Mücke | Bildquelle: dpa

Zika-Virus in Brasilien Krieg gegen eine rätselhafte Mücke

Stand: 08.12.2015 09:17 Uhr

Aedes aegypti ist wieder in Brasilien - und mit ihr das verheerende Zika-Virus. Vor allem im Nordosten des Landes gibt es immer mehr Schädelfehlbildungen bei Babys. Die Regierung hat den Kampf aufgenommen - aber der Erfolg ist unsicher.

Von Julio Segador, ARD-Hörfunkstudio Südamerika

Brasilien befindet sich im Krieg. Der Eindringling gegen den sich das Land rüstet, heißt Aedes aegypti, eine kleine Stechmücke, die in dem Land eigentlich als ausgerottet galt - nun aber den Weg zurückgefunden hat. Und mit ihr das heimtückische Zika-Virus: Es verursacht vermutlich Schädelfehlbildungen bei Babys, die sogenannte Mikrozephalie.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hält am 05. Oktober 2015 eine Rede in Brasilia. | Bildquelle: AFP
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"Es geht um die Zukunft unseres Landes", sagt Präsidentin Rousseff.

Diese Krankheit müsse auf nationaler Ebene bekämpft werden. Schon jetzt seien 14 Bundesstaaten und Hunderte Menschen betroffen, und es werden täglich mehr, mahnt Präsidentin Dilma Rousseff. Es gehe nicht um Panikmache: "Aber wir wissen, dass wir das Problem angehen müssen. Es geht schließlich um unsere Kinder und damit auch um die Zukunft des Landes."

Mehr als 1000 Mikrozephalie-Verdachtsfälle gibt es vor allem im Nordosten. In mehreren Bundesstaaten wurde schon der Notstand ausgerufen. Wie ernst die die Lage ist, zeigen die dramatischen Reaktionen der Fachleute.

So viele offene Fragen wie in den frühen 80ern bei Aids

Infektiologe Artur Timerman stellt einen drastischen Vergleich auf - mit den früher 80er-Jahren, als Aids ausbrach: "Die Krankheit hat eine Dimension, von der wir nicht wissen, wie weit sie sich noch ausbreiten wird." Jeden Tag gebe es Neuigkeiten über Zika. Eben erst sei ein Fall nachgewiesen worden, bei dem Zika durch sexuellen Kontakt übertragen wurde. Und es könne noch weitere Formen der Übertragung geben. "Genau wie damals bei Aids wissen wir heute ebenso wenig über Zika", sagt er.

Die Zika-Epidemie im Nordosten wirft viele Fragen auf, Antworten gibt es kaum. Der Anstieg der Mikrozephalie-Fälle bei den Neugeborenen heißt, dass sich die Mütter während der Schwangerschaft, also vermutlich vor einem Jahr infizierten. Das wiederum bedeutet, dass die Stechmücke gerade jetzt zur Regenzeit intensiv bekämpft werden muss, um einen neuerlichen Anstieg an Fällen von Schädelfehlbildungen bei Babys im kommenden Jahr zu verhindern.

"Es gibt keine Magie, um sie auszuschalten"

Doch das, macht Claudio Maierovitch vom Gesundheitsministerium deutlich, sei alles andere als einfach: "Leider gibt es keine Magie, um diese Stechmücke auszuschalten. Und keine Kampagne ist in der Lage, die Fortpflanzung auf Anhieb zu stoppen." Man werden also mit dem Problem wahrscheinlich also noch einige Zeit leben müssen. Und damit auch mit den Krankheiten, die die Mücke überträgt.

Gesundheitsexperten der Regierung experimentieren jetzt mit genmanipulierten Mücken. Diese sollen sich mit den Weibchen paaren, damit diese unfruchtbare Eier produzieren. Ob das Experiment funktioniert, ist unklar.

Die Regierung schickte auch das Militär in den Kampf gegen Aedes aegypti. Da die Larven der Mücken hauptsächlich im Brackwasser gedeihen, sollen die Soldaten bei der Verteilung von Gift in Pfützen und Tümpeln helfen. Wie gesagt: Brasilien befindet sich im Krieg gegen eine kleine unscheinbare Stechmücke.

Der schwierige Kampf gegen das Zika-Virus
J. Segador, ARD Buenos Aires
08.12.2015 09:25 Uhr

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