Papst Franziskus öffnet die Heilige Pforte am Petersdom.

Bilanz des "Heiligen Jahres" "Das Wesentliche ist die Barmherzigkeit"

Stand: 20.11.2016 01:54 Uhr

Die Bilanz des Heiligen Jahres - im Dezember 2015 von Papst Franziskus ausgerufen - fällt durchwachsen aus: Vor allem Gastronomen und Hoteliers in Rom hatten sich mehr versprochen. Im Vatikan spricht man dagegen von einem vollen Erfolg.

Von Tassilo Forchheimer, ARD-Studio Rom

Am Ende ist es alles eine Frage der Perspektive: Heilige Jahre sind spirituelle Ereignisse, gleichzeitig aber auch eine organisatorische Herausforderung und nicht zu vergessen, natürlich auch ein Geschäft. Und so kommt es, dass dieses Jahr der Barmherzigkeit ganz unterschiedlich beurteilt wird. In den römischen Tageszeitungen war schon von einem Flop die Rede.

Der Cheforganisator des Heiligen Jahres, Kurienerzbischof Rino Fisichella will davon nichts wissen: "Man kann schreiben, was man will. Man kann auch schreiben, dass 20 Millionen ein Flop sind. Mich persönlich interessiert das überhaupt nicht. Und noch weniger interessiert das Papst Franziskus."

Papst Franziskus beendet "Heiliges Jahr" der Barmherzigkeit
tagesschau 13:15 Uhr, 20.11.2016

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Ein schwieriges Jahr

20 Millionen - damit ist die Zahl der Menschen gemeint, die eine der Heiligen Pforten in Rom durchschritten haben. Wer mehrere Päpstliche Basiliken besucht hat, wird mehrfach in der Statistik erscheinen. Belastbarer ist die Zahl der Rom-Touristen insgesamt. Giuseppe Roscioli vom Hotelier-Verband erklärt: "Die Wahrheit ist, dass wir 2015 mit 14 Millionen Ankünften abgeschlossen haben und dieses Jahr werden wir hoffentlich ebenfalls mit 14 Millionen Ankünften abschließen. Also die Differenz ist gleich Null." Doch man wisse natürlich nicht, ob nicht ohne das Heiliges Jahr noch weniger Menschen gekommen wären, räumt Roscioli ein. "Sicherlich ist dieses Jahr für die europäischen Hauptstädte kein glückliches Jahr gewesen. Es hat  Attentate gegeben: Paris, Nizza, Istanbul. Es war also ein schwieriges Jahr. Vielleicht hätten wir ohne Heiliges Jahr weniger Touristen als letztes Jahr gehabt."

Papst Franziskus empfing Obdachlose im Vatikan. | Bildquelle: AP
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Unterwegs als Seelsorger: Im Rahmen des Heiligen Jahrs empfängt Papst Franziskus Obdachlose im Vatikan

Was sogar sehr wahrscheinlich ist. Nach den Anschlägen von Paris war die Zahl der Touristen in Rom tatsächlich spürbar zurückgegangen. Polizei und Militär gehören seitdem zum Straßenbild. "Es gab die Möglichkeit eines Anschlags auf Rom. Deshalb haben wir einen sehr gut durchdachten Sicherheitsplan ausgearbeitet, der in den Vororten anfängt. Denn oft geht von hier die Gefahr aus. Und ich muss sagen, bisher ist alles sehr gut gelaufen", sagt Polizeidirektor Roberto Massucci.

Eine positive Bilanz zieht auch der Vatikan: Papst Franziskus habe mit diesem außerordentlichen Heiligen Jahr das Kernanliegen seines Pontifikates in den Mittelpunkt des kirchlichen Lebens gerückt, meint Erzbischof Fisichella: "Ich persönlich denke, dass wir die wahren Früchte des Heiligen Jahres in den nächsten Jahren sehen werden. Sie werden sichtbar mit der Fähigkeit der Kirche, sich zu verändern. Das Heilige Jahr war ein Anfang. Die Kirche hat mit diesem heiligen Jahr die Augen auf das Wesentliche gerichtet. Das Wesentliche wird oft vergessen: Die Barmherzigkeit. Das Herz des Evangeliums ist die Barmherzigkeit."

Bilanz des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit
T. Forchheimer, ARD Rom
19.11.2016 19:50 Uhr

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Begegnungen mit den Menschen am Rand der Gesellschaft

Barmherzigkeit - als ständiger Auftrag an alle gläubigen Christen. Sie erschöpfe sich nicht darin, Krankenhäuser oder andere wohltätige Einrichtungen zu bauen und zu betreiben, sagt der Bischof. "Das Andere ist das Bewusstsein, dass wir die Barmherzigkeit täglich leben müssen. Dann hätten wir versagt. Denn wir würden uns nur noch darum kümmern, irgendwelche Einrichtungen zu betreiben. Das ist es nicht. Die Barmherzigkeit ist ein Geist, der das tägliche Leben der Christen beherrscht. Sie kann nicht an eine Gruppe von Menschen delegiert werden."


Was das konkret bedeutet, hat Papst Franziskus in den vergangenen Monaten selbst vorgelebt - bei zahlreichen Treffen mit Menschen, die allzu oft am Rande der Gesellschaft stehen: Alte und Kranke, Frühgeborene, Obdachlose, Strafgefangene, Flüchtlinge. Oft erfuhr die Öffentlichkeit erst nachträglich, dass Papst Franziskus wieder einmal als Seelsorger unterwegs war.

In diesem Sinne sollte das Heilige Jahr nach dem Willen des Papstes nicht nur zentral in Rom, sondern auch weltweit in den Ortskirchen begangen werden. Auf allen Kontinenten wurden sogenannte Pforten der Barmherzigkeit eingerichtet, die eine doppelte Symbolik hatten: Als Weg zu Gott und als Türen in eine Welt, in der viele Menschen Hilfe brauchen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. November 2016 um 13:15 Uhr.

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