Selbstmordattentäterin | Bildquelle: ARD-Studio Nairobi

Von Boko Haram entführt "Der Bombengürtel - der einzige Weg raus"

Stand: 12.03.2018 05:07 Uhr

Halima ist 16 Jahre alt, als sie von Boko Haram entführt wird. Die einzige Möglichkeit, die sie zur Flucht sieht, ist, sich als Selbstmordattentäterin zur Verfügung zu stellen.

Von Caroline Hoffmann, ARD-Studio Nairobi

Als die junge Frau den Gang entlangkommt, versteckt sie sich halb hinter ihrem Mann. Ihren schwarzen Hijab hat sie bis tief in die Stirn gezogen. Doch ihre Augen sind wachsam und sie lächelt schüchtern. Nennen wir sie Halima.

Halima lebt im Norden Nigerias und sie teilt das Schicksal vieler Mädchen hier. Sie wurde von Boko Haram entführt, erst verheiratet, dann zur Selbstmordattentäterin gemacht. Doch Halima entschloss sich, niemanden zu töten, sondern zu überleben und konnte flüchten - mit dem umgeschnallten Sprengstoffgürtel.

Dorf nach einem Anschlag von Boko Haram
galerie

Immer wieder verüben Boko-Haram-Kämpfer Anschläge im Norden Nigerias - wie in diesem Dorf Anfang 2016

Halima war bei Freunden zu Besuch, bereitete sich auf ihre Hochzeit vor, als Boko Haram sie entführte. Die Terrorgruppe, die versucht, im Norden Nigerias einen "islamischen Gottesstaat" zu errichten, eroberte das Dorf und nahm sie und andere Mädchen mit, erzählt sie.

Um nicht versklavt zu werden, heiratete die junge Frau einen der Kämpfer, wurde eine von seinen mehreren Frauen. "Das Leben war schrecklich", erinnert sie sich. "Am Morgen hatten wir die Koranklassen und mussten lernen. Danach kochten wir. Dann lasen wir wieder im Koran, und wenn wir müde wurden, gingen wir schlafen. So lebten wir. Und manchmal flogen Jets über den Wald und warfen Bomben auf uns.“

Interview mit der von Boko Haram entführten Halima
Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Nicht alle wurden verheiratet

Denn das nigerianische Militär versucht, die Terrorgruppe zurückzudrängen, setzt dabei auch Kampfflieger ein. Halima sah vor allem die Frauen sterben. "Ich hatte große Angst, denn die Bomben trafen nicht die Kämpfer von Boko Haram, sondern die Mädchen und Frauen."

Nicht alle Mädchen, die Boko Haram entführte, wurden verheiratet, erzählt Halima. Einige lebten auch zusammen in einem Haus und bekamen speziellen Koranunterricht. "Der Unterricht war für die Mädchen, die die Bomben angeschnallt bekommen, damit sie das Militär attackieren, Bürgerwehren oder Menschenansammlungen. Der Auftrag war, sich in Stücke zu sprengen, die Belohnung - das Paradies." Das Lernen der Verse sollte sie beeinflussen, ihre Psyche verändern, damit sie glaubten, was sie tun würden, sei richtig, erzählt die junge Frau.

"Ich wollte weglaufen, aber es gab keinen Weg raus. Wir lebten in einem Camp tief im Sambesi-Wald. Einige Mädchen haben es versucht, aber sie wurden geschnappt und bestraft." Manche, die stur blieben, wurden sogar getötet. "Und deshalb entschied ich mich, zum Schein Selbstmordattentäterin zu werden, als den einzigen Weg, ihnen zu entkommen."

Einige der von Boko Haram freigelassenen Mädchen | Bildquelle: AFP
galerie

Im April 2014 entführte Boko Haram mehr als 270 Mädchen in Chibok. Im Mai 2017 konnten mehr als 80 von ihnen befreit werden.

"Die Bombe war so schwer"

Der Mann, den Halima geheiratet hatte, war nach ein paar Monaten gestorben. Eines Tages wurden ihre Hände mit Henna bemalt und ihre Haare gemacht, dann brachten sie Halima und die anderen zu einem Wagen, erzählt sie. Sie zogen ihnen die Westen mit dem Sprengstoff an.

