Terra Nova Bay in der Antarktis

Fast minus 100 Grad Neuer Kälterekord in der Antarktis

Stand: 01.07.2018 13:09 Uhr

Bislang galten die 1983 gemessenen minus 89,2 Grad als niedrigste jemals gemessene Temperatur auf der Erde. Doch nun wurde in der Antarktis ein neuer Kälterekord dokumentiert: fast minus 100 Grad.

In der Antarktis ist ein neuer weltweiter Kälterekord gemessen worden: minus 98,6 Grad. Das sei die niedrigste bislang auf der Erdoberfläche gemessene Temperatur, berichten Forscher von der University of Colorado im Fachmagazin "Geophysical Research Letters".

Lange Zeit hatte die Messung an der Antarktis-Station Wostok Bestand. Dort waren am 23. Juli 1983 minus 89,2 Grad gemessen worden. Zwar wurden in den vergangenen Jahren auch schon kältere Werte gemessen, allerdings nicht - wie 1983 in Wostok - in der Luft in zwei Meter Höhe. So maß ein Forscherteam beispielsweise 2013 direkt auf der Eisoberfläche minus 94 Grad.

Kolonie von Kaiserpinguinen in der Atka-Bucht in der Antarktis
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Nirgends auf der Erde ist es so kalt wie in der Antarktis. Das um den Südpol gelegene Land- und Meeresgebiet ist auch bekannt als Lebensraum für Kaiserpinguine, wie hier in der Atka-Bucht.

Rekord auf Hochplateau in 3800 Meter Höhe

Die neue Rekordtemperatur wurde bei der Auswertung von Satellitenmessungen ermittelt. Insgesamt wiesen die Wissenschaftler im Zeitraum 2004 bis 2016 mehr als 150 Messwerte unter minus 90 Grad in der Region nach. Der absolute Rekordwert wurde nordwestlich der Wostok-Station am 23. Juli 2004 gemessen, also mitten im südlichen Winter.

Die Messstelle liegt auf einem Hochplateau in der östlichen Antarktis in etwa 3800 Metern Höhe. Sie gehört zu einer langgestreckten Region, zu deren Seiten sich das Eis in unterschiedliche Richtungen bewegt - einer Eisscheide analog zur Wasserscheide im Gebirge. "In diesem Bereich sehen wir Perioden extrem trockener Luft und dadurch kann die Wärme von der Schneeoberfläche leichter in den Weltraum strahlen", erklärt Ted Scambos aus dem Forscherteam der Uni Colorado.

Wegen Klimawandel: Ein Rekord für die Ewigkeit?

Denn Wasserdampf in der Luft fing die Wärmestrahlung ab, die selbst das kälteste Eis abgibt und somit die Luft erwärmt. Hilfreich war bei der Rekordmessung auch eine Inversionswetterlage, bei der wärmere Luft über kälterer liegt. Dadurch konnten sich in Mulden oder flachen Tälern die Bedingungen herausbilden, die zu den Rekord-Minustemperaturen führten.

Da die Forscher Oberflächentemperaturen um minus 98 Grad an teilweise hunderte Kilometer voneinander entfernten Stellen gefunden haben, gehen sie davon aus, dass diese Temperatur eine Obergrenze für Minusgrade darstellt. Nur wenn die Bedingungen über mehrere Wochen anhalten würden, könnten noch etwas tiefere Temperaturen erreicht werden, erläutern sie. Dies werde aber im Zuge des Klimawandels mit allgemein höherer Luftfeuchtigkeit zunehmend unwahrscheinlicher.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 1. Juli 2018 um 13.03 Uhr.

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