In Ripoll versammeln sich Mitglieder der muslimischen Gemeinschaft und Verwandte der mutmaßlichen Attentäter, um gegen Terrorismus zu protestieren. | Bildquelle: AP

Anschlag Barcelona Die Terrorzelle keimte in der Provinz

Stand: 20.08.2017 23:30 Uhr

Sie galten als "gute Typen", waren anerkannt und integriert: Alle, die bislang mit dem Terroranschlag in Barcelona in Verbindung gebracht werden konnten, sind in der Provinz aufgewachsen, im Norden Kataloniens. Dort kann man nicht glauben, was passiert ist.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Ripoll ist ein malerisches Städtchen im Norden von Katalonien, am Fuße der Pyrenäen. Etwa 10.000 Menschen leben hier, unter ihnen vergleichsweise wenige Muslime - gerade einmal 700. Die meisten sind gut integriert, sagen die Einheimischen. Bisher habe es keine Probleme gegeben.

"Als ich im Fernsehen den Namen Ripoll hörte und die Bilder der Jungs sah, dachte ich nur: ‚Das kann doch nicht wahr sein!‘ Ich kannte sie natürlich vom Sehen. Einer hat hier Fußball gespielt",

erzählt der 75-jährige Antonio. Und Ramon meint: "Natürlich reden alle über dieses Thema, wie in ganz Europa. Ja, es bleibt schon Angst zurück."

Nachbarn ist nichts aufgefallen

Alle bisher bekannten Mitglieder der Terrorzelle wuchsen in Ripoll auf. Die Polizei durchsuchte neun Häuser und Wohnungen. Darunter auch das Mehrfamilienhaus, in dem die Brüder Mohamed und Omar wohnten. Mohamed wurde beim vereitelten Anschlag in Cambrils von der Polizei erschossen.

Dass die beiden Terroristen gewesen sein sollen, kann dieser Nachbar nicht verstehen: "Wir haben uns immer gegrüßt. Aber es ist so, dass Mohamed und Omar in letzter Zeit sehr viel ernster waren als vorher. Wenn ich sie darauf ansprach, sagten sie immer: 'Wir sind müde von der Arbeit!' Das gehe ja allen so. Aber sonst ist mir nichts aufgefallen."

Auch Pablo wohnt in der Nachbarschaft. Er kannte den mutmaßlichen Terroristen Mohamed gut, ist mit ihm zur Schule gegangen. "Er war sehr extrovertiert, hatte einen starken Charakter, aber hielt zu seinen Freunden. Er war eigentlich ein sehr guter Typ. Wenn du ihn respektiert hast, hat er auch dich respektiert. Aber man durfte sich nicht mit ihm anlegen."

Imam Kopf der Terrorzelle?

Aus Ermittlerkreisen heißt es: Der Kopf der Terrorzelle könnte ein Imam gewesen sein. Abdelbaki Es Satty predigte bis Juni in der Moschee von Ripoll. Die Polizei hält es für möglich, dass er bei der Explosion der Sprengstoffwerkstatt der Terrorgruppe ums Leben kam - im Süden Kataloniens.

Abu Jassine ist Vorsitzender der muslimischen Gemeinde von Ripoll: "Wir wissen nicht, ob der Imam außerhalb der Moschee Kontakt zu diesen Männern hatte. Das wissen wir einfach nicht. Er hat nie etwas Seltsames gesagt oder getan. Nur das, was alle Imame tun: Gottesdienste halten."

Für die Einwohner von Ripoll ist es schwer zu verstehen, dass sich in ihrer Kleinstadt eine Islamistengruppe radikalisieren konnte. Sie stellen sich die Frage, wie das unbemerkt passieren konnte - und auf diese Frage haben sie bisher keine Antwort.

Wo die Terroristen von Barcelona zu Hause waren
Oliver Neuroth, ARD Madrid
20.08.2017 23:58 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. August 2017 um 23:00 Uhr.

Darstellung: