Zerstörtes Flüchtlingslager nach einem Brand bei Dünkirchen | Bildquelle: REUTERS

Französisches Flüchtlingscamp Wiederaufbau ungewiss

Stand: 11.04.2017 14:23 Uhr

Ein Großbrand hat Frankreichs größtes Flüchtlingslager nahe Dünkirchen an der französisch-belgischen Grenze in Schutt und Asche gelegt. Ob es wieder aufgebaut wird, ist fraglich. Schon zuvor war es politisch umstritten.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Hohe Flammen schlagen in den Nachthimmel über dem Flüchtlingslager in Grande-Synthe. Videos zeigen Flüchtlinge, die versuchen, zwischen brennenden Hütten einige Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen. Polizisten mit Plastikschilden schirmen den Bereich ab. Zu löschen gibt es ganz offensichtlich kaum noch etwas.

Lager komplett zerstört

Am Morgen wird das ganze Ausmaß der Zerstörung offensichtlich: Die allermeisten der rund 300 befestigten Holzhütten sind zu Aschehaufen zusammengefallen, aus denen immer noch Rauch aufsteigt. Nur noch die Spielplätze für die vielen Kinder, die hier bis zum Abend wohnten , blieben stehen.

Zerstörtes Flüchtlingslager nach einem Brand bei Dünkirchen | Bildquelle: REUTERS
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Das Flüchtlingslager ist nach dem Brand nahezu vollständig zerstört.

Albidani, bis gestern Bewohner des Camps, hat den Ausbruch des Brandes miterlebt. Es habe zuvor Kämpfe zwischen kurdischen und afghanischen Bewohnern gegeben, erzählt er. "Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Wir haben alles verloren."

Noch in der Nacht öffnet die Stadt drei Sporthallen, in denen die Flüchtlinge provisorisch untergebracht werden können. Der Präfekt der Region Nord, Michel Lalande, macht ihnen allerdings wenig Hoffnung, vielleicht ins Lager zurückkehren zu können: "Ich kann mir nur schlecht vorstellen, wie wir das Lager schnell wieder aufbauen sollten, allein angesichts dessen, was wir an Schutt erstmal abtransportieren müssen." Die gesamte Infrastruktur - insbesondere die Elektrizitätsversorgung - sei zerstört. "Ich sehe nicht, dass wir hier kurzfristig ein Lager wieder aufbauen können."

Bessere Bedingungen als in Calais

Ohnehin war das Lager in Grande-Synthe überaus umstritten. Der Bürgermeister der Stadt, Damien Carême, hatte es vor rund einem Jahr gemeinsam mit der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen eröffnet - gegen den entschiedenen Willen der Regierung, aus humanitären Gründen.

Er wollte die Lage der Flüchtlinge, die sich hier direkt am Ärmelkanal immer wieder sammeln, um nach England zu gelangen, verbessern. Das sei auch gelungen, wie Pierre Henry, Chef der Hilfsorganisation "France terre d'asile", dem Radiosender France Info schilderte. "Die Bedingungen hier waren tatsächlich um ein vielfaches besser als etwa im Dschungel von Calais."

Auswirkungen der britischen Asylpolitik

Der sogenannte Dschungel von Calais, ein berüchtigtes Flüchtlingslager mit bis zu 10.000 Bewohnern, war im Herbst von der Regierung geräumt worden. Seitdem allerdings hatte sich die Situation in Grande-Synthe deutlich verschlechtert. In dem ursprünglich fast ausschließlich von irakischen Kurden bewohnten Camp war es in der Folge immer wieder zu Auseinandersetzungen mit Flüchtlingen anderer Volksgruppen gekommen, die nun ebenfalls dort Platz suchten. Die Regierung hatte daher auch das Lager in Grande-Synthe räumen lassen wollen.

Der Bürgermeister von Grande-Synthe hatte das jedoch mit dem Hinweis verweigert, dass es zu wenige Erstaufnahmeplätze gebe, um die Flüchtlinge zu verteilen. Ohnehin würde eine Räumung nach Ansicht des Hilfsorganisationschefs Henry wenig bringen. Die Flüchtlinge wollten nun einmal nach Großbritannien und würden deshalb immer wieder in die Städte am Ärmelkanal zurückkommen: "Man kann diese Flüchtlingsroute in Richtung Großbritannien nicht einfach stilllegen - angesichts dessen, dass Großbritannien seine Asylpolitik weiterhin einfach nach Frankreich auslagert. Die Auswirkungen davon bekommen wir hier zu spüren", so Henry.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. April 2017 um 09:00 Uhr und 11:00 Uhr.

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