auftrieb" und Atempause

Stand: 09.12.2017 13:15 Uhr

Zwischen "Auftrieb" und "Mrs. Softee" bewegen sich die Bewertungen in der britischen Presse nach dem Brexit-Deal. Einig sind sich aber fast alle: Der Brexit-Weg ist lang - und steinig.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Das Foto des historischen Handschlags in Brüssel zwischen Theresa May und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ziert heute die Titelseiten gleich mehrerer britischer Zeitungen. "May kommt wieder auf die Beine" lautet die Schlagzeile der konservativen "Times" dazu - und weiter: Die durch den Deal "regenerierte Premierministerin" werde nun die Konfrontation mit Außenminister und "Brexiteer" Boris Johnson suchen. Das Blatt zitiert Insider, wonach die Regierung am Dienstag vor Weihnachten über den eigenen Kurs in den Gesprächen mit der EU über ein Handelsabkommen beraten will; das solle aber kein Showdown werden zwischen den beiden Lagern für einen harten beziehungsweise weichen Brexit.

Der Kampf geht erst richtig los

Der pro-europäische "Guardian“ prophezeit, dass der Kampf im Kabinett über das Ziel der Brexit-Reise jetzt erst richtig losgeht. Der "Daily Telegraph", der selbst für den EU-Austritt geworben hatte, listet auf seiner Titelseite heute in großen Lettern die wichtigsten Punkte des Deals auf und nennt sie den "Preis der Freiheit" - merkt aber auch an, dass es keine endgültige Einigung gibt, solange es nicht über alles eine Einigung gibt. Der Landwirtschaftsminister und einstige Brexit-Frontmann Michael Gove schreibt im "Telegraph", wenn den Briten die Einigung mit der EU am Ende nicht gefalle, dann könnten sie sich bei der nächsten Wahl für eine Regierung entscheiden, die einem anderen Pfad folge.

Das Boulevard-Blatt "Daily Mail" wiederum, das die Brexit-Kampagne kontinuierlich befeuert, fasst seine Freude in weihnachtliche Worte: "Frohlocket! Wir sind auf dem Weg raus aus der EU." Aus dem gleichen Lager stammt der "Daily Express", der titelt: "Endlich Auftrieb für den Brexit – May bringt Deal unter Dach und Fach … Jetzt lasst uns die EU loswerden."

Screenshot themirror.co.uk am 09.12.2017 | Bildquelle: themirror.co.uk
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Weicher Brexit? Der Labour-nahe "Daily-Mirror" zum Brexit-Deal.

Nur ein weicher Brexit?

Der Labour-nahe "Daily Mirror" dagegen nennt die konservative Regierungschefin "Mrs. Softee" - der jetzt erzielte Durchbruch laufe auf einen weichen Brexit hinaus, analysiert die Zeitung, weil May von all ihren roten Linien in den Verhandlungen abgerückt sei. Und die "Financial Times" schließlich meint, jedes Triumphgefühl der Premierministerin werde gedämpft durch die Warnung der EU, dass nun schwierige Entscheidungen anstünden - und dass dafür nur wenig Zeit bleibe. Die Regierung will auch den europäischen Binnenmarkt und die Zollunion verlassen - muss aber klären, wie stark sie künftig deren Spielregeln kopieren will.

Der Durchbruch in der ersten Phase der Brexit-Verhandlungen, so das Fazit einiger Kommentatoren, verschafft der politisch angeschlagenen May eine Atempause - mehr nicht.

Britische Zeitungen zum Brexit-Durchbruch
Stephanie Pieper, ARD London
09.12.2017 11:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Dezember 2017 um 12:41 Uhr.

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