Donald Trump und Rodrigo Duterte beim ASEAN-Gipfel | Bildquelle: AP

ASEAN-Gipfel bei Duterte Mehr Sympathie für Trump ist nirgends

Stand: 13.11.2017 05:05 Uhr

Viele Staats- und Regierungschefs tummeln sich beim ASEAN-Gipfel auf den Philippinen - aber beachtet werden vor allem: Donald Trump und der Gastgeber Rodrigo Duterte. Beide eint vor allem ein massives Selbstbewusstsein.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Südostasien

Auf den Straßen ging die Polizei mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen Anti-Trump-Demonstranten vor. Drinnen, im festlich dekorierten Kongresszentrum von Manila griff der philippinische Präsident zum Mikrofon und sang. Sein amerikanischer Gast habe ihn darum gebeten, behauptete Duterte.

Die Philippinen sind der Abschluss von Trumps zweiwöchiger Asienreise - und für ihn persönlich vermutlich der angenehmste. 70 Prozent aller Philippiner vertrauen auf Trump und seine Politik - mehr Zustimmung und Sympathie ist nirgends.

Und Duterte mag ihn sowieso. Obama beschimpfte er als "Hurensohn", aber Trump nervt ihn nicht mit "Menschenrechtsgerede" wegen seines blutigen Anti-Drogen-Krieges, sondern lobt: Sie machen einen tollen Job. 12.000 Tote bisher - ermordet von Todesschwadronen, erschossen von der Polizei - und wenn es nach Duterte geht, dürften es noch sehr viel mehr sein: Drei Millionen Drogensüchtige gebe es auf den Philippinen, die würde er mit Vergnügen abschlachten - so wie Hitler die Juden.

Die Leute lieben ihn

Duterte sagt Dinge, die sich nicht mal Trump trauen würde. Er wollte die UNO anzünden, er ruft nach Brüssel: Fuck you, EU! Und bekennender Sexist ist er sowieso. Trotzdem lieben ihn die Leute, die Zustimmungswerte für den selbsternannten Vollstrecker liegen immer noch bei 80 Prozent.

Ein Mann ganz nach dem Geschmack Trumps, der vor seiner Wahl sagte, er könne auch auf offener Straße jemanden erschießen - und die Leute würden ihn trotzdem wählen. Duterte prahlt, er habe früher tatsächlich Leute umgebracht - als Bürgermeister sei er mit dem Motorrad durch die Nacht gefahren, auf der Suche nach Ärger, um jemanden erschiessen zu können: "Es waren drei. Ich weiß allerdings nicht mehr, wie viele Kugeln aus meiner Waffe ich in ihre Körper gejagt habe. Es ist passiert, wieso sollte ich lügen."

"Narzisstische Persönlichkeitsstörung mit der Tendenz zu Aggression, Selbstüberhöhung und der Neigung, andere zu demütigen“ - so heißt es in einem psychiatrischen Attest über Duterte anlässlich seiner Ehe-Annullierung 1998.

Donald Trump und Rodrigo Duterte auf dem ASEAN-Gipfel | Bildquelle: AFP
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Beide halten sich für grandios: Trump und Duterte in Manila.

Woran ist man bei Duterte?

Zwei Hitzköpfe, beide Anfang 70, beide halten sich für grandios - Problem dabei: Duterte ist auch genauso unberechenbar wie sein Gast. Er bewundert Wladimir Putin, er suchte die Nähe zu den Chinesen, liegt andererseits aber wegen des Konflikts im südchinesischen Meer auch im Clinch mit Peking. Die USA können daher nicht wirklich sicher sein, woran sie mit ihren alten Verbündeten in Manila sind.

Trump besucht auf den Philippinen den Gipfel der Gemeinschaft südostasiatischer Staaten. ASEAN ist eine Art asiatischer EU - die zehn Mitgliedstaaten sind allerdings sehr viel unverbindlicher verbunden.

Brüder im Geiste - Trump bei Duterte in Manila
Holger Senzel, ARD Singapur
13.11.2017 05:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 13. November 2017 Inforadio um 06:27 Uhr, die tagesschau um 06:30 Uhr und NDR Info um 07:08 Uhr.

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Holger Senzel, NDR

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