Ein Bischof und Schweizergardisten | Bildquelle: dpa

Bischofssynode im Vatikan Zähes Ringen um jede Zeile

Stand: 11.10.2015 05:04 Uhr

Die Familiensynode der katholischen Kirche geht in die Halbzeit. Schon jetzt lässt sich absehen, dass es zu Kontroversen zwischen Hardlinern und Reformern kommen wird - insbesondere beim Umgang mit Homosexuellen und Geschiedenen.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom

Aus dem Vatikan ist zu hören, die Beratungen sind harmonisch - aber für Synodenteilnehmer, wie den Berliner Erzbischof Heiner Koch, ist es erstaunlich zu erleben, was in Rom in diesen Tagen für große Unterschiede aufeinander treffen: "Für mich ist das die erste Synode, die ich mitmache. Ich bin voller Eindrücke am Ende der Woche. Von der Vielfalt der Bischöfe, der Beraterinnen, der Berater, der Fachleute aus der ganzen Welt. Ich habe natürlich auch gemerkt, dass es sehr unterschiedliche Wahrnehmungen der Welt der Gesellschaft gibt. Was ist die Welt von heute? Sie ist eben nicht eine einheitliche Welt, das ist sehr klar geworden."

Kardinäle und Bischöfe bei der Bischofssynode im Vatikan | Bildquelle: dpa
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Die Teilnehmer der Bischofssynode erörtern grundsätzliche Fragen der katholischen Kirche.

Die Frage ist nur, was ist die Antwort der katholischen Kirche auf diese gar nicht einheitliche Welt? Kann es am Ende gelingen, Antworten auf höchst unterschiedliche Situationen geben? In manchen Ländern werden Ehen immer noch arrangiert, also oft nicht frei geschlossen, in Deutschland beispielsweise sind Patchwork-Familien an der Tagesordnung. Passt das alles in die katholische Kirche? Und welchen Platz haben zum Beispiel Menschen, deren Ehe gescheitert ist.

Streit über Umgang mit Wiederverheirateten

Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien und Moderator der deutschsprachigen Arbeitsgruppe auf der Synode ist gegen jede Art der Härte aus formalen Gründen: "Jesus hat auf das Herz geschaut, auf die konkrete Hilfe dem Nächsten gegenüber. Er hat sich mit dem Arzt verglichen und der Arzt fragt nicht zuerst: Ist bei Dir Deine Familiensituation in Ordnung?, sondern: Wo ist Deine Not, wo brauchst Du Hilfe?"

Christoph Schönborn | Bildquelle: REUTERS
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Erzbischof Schönborn tritt für einen konservativen Kurs ein.

Gerade beim Thema der wiederverheirateten Geschiedenen prallen die Gegensätze aufeinander - es hat Beiträge von Bischöfen gegeben, die für mehr Flexibilität plädieren, andere wiederum sehen den Kern der katholischen Lehre in Gefahr und lehnen jede Art der Öffnung kategorisch ab, dazu Kardinal Schönborn gegenüber Radio Vatikan: "Es gibt immer Positionen, die die Situation überzeichnen. Der Rigorismus ist die alles oder nichts-Position und der Laxismus ist die Everything-Goes-Position, also alles ist beliebig. Beide Positionen gehen natürlich nicht."

Bekommen die Ortskirchen mehr Freiheit?

Am Ende, nach drei Wochen der Beratung, wird die Frage sein, ob es den Bischöfen gelingt, mit der großen Vielfalt umzugehen. Eine Antwort, die nicht wenigen sympathisch ist, wäre, den Ortskirchen gewisse Freiheiten zu geben. Nicht nur im Umgang mit Homosexuellen - auch das eines der umstrittenen Themen - sondern auch bei den wiederverheirateten Geschiedenen.

Heiner Koch | Bildquelle: dpa
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Erzbischof Koch kann sich ein Abendmahl für Geschiedene vorstellen.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch betont, dass die Einheit der Kirche nicht angetastet werden dürfe - dennoch kann er sich unterschiedliche Lösungen vor Ort durchaus vorstellen: "Wenn die Frage zum Beispiel ansteht: Gibt es eine Möglichkeit, dass jemand, dessen Ehe gebrochen ist, dass er trotz dieses Bruches irgendwann zur Eucharistie gehen kann, oder bleibt er ein Leben lang ausgeschlossen? Das ist eine Frage, die muss grundsätzlich geklärt werden."

Am Ende entscheidet der Papst

Am Ende ist eine Synode vor allem auch Arbeit am Text. 13 Arbeitsgruppen machen nach und nach ihre Änderungsvorschläge an der Vorlage - auch hier zeigt sich die Vielfalt der Kirche und wie man hört ist einiges zusammengekommen. Die zehn Synodenteilnehmer, die der Papst ausgewählt hat, um daraus am Ende ein Papier machen, den Vorschlag über den am Ende die Synode abstimmt, sie werden schon jetzt von vielen um dieses Amt nicht beneidet.

Aber was Papst Franziskus am Ende mit dem Dokument der Synode macht, steht noch mal auf einem ganz anderen Blatt.

Schweres Ringen der katholischen Kirche um neuen Kurs
J.-Chr. Kitzler, ARD Rom
11.10.2015 01:47 Uhr

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