Glory Omorisuwa wischt vor ihrem Haus | Bildquelle: Caroline Hoffmann, WDR

Zur Prostitution gezwungen Die leidenden Frauen von Benin City

Stand: 06.05.2018 04:32 Uhr

Von ihren Familien werden sie nach Europa geschickt, um als Prostituierte Geld zu verdienen: Zurück in Nigeria kämpfen die jungen Frauen, wieder Tritt zu fassen.

Von Caroline Hoffmann, ARD-Studio Nairobi

Der Beton sieht noch frisch aus. Auf Holzböcken liegen die Türen, bereit zum Abschleifen. Glory Omorisuwa steht in ihrem farbenfrohen Kleid auf der kleinen Terrasse am Hauseingang und fegt. Es ist ein großes Haus, sechs Zimmer hat es, überall Steinfußboden. Ein gutes Haus für Benin City. Es ist Glory Omorisuwas ganzer Stolz.

"Ich kann zufrieden sein. Wenn ich nicht nach Spanien gegangen wäre, hätte ich dieses Haus nicht - und wo könnte ich dann hingehen?", sagt die 29-Jährige. "Ich habe als Prostituierte auf der Straße gearbeitet. Ich dachte mir, ich muss das machen, um mir eine Zukunft zu verdienen."

Opfer des Menschenhandels

Doch freiwillig ist sie nicht gegangen. Mit 17 Jahren wurde sie ein Opfer des Menschenhandels. Aus Benin City und dem Umland werden viele Mädchen nach Europa geschickt. Ihre eigene Tante entschied, dass sie nach Spanien gehen solle. Zehn Jahre arbeitete Glory Omorisuwa dort als Prostituierte.

Erst auf der Straße, dann versuchte sie es in einem Bordell. Und immer musste sie das Geld nach Hause schicken, damit ihre Familie ein besseres Leben führen konnte. "Ich habe meiner Mutter Geld geschickt, um dieses Haus zu bauen. Und an meine Tante. Sie hat mir gesagt, dass ich ihr Geld zahlen muss, dass es ihres ist“, erzählt sie. Im Haus lebt die junge Frau nun mit ihrer Mutter und ihren Brüdern.

Rückkehr aus Europa
Weltspiegel, 04.05.2018, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

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Der Traum vom Frisörsalon

Ein Zimmer ist noch völlig leer, nur nackte Steine. Es geht zur lehmigen Straße hinaus. Hier möchte Glory Omorisuwa einen Frisörsalon eröffnen, damit sie etwas Geld zum Leben verdienen kann. Heute kommt Schwester Bibiana vorbei, sie unterstützt die junge Frau dabei, wieder Fuß zu fassen. Das fällt Glory Omorisuwa schwer. Sie ist traumatisiert, redet mit großer Distanz über ihre Zeit in Spanien - und nur positiv.

Die Mädchen übernähmen in Benin City die Verantwortung für ihre Familie, sagt Schwester Bibiana. "Hier sind die Mädchen mehr oder weniger die Ernährer und nehmen sich die Situation ihrer Familie zu Herzen. Und deshalb gehen einige freiwillig. Aber die meisten werden von ihren Müttern oder ihrer Familie zu Schleusern gebracht."

Benin City, Nigeria | Bildquelle: Caroline Hoffmann, WDR
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Benin City im Süden Nigerias hat für den Handel mit Menschen traurige Berühmtheit erlangt.

Traurige Tradition

Erst hätten die Händler Waren von Benin City nach Europa gebracht, sagt sie. Dann hätten sie festgestellt, dass sie mit Prostitution mehr verdienen könnten. Der Handel mit Mädchen sei in Benin City eine traurige Tradition geworden: "In jeder Familie sagten die Mütter: 'Hast du dieses Mädchen gesehen? Sie hat ein Haus gebaut. Sie haben ein Auto.' Es wurde eine Tradition, an der jede Familie teilhaben will."

Jungen Frauen helfen, die Opfer des Menschenhandels wurden - das ist für Schwester Bibiana eine Herzensangelegenheit. Sie leitet ein Heim für zurückgekehrte Mädchen, mitten in Benin City. Lauter Gesang dringt durch den Flur. In einem kleinen Raum stehen zehn junge Frauen, singen und klatschen. Fast alle von ihnen sind geschleust worden, versuchten nach Europa zu gelangen.

Schwester Bibiana | Bildquelle: Caroline Hoffmann, WDR
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Setzt sich für die aus Europa zurückgekehrten Frauen ein: Schwester Bibiana.

"Sie wissen, dass sie Prostituierte werden sollen"

"Die meisten sagen, sie wüssten es nicht", sagt Schwester Bibiana. "Aber sie wissen doch, dass sie Prostituierte werden sollen. Sie verstehen nur nicht, was es wirklich für sie bedeutet." Und den Müttern, die ihre Töchter schicken, sei es auch nicht klar, sagt sie. Hier in ihrem Heim möchte sie mit den jungen Frauen vor allem reden, damit sie das Erlebte verarbeiten können - und erkennen, welche Rolle ihre Familien gespielt habe, bei ihrer Entscheidung in Europa als Prostituierte nach einem besseren Leben zu suchen.

Zwei Tage später. Schwester Bibiana besucht eine Konferenz des Bundesstaates Edo über Migration und Menschenhandel. Der Staat hat eine Taskforce gegründet, versucht gegen die Händler vorzugehen. "Wir möchten nicht mehr, dass Menschenhandel mit unserem Bundesstaat Edo in Verbindung gebracht wird. Wir möchten ihn ausmerzen", sagt Yinka Omorogbe, Leiterin der Taskforce. Sie versuchten, die Mädchenhändler festzunehmen - und sie sehen auch die Mütter in der Verantwortung: "Wir müssen den Frauen klar machen, dass sie nicht ihre Töchter anschauen können und in ihnen die Möglichkeit sehen, Geld zu machen."

Oder ihre Nichten. Für Glory Omorisuwa kommt dieser Einsatz des Staates viel zu spät. Aber sie hat Schwester Bibiana, die ihr eine Weiterbildung zur Frisörin ermöglichte und die bei ihrem Besuch richtig wütend wird. "Ich hab dir gesagt, ich will Einsatz sehen, ein Interesse von dir an dir selbst", schimpft sie mit der 29-Jährigen, weil der Raum immer noch leer ist und keine Türen hat.

Glory Omorisuwa ist ganz kleinlaut. Der Schreiner hätte längst da sein sollen, doch sie hatte einfach keine Kraft, ihm hinterherzutelefonieren. Eine letzte Ermahnung, dann macht Schwester Bibiana sich auf den Weg. Aber sie wird wiederkommen, schimpfen und versuchen zu helfen. Damit Glory Omorisuwa in Benin City trotz ihrer Vergangenheit eine Chance bekommt. "Damit sie ihren Laden fertig macht und wieder richtig in die Gesellschaft hier integriert werden kann."

Mehr zu diesem Thema sehen Sie im Weltspiegel um 19.20 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtete der Weltspiegel am 06. Mai 2018 um 19:20 Uhr.

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