Tempel Tanah Lot | Bildquelle: picture alliance / Pacific Press

Geplantes Luxushotel auf Bali Trump und der Zorn der Götter

Stand: 08.04.2017 13:40 Uhr

Bali ist für viele Reisende immer noch der Inbegriff des Paradieses. Doch nun droht Unheil. Eine der Firmen von US-Präsident Trump plant ein Luxusressort - direkt neben Tanah Lot, dem wichtigsten und heiligsten Tempel der hinduistischen Balinesen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Sanftes Springbrunnenplätschern untermalt die Teestunde in der Lobby. Vor der Terrasse rauscht das Meer, hinter dem Eingang erstrecken sich weitläufige, sattgrüne Golfwiesen. 475 Dollar kostet die Übernachtung im preiswertesten Zimmer des Nirwana Ressort in Tanah Lot.

Doch wenn es nach dem Willen der Firma Trump Hotels geht, dann soll das hier alles bald noch viel größer, prächtiger und teurer werden. Ein Hochhaus auf den Klippen soll die alten Bungalows ersetzen, denn wo Trump draufsteht, da muss es möglichst ein Turm sein. Von hier aus könnten die Gäste sogar auf den Hindu-Tempel aus dem 16. Jahrhundert schauen.

Das wichtigste Heiligtum der Hindus auf Bali ist von der Brandung umtost und nur bei Ebbe erreichbar. Das neue Sechs-Sterne-Hotel soll keine zwei Kilometer Luftlinie entfernt entstehen. "Das ist unmöglich!", sagt der hinduistische Rechtsprofessor Wayan Windia von der Universität Bali in einer Absolutheit, als sei der Trump-Plan durch sein Urteil vom Tisch.

Tempel Tanah Lot | Bildquelle: picture alliance / robertharding
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Touristenmagnet und Heiligtum: Der hinduistische Tempel Tanah Lot.

"Warum sollte jemand so etwas tun?"

"Es geht um die Dreifaltigkeit von Religion, Mensch und Umwelt. Hinduismus ist auf Bali nicht nur Glaube, sondern eine Lebensart. Sie müssen mit den Göttern, mit den Nachbarn und mit der Welt in der sie leben, im Einklang sein", erläutert Windia. "Und wenn jemand ein Gebäude zu dicht an unserem heiligen Tempel baut, dann ruft er nicht nur den Zorn der Götter hervor, sondern auch den Zorn der Natur und der Menschen, die hier leben. Warum sollte jemand so etwas tun?"

Entfernung und Höhe - das sind die beiden entscheidenden Faktoren für gläubige Hindus. An den heiligen Stätten darf nicht zu nah gebaut werden, aber vor allem nicht zu hoch. Die Kokospalme, so erklärt der Unternehmer Khadek, ist das Maß aller Dinge: "Wir dürfen keine Häuser bauen, die höher als Kokospalmen sind. Das ist ein Gesetz hier auf Bali." Denn die Kokospalme sei der wichtigste Baum für die Balinesen. "Wir brauchen ihn für die religiösen Zeremonien – den Stamm, die Blätter, die Früchte. Wir nutzen jedes Teil für die Zeremonie. Und die Zeremonie ist das Wichtigste in unserem Leben. Wenn wir höher bauen, verärgern wir die Götter. Deshalb würde auf Bali niemand in einem Haus wohnen, das höher ist als die Kokospalmen", so Khadek.

Eine Milliarde Dollar soll veranschlagt worden sein

Das endgültige Design und die Höhe des Hotelturms stünden noch nicht fest, heißt es von Trump Hotels. Die Leitung der Firma hat der US-Präsident nach dem Einzug ins Weiße Haus an seine Söhne Donald Jr. und Eric übergeben. Eine Milliarde Dollar haben sie angeblich für das Mammutprojekt veranschlagt.

Die Pläne für das neue Luxushotel stünden aber in jeder Hinsicht im krassen Gegensatz zur Heiligkeit des Tempels, so Ketut Diatmika vom Rat der Hindus auf Bali: "In Hotels gibt es ja zuweilen auch Diskotheken, Striptease und solche Sachen. Das läuft dem Gefühl für die Heiligkeit des Tempels völlig zuwider. Die Gläubigen wollen sich ins Gebet versenken und mit ihren Göttern sprechen – und dann kommt da von draußen laute Musik. Natürlich stört das die Konzentration der Gläubigen."

"Dieses Hotel wird nicht gebaut"

Bereits im August soll mit dem Abriss des alten Golfressorts in Tanah Lot begonnen werden. Als es in den 90er Jahren gebaut wurde, gab es ebenfalls heftige Proteste. Die Menschen, die damals protestierten, sind immer noch am Leben und sie werden nicht kampflos das Feld räumen, warnt Rechtsprofessor Windia die Amerikaner. "Dieses Hotel wird nicht gebaut", ist er überzeugt. Denn der Rat der Hindu werde niemals zustimmen.

Trumps Geschäftspartner auf Bali ist übrigens der indonesische Milliardär und Politiker Tanoesoedibjo. Der Unternehmer hat kürzlich erklärt, 2019 für das Amt des indonesischen Präsidenten kandidieren zu wollen - zwei Staatenlenker als Geschäftspartner. Wenn er Erfolg hat, gäbe es neben religiösen also auch massive Interessenkonflikte, ätzen die Kritiker.

Ein Tower auf den Klippen, Villen, Bungalows, Golfplätze: Das größte Ressort für die Reichen auf Bali soll auf 100 Hektar Fläche entstehen. Geplante Bauzeit: drei Jahre.

"Alles Schlechte kommt zurück"

Busunternehmer Khadek ist nicht allzu optimistisch, dass Proteste und religiöse Einwände die Amerikaner von ihren Plänen abbringen werden. Allerdings hat der gläubige Hindu eine gewisse Zuversicht, dass die Götter Trump den Frevel nicht ungestraft durchgehen lassen: "Ob die Götter wirklich zornig werden, können wir nicht wissen. Aber wir in Bali glauben daran, dass es so ist. Und wir glauben, dass man alles Schlechte, das man im Leben tut, zurückbekommt. Auch im Hinduismus gibt es Himmel und Hölle. Wenn wir etwa viel lügen, kommen wir in die Hölle, wo wir vor der Wiedergeburt leiden müssen. Dort reißt der Gehilfe des Höllengottes uns mit einer Zange die Zunge heraus, so dass der Lügner im nächsten Leben stumm ist und nicht sprechen kann."

Die Wiedergeburt ist freilich auch eine Chance, es im nächsten Leben besser zu machen - so lange, bis der Mensch an der Seite der Götter ins Paradies einzieht. Aus Fehlern lernen kann er dabei freilich nicht. Er wird als unbeschriebenes Blatt ohne Erinnerung wiedergeboren. Trump etwa wüsste nicht, dass er je Milliardär und US-Präsident war.

Trump und der Zorn der Götter - Luxusressort und Tempel
Holger Senzel, ARD Singapur
08.04.2017 12:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. April 2017 um 13:30 Uhr.

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