"Ich war sehr angespannt, die Bombe war so schwer", erinnert sie sich. "Sie ist wie ein Seil, das sie um dich binden. Eins kommt um deine Hüfte, auf der anderen Seite drückst du den Knopf. Wenn du drückst, explodiert sie. Als wir im Auto saßen, hatten die meisten von uns die Westen schon an." Auch Halima bekam eine.

"Ich habe intensiv darüber nachgedacht, ob die Kämpfer vielleicht eine Fernbedienung hatten und diese einfach drücken könnten. Ich wollte die Weste nicht zünden. Im Gegenteil, ich wollte weglaufen." Ihr Ziel sei es gewesen, Sicherheitsleute zu erreichen, die Hände zu heben und sich zu ergeben.

Boko Haram

Was will Boko Haram?
Boko Haram versucht seit dem Jahr 2009 im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias einen "islamischen Gottesstaat" zu errichten.

Wie gefährlich ist Boko Haram?
In den Jahren 2014 und 2015 war es Boko Haram gelungen, größere Gebiete im Bundesstaat Borno einzunehmen. Im April 2014 hatte die Terrorgruppe in Chibok mehr als 270 Mädchen entführt. Mittlerweile sind 164 von ihnen freigelassen worden oder konnten fliehen.
Zwar wurde Boko Haram vom Militär zurückgedrängt, sie hält aber immer noch Rückzugsgebiete, entführt Mädchen, wie im Februar in Dapchi, und schickt Selbstmordattentäter und -attentäterinnen in die Städte, um sich in die Luft zu sprengen.
In dem Konflikt sollen bereits mehr als 20.000 Menschen gestorben sein, mehr als zwei Millionen wurden vertrieben, die große Mehrheit von ihnen lebt immer noch in Flüchtlingslagern.

Warum ist der Kampf gegen die Terrorgruppe so schwierig?
Zwar geht das nigerianische Militär seit Amtsantritt von Präsident Muhammadu Buhari verstärkt gegen die Terrorgruppe vor, doch der Kampf ist schwierig. Buharis Truppen konnten Boko Haram zurückdrängen, der Kampf gleicht aber einem nicht enden wollenden Guerilla-Krieg, der kaum zu gewinnen ist.
Die Gruppe hat auch immer noch Unterstützer in der Bevölkerung. Deshalb seien Militäreinsätze allein nicht genug, sagen Sicherheitsexperten. Wichtig sei auch, dass die Regierung mehr tue, um die Bevölkerung für sich zu gewinnen.

"Sie werden denken, dass ich sie entblößt habe"

"Die Gedanken rasten durch meinen Kopf. Dann traf ich auf die Bürgerwehr. Sie befreiten mich und übergaben mich ans Militär", erzählt sie - und bleibt dabei ruhig, aber doch klar und bestimmt. "Ich hatte so große Angst, dass sie ihre Drohung wahr machen würden und die Bombe ferngezündet an meinem Körper explodieren würde. Und ich würde in Stücke gerissen. Ein anderes Mädchen hat ihre Weste gezündet und wurde zerfetzt."

Flucht von Boko Haram
Mittagsmagazin 13:00 Uhr, 12.03.2018, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Halima gelang es tatsächlich, sich zu entfernen. Erst wollten die Männer der Bürgerwehr sie töten, sagt sie, aber dann halfen sie ihr, den Sprengstoff abzulegen. Sie hatte großes Glück. Jetzt lebt sie in Sicherheit, doch die Angst vor Boko Haram ist immer noch da - die Terrorgruppe verübt weitere Anschläge im Norden Nigerias und entführt immer wieder Mädchen.

"Eines Tages werden sie vielleicht entscheiden, mich wieder zu entführen und dann werden sie mich töten", fürchtet sie. "Sie werden denken, dass ich sie entblößt habe. Immer wenn ich von einem Anschlag höre, habe ich große Angst."

Mehr dazu heute im ARD-Mittagsmagazin um 13.00 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtete das mittagsmagazin am 12. März 2018 um 13:00 Uhr.

Darstellung: