Tabgha | Bildquelle: dpa

Christliches Kloster in Israel Brandanschlag im Heiligen Land

Stand: 18.06.2015 14:23 Uhr

Verbrannte Bibeln und Hetzparolen an den Wänden - der Brandanschlag auf das Benediktinerkloster am See Genezareth hat in Israel große Bestürzung ausgelöst. Unter den Verletzten sind auch zwei Deutsche. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen.

Von Christian Wagner, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Verkohlte Holzbalken, schwarze Wände, verbrannte Bibeln, das Löschwasser hat den Schaden noch größer gemacht. So sieht es nun in Tabgha aus, der christlichen Pilgerstätte am See Genezareth. Dort hat Jesus nach christlicher Überzeugung eines seiner größten Wunder vollbracht, indem er Brot und Fisch vermehrte.

Nach dieser Brandnacht steht fest: Das Feuer wurde an mindestens fünf Stellen gelegt. An einer der Klostermauern haben der oder die Täter ein Graffiti hinterlassen. Das Zitat aus einem jüdischen Gebet ruft zur Vernichtung von Götzendiensten auf, also zu allem nicht-jüdischen. "Jetzt sind die staatlichen Stellen gefordert, für die Minderheiten hier im Land einen Schutz zu bieten, gerade auch für die Christen", sagte der Sprecher der Benediktinerabtei, Pater Nikodemus. "Es geht hier nicht nur um uns Mönche. Es geht um die Pilger und auch um junge Menschen, die als Volontäre freiwillig ein Jahr bei uns leben wollen und mit guten Erfahrungen aus dem Heiligen Land zurückkehren wollen."

Ein Mönch vor dem Graffiti, welches auf althebräisch zur "Zerstörung von Götzen" aufruft | Bildquelle: AFP
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Beschmierte Wände: Graffiti ruft zur "Zerstörung von Götzen" auf

Deutscher Botschafter verurteilt Gewalt

Eine 20 Jahre alte Volontärin aus Deutschland musste vorübergehend ins Krankenhaus, sie hatte sich bei den ersten Löscharbeiten vor Eintreffen der Feuerwehr verletzt. Ein 80 Jahre alter Mönch, der in Tabgha lebt, muss mit Verdacht auf eine Rauchvergiftung noch in der Klinik bleiben. Auch er stammt aus Deutschland.

Der deutsche Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, kam noch am Vormittag am Ort des Brandanschlags an. Michaelis äußerte sich erschüttert. Er verwies auf die anti-christlichen Hetzparolen und verurteilte die Gewalt gegen religiöse Einrichtungen. Die Ursache des Brandes müsse "zügig und gründlich aufgeklärt" werden, forderte Michaelis. Vorfälle dieser Art dürften sich nicht wiederholen. Zuspruch bekam die Klostergemeinde in Tabgha auch von einer Delegation von deutschen Bischöfen und deutschen Rabbinern, die gerade gemeinsam das Heilige Land besuchen.

Verdächtige sollen Schüler einer jüdischen Religionsschule sein

Die zuständige Polizei in Tiberias teilte mit, dass mehrere Verdächtige festgenommen worden seien. Es soll sich um Schüler einer Jeshiwa, einer jüdischen Religionsschule handeln.

Der Brandanschlag auf die christliche Pilgerstätte beunruhigt auch die israelische Regierung. Vize-Außenministerin Hotovely verurteilte die Tat und sagte, Israel respektiere die Freiheit aller Religionen. Der Minister für Innere Sicherheit, Erdan, nannte den Anschlag "feige und niederträchtig". Er widerspräche den zentralen Werten Israels: "Wir glauben an eine Koexistenz aller Bevölkerungsgruppen und Religionen. Der Vorfall wird mit höchster Priorität untersucht. Die Täter müssen möglichst schnell gefasst und vor Gericht gestellt werden."

Doch genau das ist bei rund 50 Attacken auf christliche Einrichtungen in Israel in den vergangenen drei Jahren nicht passiert. Der Benediktiner-Pater Matthias Karl erklärte in Tabgha, keiner dieser Vorfälle sei aufgeklärt worden.

Brandanschlag auf Kirche in Israel
C. Wagner, ARD Tel Aviv
18.06.2015 13:20 Uhr

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