Berggipfel des Gabler (links) | Bildquelle: picture alliance / zb

Tote Deutsche in den Alpen Warum stürzten die Bergsteiger ab?

Stand: 28.08.2017 10:44 Uhr

Nach dem schweren Unglück mit fünf Toten in den Zillertaler Alpen hat die österreichische Polizei die Ermittlungen übernommen. Doch schon jetzt wurden weitere Details zu den verunglückten Deutschen bekannt. Der einzige Überlebende wird im Krankenhaus behandelt.

Von Andrea Beer, ARD-Studio Wien

Es ist eines der schwersten Bergunglücke seit Langem in Österreich: der tragische Absturz von sechs Bergsteigern am Sonntag im Salzburger Teil der Zillertaler Alpen im Oberen Pinzgau. Inzwischen hat die Landespolizeidirektion Salzburg genauere Informationen über die verunglückte Gruppe aus Bayern. 

Die fünf Toten stammen aus dem Raum Altötting sowie aus der Gegend von Burghausen. Sie waren zwischen Mitte 50 und 70 Jahre alt. Nur einer von ihnen war mit 34 Jahren deutlich jünger.

Der einzige Überlebende ist 75 Jahre alt und wurde von den Rettungshubschraubern in das Unfallkrankenhaus nach Salzburg gebracht. Er ist sehr schwer verletzt, doch der behandelnde Arzt Egbert Ritter ist vorsichtig optimistisch. "Der Patient ist im Augenblick nicht in Lebensgefahr. Er ist soweit stabil. Er ist nicht intubiert, aber faktisch nicht ansprechbar", so Ritter.

Bergrettung | Bildquelle: dpa
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Ein Hubschrauber bringt hier einen der Verunglückten an der Mannlkarscharte nach Krimml.

Unglück auf 3000 Meter Höhe

Der Unfall geschah in knapp 3000 Meter Höhe unterhalb der Zittauer Hütte, wo die Sechsergruppe von Samstag auf Sonntag übernachtete und sich ins Gästebuch eingetragen hatte. Am Sonntagmorgen waren die Männer dann aufgebrochen. Über einen schneefreien und deswegen eisig glatten Gletscher wollten sie den Gabler besteigen - einen Dreitausender in der Nähe des Ortes Krimml. 

Schon einen Tag nach dem Unglück am Sonntag scheint mehr oder weniger klar, wie es zu dem Absturz kommen konnte. In solchen Fällen ermittelt die sogenannte Alpinpolizei. Sie konnte einen Augenzeugen befragen, der den Moment kurz vor dem Unfall beobachtet haben.

Er befand sich 30 bis 50 Meter hinter der Seilschaft. Der Zeuge sah, dass die Unglücksseilschaft miteinander offenbar über das Risiko diskutierte, denn der Letzte von ihnen wollte anscheinend umkehren. Die anderen fünf schienen damit einverstanden. Doch während des Umdrehens sei der Zweite der Gruppe dann auf dem extrem glatten Gletschereis ausgerutscht und habe die anderen mitgerissen.

Zwei der Männer hätten noch mit Pickeln versucht, ihren tödlichen Absturz zu verhindern - doch vergebens. Ein unbeteiligter Bergführer sah den schlimmen Unfall und alarmierte die Rettungskräfte.

Schwierige Bergung

Über Eis, Fels und Geröll waren die sechs Bergsteiger zunächst 100 Meter in die Tiefe gestürzt, dann über eine Art Felsnase weitere 100 Meter gestürzt und in eine Gletscherspalte gefallen. Die Hangneigung liegt bei 40 Grad und die Bergung der Männer an diesem unzugänglichen Ort war schwierig, zumal es nicht nur loses Geröll und Eis sondern auch gefährlichen Steinschlag gab, der durch das Abschmelzen der Gletscher zugenommen hat. Einer der Retter wurde dadurch leicht verletzt. 

Zwei Polizei- und fünf Rettungshubschrauber beeilten sich mit der Bergung so gut es ging, da auch ein Gewitter im Anzug war. Am späten Sonntagnachmittag hatten Hubschrauber dann die letzte der fünf Leichen hinunter ins Tal geflogen.

Dass fast eine ganze Seilschaft ums Leben kommt, ist laut Experten eher ungewöhnlich. Der Chef der Bergrettung Tirol, Hermann Spiegl, sagte, grundsätzlich sei es richtig gewesen, angeseilt zu gehen. Ein derart tragisches Ereignis sei ihm in seiner beruflichen Karriere noch nicht untergekommen.

Inzwischen hat die österreichische Polizei die Ermittlungen übernommen. Sie untersucht nun den Unfallort und will weitere Zeugen befragen.

Nach Bergunglück in den Zillertaler Alpen: Tote identifiziert
Andrea Beer, ARD Wien
28.08.2017 09:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 28. August 2017 die tagesschau um 04:50 Uhr und Deutschlandfunk um 05:25 Uhr.

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