Die BBC-Zentrale in London. | Bildquelle: AFP

BBC-Honorare Moderatoren kassieren Millionen

Stand: 19.07.2017 16:45 Uhr

Zu den größten Geheimnissen der Medienbranche gehört normalerweise die Gage der Top-Moderatoren. Die BBC musste die nun erstmals offenlegen. Gary Lineker etwa kassiert zwei Millionen Euro. Nun fürchtet die BBC, dass die Konkurrenz ihr die Stars abwirbt.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Chris Evans ist der Frühmoderator von Radio 2. Er ist der Topverdiener der BBC. Er verdient umgerechnet etwa 2,5 Millionen Euro pro Jahr - vor allem dafür, dass er morgens mit flotten Sprüchen und poppiger Musik die Radiohörer weckt.

Nummer Zwei auf der Liste, mit etwa zwei Millionen Euro, ist Fußball-Legende Gary Lineker, weltweit bekannt durch seine knappe Analyse: Fußball sei ein einfaches Spiel, bei dem 22 Spieler 90 Minuten hinter einem Ball herjagten und am Ende immer Deutschland gewinne. Lineker jagt schon lange keinem Ball mehr hinterher. Dafür präsentiert er im Fernsehen die Sportschau der BBC, die am Wochenende abends die Zusammenfassung der Premier League Spiele zeigt.

Gary Lineker @GaryLineker
Happy BBC salary day. I blame my agent and the other TV channels that pay more. Now where did I put my tin helmet?

Fast 100 Spitzenverdiener

Der Dritte auf der Liste ist Graham Norton, BBC-Kommentator unter anderem beim Eurovision Song Contest. Er steht mit umgerechnet einer Million Euro in der Liste, dürfte aber deutlich mehr verdienen, weil eine private Produktionsfirma seine wöchentliche Talkshow produziert und die Einnahmen daraus nicht in der Honorarliste der BBC auftauchen. 96 Radio- und Fernsehstars stehen auf dieser Liste. Sie alle bekommen mehr als 150.000 Pfund pro Jahr, umgerechnet 170.000 Euro.

Konkurrenz kann nun leichter abwerben

Tony Hall
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BBC-Generaldirektor Tony Hall fürchtet, dass seine Stars nun leichter abgeworben werden können.

Das neue Rundfunkgesetz hat die BBC erstmals dazu verpflichtet, die Namen ihrer bestbezahlten Mitarbeiter zu veröffentlichen. BBC-Generaldirektor Tony Hall ist darüber nicht glücklich: "Wir sind für Transparenz. Deshalb haben wir auch schon bisher als einziges Massenmedium die Summen veröffentlicht, die wir insgesamt unseren Stars zahlen. Aber bisher ohne sie beim Namen zu nennen." Hall befürchtet, dass die private Konkurrenz seine Stars leichter abwerben kann, weil genau bekannt ist, wieviel sie verdienen. "Aus unserer Sicht ist das ein Gesetz für Wilderer."

Der Generaldirektor weist darauf hin, dass die BBC es geschafft habe, im Rahmen der Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre die Gagen ihrer Spitzenkräfte zu drücken: um insgesamt zehn Prozent im vergangenen Jahr und um 25 Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre.

Frauen verdienen weniger

Trotzdem enthält die neue Liste Zündstoff. Denn nur ein Drittel der Top-Verdiener sind Frauen. Und die bestbezahlte Frau in der BBC, die Moderatorin der Tanzshow "Strictly Come Dancing" (Anm. der Red.: englische Fassung von "Let's Dance") Claudia Winkleman, steht mit etwa 550.000 Euro in der Liste - wenig im Vergleich zu den männlichen Top Drei.

Der BBC-Boss verweist darauf, dass die Einkommensunterschiede der Geschlechter außerhalb der BBC noch deutlich größer seien. Er verspricht aber, bis 2020 die Gleichheit im Sender durchzusetzen und innerhalb der kommenden drei Jahre auch die Einkommenslücke zu schließen.

Der BBC-Moderator Chris Evans. | Bildquelle: AP
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Chris Evans gilt als megareich. Im Jahr 2000 verkaufte er seine Medienfirma für umgerechnet rund 350 Millionen Euro. Im TV moderierte er von 2015 bis 2016 die Kultsendung "Top Gear".

Evans: "Nicht des Geldes wegen"

Deutlich wird nach der Veröffentlichung auch, dass die Stars außerhalb der BBC bei kommerziellen Anbietern noch mehr verdienen können. Gary Lineker twitterte, er habe ein deutlich höheres Angebot eines privaten Senders abgelehnt, er bleibe lieber bei der öffentlich-rechtlichen BBC. Auch Topverdiener Chris Evans erklärte, er liebe seinen Job, und mache ihn doch nicht des Geldes wegen.

Die Top-Verdiener der BBC
Jens-Peter Marquardt, ARD London
19.07.2017 18:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juli 2017 um 15:52 Uhr.

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