Nazi-Relikte | Bildquelle: dpa

Nazi-Fund in Argentinien Hitler-Büste hinter der Geheimwand

Stand: 21.06.2017 17:05 Uhr

Katzen mit Hakenkreuz-Halsband und Hitler-Büsten: Hinter einer Geheimwand in der Bibliothek eines Antiquitätenhändlers haben argentinische Ermittler eine Sammlung von Nazi-Devotionalien gefunden. Die Stücke wurden beschlagnahmt, doch der Sammler ist sich keiner Schuld bewusst.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Man muss wohl einen besonderen Geschmack haben, um sich für solche Sammlerstücke zu begeistern: Reichsadler, Messer und kleine Statuen mit dem Hakenkreuz, eine Büste von Adolf Hitler. Die argentinische Polizei hat in einem Vorort von Buenos Aires bei einem Antiquitätenhändler eine große Sammlung von Nazi-Devotionalien entdeckt. Die ganze Symbologie des Dritten Reichs.

Es sei eine ganze Menge an Objekten, die die Barbarei zeigen, die zum Holocaust geführt hat, sagte Argentiniens Sicherheitsministerin Patricia Bullrich bei der Vorstellung der Funde. Selbst Kinderspielzeuge wie ein Baukasten oder Mundharmonikas waren mit Hakenkreuzen "verziert". Auch Messinstrumente, mit denen die Nazis ihre Rassentheorie belegen wollten, fanden sich. An der Echtheit der Objekte besteht in Argentinien kein Zweifel, sie wurden daher beschlagnahmt.

Nazi-Relikte | Bildquelle: REUTERS
galerie

Neben den Nazi-Devotionalien fanden sich auch verbotene Stücke aus Russland, Japan und China in dem Kuriositäten-Kabinett.

"Sonderanfertigung oder Fälschung"

Hergestellt wurden die gefundenen Stücke im Dritten Reich von der Solinger Firma Eickhorn. Das seit 1865 bestehende Unternehmen hat nun einige der Nazi-Relikte in einer ersten Bewertung als Sonderanfertigungen oder Fälschungen eingestuft. "Wir haben die Bilder des Fundes, die uns in schlechter Qualität vorliegen, mit dem Nachdruck eines alten Katalogs abgeglichen: Das sind keine Standardprodukte von uns", sagte Betriebsleiter Martin Bardelle in Solingen der Deutschen Presse-Agentur.
Das Firmenarchiv sei nach mehreren Insolvenzen leider sehr lückenhaft. Er könne nicht ausschließen, dass es sich bei den Fundstücken in Argentinien um Sonderanfertigungen für Nazi-Größen handele. "Wenn vom Kunden ein solcher Wunsch kam, wird man ihn wohl erfüllt haben", sagte Bardelle. Es habe wohl auch Sonderanfertigungen für Adolf Hitler persönlich gegeben.

Geheimtür in der Bibliothek

Nestor Rocaglia, Chef der argentinischen Bundespolizei sagt, das Material könne nicht legal an den Sammler gelangt sein. Es stammt offensichtlich aus illegalen Kanälen, denn es war versteckt. Wäre es legal, hätte man es nicht verstecken müssen. Es fand sich in einer Villa hinter einer Bibliothek. Den Fahndern fiel ein Bücherregal auf und als sie es bewegten, fanden sie eine Geheimtür in einer falschen Wand. Dahinter war ein Zimmer mit all diesen Gütern.

Der Inhaber der Sammlung hatte nicht nur eine Vorliebe für Nazi-Erinnerungsstücke, sondern die Polizei fand auch Tier-Mumien aus Ägypten und historische Erotikartikel aus der Zarenzeit. Vor allem aber Antiquitäten aus China und Japan, die auf der Liste geschützter Kulturgüter stehen. Die Sammlung mit den Nazi-Devotionalien erregt am meisten Aufsehen.

Nazi-Devotionalien in Buenos Aires beschlagnahmt
nachtmagazin 1:05 Uhr, 22.06.2017, Michael Stocks, ARD Rio de Janeiro

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Objekte gehen ans Holocaust-Museum

Die Regierung will die Objekte an das Holocaust-Museum übergeben. Schließlich erinnerten sie auch an eine dunkle Zeit der argentinischen Geschichte. Ariel Cohen Sabban, der den Dachverband jüdischer Vereine leitet, sagt: "Ich halte das für den unwiderlegbaren Beweis, dass geflohene Nazi-Größen hier waren. Und das ausgerechnet rund um Beccár, genau dort, wo auch Eichmann und Mengele wohnten."

Tatsächlich hatten diese Kriegsverbrecher in diesem Vorort von Buenos Aires Unterschlupf gefunden, in dem jetzt die Devotionalien-Sammlung entdeckt wurde. Nach Recherchen des argentinischen Historikers Uki Goñi gelang nach dem Krieg mindestens 300 NS-Funktionären über die so genannte Rattenlinie die Flucht nach Argentinien. Zahlreiche Mythen und Gerüchte ranken sich um diesen Teil der Geschichte.

Um die Funde dürfte es noch eine juristische Auseinandersetzung geben. Denn der Händler, bei dem die Nazi-Devotionalien gefunden wurden, sagt, sein Nazi-Schrein sei legal gewesen. Es handle sich um eine Privatsammlung und die Objekte seien nicht für den Verkauf bestimmt gewesen.

Polizei beschlagnahmt große Sammlung von Nazi-Devotionalien
I. Marusczyk, ARD Buenos Aires
21.06.2017 16:35 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 21. Juni 2017 um 01:05 Uhr.

Darstellung: