Bowe Bergdahl | Bildquelle: AFP

US-Soldat äußert sich in Podcast "Serial" Bergdahl spricht über Taliban-Gefangenschaft

Stand: 11.12.2015 03:02 Uhr

Der US-Soldat Bergdahl hat für Schlagzeilen gesorgt: 2009 hatte er die Truppe verlassen und war in die Hände der Taliban gefallen. Vor Gericht muss er sich wegen Fahnenflucht verantworten, öffentlich schwieg er bislang. Nun spricht er - auf ungewöhnlichem Wege.

Von Jan Bösche, ARD-Hörfunkstudio Washington

Was ist im Kopf von Bowe Bergdahl vorgegangen? Warum verließ der Unteroffizier der US-Armee 2009 seinen Stützpunkt in Afghanistan? Er wurde gekidnappt, von den Taliban fünf Jahre lang festgehalten und schließlich gegen fünf Gefangene aus Guantanamo freigelassen.

"Alles was ich sah, war ein Versagen der Führung"

Öffentlich schwieg Bergdahl, keine Interviews, keine Fernsehauftritte. Aber jetzt kann man ihn hören: "Alles was ich sah, war ein Versagen der Führung. Bis hin, dass das Leben der Jungs, die neben mir standen, in Gefahr war." Bergdahl hat sich mit einem Drehbuch-Autoren unterhalten, insgesamt 25 Stunden lang. Aus diesem Material ist jetzt die zweite Staffel des Erfolgs-Podcasts "Serial" geworden.

"Serial" begann im vergangenen Jahr, mit der Geschichte eines jungen Mannes, der wegen Mord verurteilt wurde - möglicherweise zu unrecht. Der Podcast wurde ein Überraschungserfolg. Die Folgen der ersten Staffel wurden mindestens 68 Millionen Mal heruntergeladen. Nun wollen die Macher in den kommenden Wochen die Geschichte von Bowe Bergdahl erzählen.

Bergdahl wollte sich beweisen

Bergdahl berichtete zum Beispiel, er habe den Stützpunkt verlassen, um eine Krise auszulösen - damit die höheren Vorgesetzten aufmerksam würden. Außerdem habe er sich selbst beweisen wollen. Allerdings fiel er recht bald in die Hand seiner Kidnapper.

"Nein, ich habe nicht gekämpft, ich hatte nur ein Messer, ich bin nicht dumm genug, mit einem Messer einen Haufen von Typen zu bekämpfen, die Kalaschnikows haben." Bergdahl sagte, er sei von den Taliban gefoltert worden. Dazu gehörte auch Isolation. Mal mit viel Licht, mal in völliger Dunkelheit: "Jemand fragt dich, warum schmerzt das. Schmerzt dein Körper? Ja. Aber es ist mehr als das. Es ist diese mentale Sache. Du wachst auf in der Nacht, es ist so dunkel. Ich bin manchmal aufgewacht und wusste nicht, wer ich war."

Nach fünf Jahren kam Bergdahl frei - im Tausch gegen fünf Taliban, die in Guantanamo in Haft saßen. Der Deal löste schnell Kritik aus: Bergdahl habe sich selbst und andere in Gefahr gebracht, weil er den Stützpunkt verließ. Er muss sich jetzt wegen Fahnenflucht und Fehlverhalten verantworten.

"Fünf Terroristen sind wegen ihm auf freiem Fuß"

Der republikanische Senator Jim Inhofe gehört zu den Kritikern. Er sagte CNN, er glaube den Erklärungen Bergdahls nicht: "Nein, tue ich nicht. Er hatte viel Zeit, darüber nachzudenken, wie er seinen Fall vorbringen will. Genau das tut er hier. Eine Sache, warum ich verärgert bin: Er lenkt ab von dem eigentlichen Thema: Fünf Terroristen sind wegen ihm auf freiem Fuß. Das ist das Schlimmste. Aber jeder macht sich Sorgen um Bergdahl."

Auf jeden Fall ist es ungewöhnlich, dass jetzt ein Millionen-Publikum Bergdahls Version der Geschehnisse hören kann, während er auf seinen Militär-Prozess wartet. Die Republikaner im Repräsentantenhaus erhöhen in der Sache den Druck auf Präsident Barack Obama. In einem Bericht werfen sie ihm vor, den Kongress über den Gefangenenaustausch nicht korrekt informiert zu haben. Die fünf freigelassenen Taliban hätten sich bereits wieder in bedrohlichen Aktivitäten engagiert.

Obamas Sprecher Josh Earnest verteidigte das Vorgehen: "Der Präsident glaubt fest an das Prinzip, sicher zu stellen, dass jeder, der eine Uniform der USA anzieht, nicht vom Oberbefehlshaber zurückgelassen wird. Es gab eine einmalige Chance, Sergeant Bergdahl sicher zurückzuholen. Das haben wir getan." Der Gefangenenaustausch war damals von Katar vermittelt worden. Dorthin waren die fünf Taliban auch ausgeflogen worden.

Frühere Taliban-Geisel Bergdahl äußert sich erstmals
J. Bösche, ARD Washington
11.12.2015 03:16 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 11. Dezember 2015 um 07:32 Uhr auf NDR Info.

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