Die Hinrichtungskammer im Staatsgefängnis von Oklahoma. | Bildquelle: AP

Doppelhinrichtung in USA Zwei Exekutionen an einem Abend

Stand: 25.04.2017 08:51 Uhr

Die Giftspritze ist nur noch bis Ende April haltbar: Aus diesem Grund ordnete Arkansas Gouverneur Hutchinson die größte Hinrichtungswelle in den USA seit 40 Jahren an. Zwei weitere Urteile wurden nun vollstreckt. Eine Exekution verlief offenbar besonders qualvoll.

Zum ersten Mal seit 17 Jahren sind in den USA zwei Menschen am selben Tag hingerichtet worden. Die beiden Männer Jack Jones und Marcel Williams wurden im US-Bundesstaat Arkansas mit einer Giftinjektion getötet.

Laut der Zeitung "Arkansas Democrat Gazette" dauerte Jones' Exekution von 19:06 Uhr bis 19:20 Uhr Ortszeit. Sein Tod sei offenbar "qualvoll und inhuman" gewesen, schrieben die Anwälte. Die Gefängnisangestellten hätten 45 Minute gebraucht, um den Zentralvenenkatheter zu legen. Williams starb laut Medienberichten um 22:33 Uhr, 17 Minuten nachdem ihm der Giftcocktail verabreicht worden war. Auf einen Eilantrag seiner Anwälte hin hatte eine Bundesrichterin die Exekution zunächst gestoppt, die Entscheidung aber nach kurzer Zeit revidiert.

Beide bereuten ihre Taten

Jack Harold Jones (l.) und and Marcel Williams (r.) wurden in Arkansas hingerichtet. | Bildquelle: AFP
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Jack Harold Jones (l.) und and Marcel Williams (r.) wurden in Arkansas hingerichtet.

Jones hatte laut Todesurteil 1995 bei einem Raubüberfall die 37-jährige Mary Phillips ermordet und versucht, auch deren elfjährige Tochter Lacy umzubringen. Vor seiner Hinrichtung schrieb Jones laut dem Portal "arkansasmatters.com", seine Tat tue ihm "sehr, sehr leid". Willams entführte, vergewaltigte und erstickte im November 1994 die 22-jährige Stacy Errickson. Bei seiner Anhörung vor dem Gnadenausschuss bat Williams laut Fernsehsender KTHV um Umwandlung seiner Strafe zu lebenslanger Haft. Er sei als Kind missbraucht und misshandelt worden. Heute sei er anderer Mensch als zur Tatzeit.

Gift nur noch bis Ende April haltbar

Arkansas steht gegenwärtig im Zentrum einer intensiven Todesstrafendebatte. Gouverneur Asa Hutchinson hatte im Februar ein von Menschenrechtlern heftig kritisiertes und von Juristen angefochtenes Ziel gesetzt, vom 17. bis 27. April acht Menschen töten zu lassen. Der Grund: Das Verfallsdatum eine der Giftspritzen-Substanzen ist Ende des Monats erreicht. Das wäre die größte Hinrichtungswelle in den USA seit 40 Jahren gewesen, vier der geplanten Exekutionen wurden aber inzwischen von Gerichten gestoppt. Ein erster Häftling war vergangene Woche per Giftspritze getötet worden, die letzte Hinrichtung ist für den 27. April geplant.

In den USA werden die tödlichen Substanzen für die Giftspritzen knapp, weil sich viele europäische Pharmafirmen weigern, den US-Behörden Nachschub zu liefern. Midazolam steht bereits seit langem in der Kritik. Es wird bei Hinrichtungen als Betäubungsmittel verabreicht. In der Vergangenheit funktionierte es aber bereits mehrfach nicht in ausreichendem Maß.

Zwei weitere Hinrichtungen in Arkansas
Jan Bösche, ARD Washington
25.04.2017 09:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. April 2017 um 09:00 Uhr.

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