Gasflaschen in Alcanar beim Haus der mutmaßlichen Terroristen | Bildquelle: AFP

Attacken in Barcelona und Cambrils Terrorzelle plante noch größeren Anschlag

Stand: 19.08.2017 02:21 Uhr

14 Tote, mehr als 100 Verletzte - das ist die vorläufige Bilanz der Anschläge in Barcelona und Cambrils. Die Polizei geht inzwischen von einer größeren Terrorzelle aus, die wohl noch viel Schlimmeres geplant hatte, wie die Ermittlungen zeigen.

Hinter den Terrorattacken in Spanien mit 14 Toten und mehr als 100 Verletzten steckt nach den Erkenntnissen der Polizei eine organisierte Islamistenzelle. Die Zeitung "El País" sprach von einer Größe von zwölf Personen. Vier Verdächtige wurden festgenommen, unter ihnen auch ein 20-jähriger Marokkaner. Doch nach wie vor ist unklar, wer den Lieferwagen auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas gelenkt hat - und ob die Person noch lebt.

Medienberichten zufolge ist der Fahrer tot: Er sei unter den fünf Terroristen gewesen, die in der Nacht zum Freitag in der Küstenstadt Cambrils beim zweiten Anschlag erschossen wurden, berichteten die Zeitung "El País" und andere spanische Medien unter Berufung auf Polizeikreise. Es gebe mehrere Indizien, bestätigt werden könne dies aber noch nicht.

Wie es aus französischen Polizeikreisen heißt, wird in Frankreich nach einem Mietwagen gefahndet. Die spanische Polizei habe Informationen zu einem Renault Kangoo übermittelt. Der Wagen sei am Donnerstag von Verdächtigen der Anschläge in Spanien gemietet worden und habe möglicherweise die Grenze zu Frankreich überquert. Aus Spanien lägen Informationen über flüchtige Verdächtige vor.

Sprengstoffwerkstatt ausgehoben

Die Gruppe hatte offensichtlich Pläne für einen weitaus größeren und verheerenderen Anschlag. Der Chef der katalanischen Polizei, Josep Lluís Trapero, verwies auf eine Explosion in der Nacht zum Donnerstag in Alcanar, 200 Kilometer südlich von Barcelona. Bei der Gasexplosion wurde ein Haus zerstört, erst hieß es, ein Mensch sei dabei ums Leben gekommen - doch inzwischen wurde eine zweite Leiche gefunden. Nach verschiedenen Medienberichten soll es am Freitagmorgen eine zweite Explosion gegeben haben.

Die Ermittler sind sich sicher, dass die Ereignisse einen Zusammenhang haben. So hätten sie in dem Tatwagen von Barcelona einen Ausweis eines Bewohners des Hauses in Alcanar gefunden, berichtet ARD-Korrespondentin Natalia Bachmayer.

Bei der Explosion könnte es sich um einen Unfall gehandelt haben. "Wir haben eine Reihe von Materialien gefunden, die uns vermuten lassen, dass die Planung der Attentate über das hinausging, was wirklich geschehen ist. Nämlich dass sie ursprünglich explosive Materialien verwenden wollten - wie Butangas oder ähnliches", so Polizeisprecher Trapero. In dem Gebäude sollen etwa 20 Gasflaschen gelagert worden sein.

Deutsche Todesopfer nicht ausgeschlossen

Die Identität der 13 Toten von Barcelona ist noch nicht völlig geklärt. Die katalanischen Rettungsdienste teilten mit, die Opfer der Anschläge von Barcelona und Cambrils stammten vermutlich aus 34 Ländern. Doch das sei noch vorläufig. Fünf der Opfer seien noch nicht identifiziert, sagte ein Vertreter der katalanischen Regionalregierung bei der Ankunft von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel in Barcelona.

Damit sei auch noch nicht auszuschließen, dass Deutsche unter den Toten seien, fügte er hinzu. "Es ist möglich", aber bisher habe man noch keine Erkenntnisse darüber. Nach Angaben des Außenministeriums in Berlin wurden 13 Deutsche verletzt, zwei von ihnen sind noch immer in Lebensgefahr. Insgesamt 65 Verletzte befanden sich am Freitag noch im Krankenhaus. 17 kämpften laut Zivilschutz weiter um ihr Leben, 28 seien in "ernstem Zustand".

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 18. August 2017 um 21:55 Uhr.

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