Ein Bergretter sieht mit einer Stirnlampe in eine Felsspalte am Dachstein | Bildquelle: dpa

Dramatischer Rettungseinsatz SMS aus der Felsspalte

Stand: 09.11.2017 17:50 Uhr

Mehr als 100 Stunden saß ein deutscher Bergsteiger in einer Felsspalte in Österreich fest. In 20 Meter Tiefe waren seine Aussichten, zu überleben, mehr als gering. Doch der Mann war gut ausgerüstet - und das rettete ihm das Leben.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Er hatte Proteinriegel dabei, eine Wasserflasche, konnte Schmelzwasser trinken, trug geeignete Kleidung - und war im Besitz seines Handys: Am Samstag war der 45-jährige deutsche Bergsteiger am Dachstein in Oberösterreich von Gosau zur Adamek-Hütte aufgebrochen. Eine halbe Stunde vor seinem Ziel stürzte er durch die  Schneedecke und fiel in eine enge, ausgeschwemmte Öffnung im Kalkgestein - eine Doline.

Unten, am Aufprallort, habe der Bergsteiger nur stehen oder auf seinem Rucksack sitzen können, schildert Christian Ecker von der Einsatzleitung. "Es ist eigentlich unvorstellbar. Der ist eigentlich vier Tage da drin gestanden." In 20 Meter Tiefe habe die Doline nur einen Meter Durchmesser gehabt. Nass sei es dort gewesen, aber mit "relativ günstigen" Temperaturen - oben sei es viel kälter gewesen.

Ein Bergretter sieht mit einer Stirnlampe in eine Felsspalte am Dachstein | Bildquelle: dpa
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In dieser Felsspalte saß der Bergsteiger tagelang fest.

GPS-Daten weisen den Weg

Als erfahrener Bergsteiger hatte der Mann bei seiner Tour ein GPS-Gerät mitlaufen lassen. Diese Koordinaten verschickte er mit seinem Handy immer wieder per SMS, schaltete es aus, um Batterie zu sparen, versuchte es erneut, tage- und nächtelang ohne Erfolg.

In der vergangenen Nacht um ein Uhr sei der Notruf dann empfangen worden, erzählt Einsatzleiter Eckert, irgendwie habe es auf einmal funktioniert. "Und das war sein Glück."

Rettungseinsatz in der Nacht

Die Bergrettungskräfte, die ehrenamtlich ihrer oftmals gefährlichen Arbeit nachgehen, entschieden sich noch in der Nacht, die Bergungsaktion vorzuverlegen, die ursprünglich für den Morgen geplant war. Drei Stunden benötigten Ecker und sein vierköpfiges Suchkommando, um in die Nähe des vermuteten Unglücksortes auf 2050 Metern aufzusteigen und nach dem deutschen Bergsteiger zu rufen.

Gegen vier Uhr morgens hörte der Vermisste die Rufe und antwortete. Erneut hatte er Glück: Das Loch, in das er gefallen war, hatte der Neuschnee noch nicht wieder geschlossen.

Die Retter seilten sich durch die enge Öffnung ab, bargen den unterkühlten Mann, der sich Schulter- und Fußverletzungen zugezogen hatte, und am Morgengrauen flog ihn ein Notarzthubschrauber ins Krankenhaus Wels.

Deutscher Bergsteiger aus Felsspalte gerettet
Clemens Verenkotte, ARD Wien
09.11.2017 18:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 Radio am 09. November 2017 um 18:15 Uhr.

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