Der senegalesische Diplomat, Babacar Gaye, muss seinen Posten räumen | Bildquelle: AFP

Missbrauchsvorwürfe gegen UN-Blauhelme Ban feuert Verantwortlichen

Stand: 12.08.2015 22:10 Uhr

Das hat es in der jüngeren UN-Geschichte noch nicht gegeben: Der Leiter einer Blauhelm-Mission muss gehen. UN-Chef Ban reagiert auf die erneuten Missbrauchsvorwürfe gegen Blauhelm-Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik.

Von Georg Schwarte, ARD-Hörfunkstudio New York

Ein Mann hat genug. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon steht vor den Türen des UN-Sicherheitsrates in New York. Ohne Krawatte, aber mit Wut im Bauch und er vollzieht, was es in der jüngeren UN-Geschichte so noch nie gegeben hat: Er entlässt den Leiter einer UN-Blauhelmmission.

"Genug ist genug", sagt Ban Ki Moon. Er habe das Rücktrittsgesuch des Leiters der UN-Blauhelm-Mission Minusca, Babacar Gaye, zuständig auch für die Zentralafrikanische Republik, angenommen. Soll heißen - Ban Ki Moon hat ihn entlassen.

Wiederholt Berichte über Missbrauch

UN-Generalsekretär Ban | Bildquelle: AFP
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UN-Generalsekretär Ban Ki Moon

Am Tag zuvor wieder Berichte über mutmaßlichen Missbrauch durch Blauhelmsoldaten in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik. Amnesty International sagt, Blauhelme hätten dort schon Anfang August ein 12-jähriges Mädchen vergewaltigt. Am Tag darauf hätten sie zwei unbewaffnete Zivilisten, einen Vater und seinen Sohn, der Junge 16 Jahre alt, auf offener Straße erschossen.

Blauhelme als Täter? Der UN-Generalsekretär ringt um Worte und Fassung: "Ich kann nicht in Worte kleiden, wie wütend, beschämt, empört ich bin über die jetzt immer wiederkehrenden Berichte von Missbrauch und Ausbeutung durch UN-Blauhelmsoldaten."

Sex gegen Lebensmittel

Seit Monaten gibt es Hinweise und auch Belege, dass UN-Blauhelme, aber auch französische Soldaten außerhalb der Blauhelmmission, gerade in der Zentralafrikanischen Republik, Kinder missbraucht haben. Sex gegen Lebensmittel. Die Fälle sind dokumentiert, sogar von den Vereinten Nationen selbst. Geschehen war danach damals monatelang nichts. Auch deshalb trat bereits im Juli die stellvertretende UN-Hochkommissarin Flavia Pansieri zurück.

UN-Blauhelm-Soldaten aus Ruanda patrouillieren im zentralafrikanischen Bangui | Bildquelle: AFP
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UN-Blauhelm-Soldaten aus Ruanda patrouillieren im zentralafrikanischen Bangui

Und jetzt wieder neue Vorwürfe. Ban Ki Moon scheint außer sich: "Ich werde es nicht tolerieren, dass solche Taten dafür sorgen, dass die Menschen beim Umgang mit UN-Truppen Vertrauen durch Furcht ersetzen."

Warnung an die Leiter aller UN-Missionen

Und der UN-Generalsekretär sagt weiter, die schändlichen Taten einiger weniger Blauhelme, würden die Arbeit tausender UN-Mitarbeiter beschmutzen. Vor Wochen hatte Ban Ki Moon bereits eine externe Untersuchung aller Missbrauchsvorwürfe eingeleitet. Mit der jetzigen Entlassung schafft er selbst Fakten und verbindet sie mit einer unmissverständlichen Warnung an alle Leiter der 16 weltweit laufenden Blauhelmmissionen: Er werde sie verantwortlich machen für das Verhalten von Soldaten, Polizisten und Zivilisten unter ihrem Mandat.

Und der Südkoreaner Ban Ki Moon verbeugt sich dann öffentlich als Geste der Scham vor allen Missbrauchsopfern und sagt: "Alle Opfer sollen wissen, wir helfen Euch. Meldet Euch, fühlt Euch sicher durch die Gewissheit, dass wir solche Verbrechen aufklären werden."

Auf den Tätern laste die Schande

Dann stockt Ban Ki Moon. Schaut hoch von seinem vorbereiteten Text und sagt an die Opfer gewandt, nicht sie müssten sich schämen, es seien die Täter, auf denen alle Schande laste.

Ende der Pressekonferenz. Ban Ki Moon geht. Genug gesagt für heute. Als nächstes wird er am Donnerstag den Sicherheitsrat in New York informieren und dann steht die Videokonferenz mit den Leitern der UN-Missionen an. Keine schönen Tage für den tief frustrierten Generalsekretär der Vereinten Nationen. 

Ban Ki Moon entlässt Leiter der Blauhelm-Mission Minusca
G. Schwarte, ARD New York
12.08.2015 21:45 Uhr

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