EU-Herz vor Big Ben | Bildquelle: AFP

Demos in Großbritannien "Der Brexit wird ein Desaster"

Stand: 25.03.2017 17:44 Uhr

Beim EU-Gipfel in Rom war Großbritannien schon nicht mehr dabei. Am Mittwoch reicht Premier May den Austrittsantrag ein. Zehntausende Briten kamen heute zum Protest dagegen zusammen, während der einzige UKIP-Abgeordnete im Parlament seine Partei verließ: Seine Aufgabe sei erfüllt.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Sie sind die 48 Prozent: Jene Briten, die vor einem Dreivierteljahr gegen den Brexit gestimmt haben und die noch immer traurig und wütend darüber sind, dass Großbritannien die EU bald verlassen wird.

So wie die 35-jährige Producerin Brydie, die extra für den Protestmarsch aus Bristol nach London gefahren ist. Ein Teil ihrer Familie und auch ihr Freund stammen aus Italien. Brydie ist besorgt, weil die mehr als drei Millionen Menschen aus anderen EU-Ländern immer noch keine Gewissheit haben, ob sie in Großbritannien bleiben dürfen oder nicht.

Die gebürtige Polin Anja lebt schon seit mehr als 30 Jahren auf der Insel und hat einen britischen Pass. Sie trägt für die Demo die Europa-Flagge gewissermaßen auf dem Kopf, als blaue Strickmütze mit zwölf goldenen Sternen: "Wir sind belogen worden", klagt sie. "Der Brexit wird ein Desaster für das Land."

Hoffen auf einen Brexit-Stopp

Die 52-Jährige lehrt an der Uni Canterbury und hat Blumen mitgebracht, die sie beim Parlament niederlegt, um der Opfer des Terroranschlags zu gedenken. Viele Demonstranten halten selbstgemalte Plakate hoch, auf denen "Stop Brexit", "We love EU" oder "Wir sind die europäische Familie" steht.

Der Londoner Anwalt Shaun hat sich in eine große EU-Fahne gehüllt. Der 34-Jährige fände es besser, wenigstens im europäischen Binnenmarkt zu bleiben. Aber der harte Brexit sei wohl unvermeidlich, da sich die Tory-Premierministerin Theresa May ihren Kurs von den Brexit-Hardlinern aufzwingen lasse.

Tausende Demonstranten vor dem britischen Parlament in London | Bildquelle: AFP
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Tausende zeigten ihrem Unmut über den Brexit.

Einige hoffen, dass der EU-Austritt am Ende der zweijährigen Verhandlungen noch zu stoppen sein wird, entweder durch einen zweiten Volksentscheid oder durch ein Votum des Parlaments. Darauf setzt auch Chris, der aus dem Nordwesten Englands für die Demo angereist ist: "Einen besseren Deal als jetzt wird es nicht geben", meint der 61-jährige Steuerberater.

UKIP-Abgeordneter tritt aus der Partei aus

Am kommenden Mittwoch will May den 27 EU-Partnern den Brexit-Brief schicken, das ist der Einstieg in den Ausstieg: Ein trauriger Tag, sagen viele Teilnehmer des Protestmarsches, den sie niemals erleben wollten. Auch Hannah nicht: Sie werde wahrscheinlich weinen, sagt die Londoner Lehrerin, und ihren Kummer in europäischem Wein ertränken.

UKIP-Kandidat Douglas Carswell nach seinem Wahlsieg auf dem Weg ins Rathaus von Clacton.
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Der UKIP-Abgeordnete Carswell sieht seine Aufgabe erfüllt.

Andere dagegen jubeln, weil der Brexit-Zug endlich ins Rollen kommt, etwa Douglas Carswell, bislang der einzige Abgeordnete von UKIP im britischen Parlament. Heute jedoch kündigte er an, die EU-feindliche Partei zu verlassen, weil die ihren Job erledigt und gewonnen habe. Carswell war 2014 von den Konservativen zu UKIP gewechselt, hatte sich jedoch später mit dem damaligen Parteivorsitzenden Nigel Farage überworfen und will künftig als unabhängiger Abgeordneter im Unterhaus sitzen.

Anti-Brexit-Demonstrationen
tagesthemen 23:30 Uhr, 25.03.2017, Björn Staschen, ARD London

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. März 2017 um 20:00 Uhr.

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