Anschlag auf Sufi-Schrein in Pakistan | Bildquelle: AFP

Sufi-Schrein in Pakistan Viele Tote bei Selbstmordanschlag

Stand: 17.02.2017 09:32 Uhr

Bei einem Anschlag auf einen Sufi-Schrein in Pakistan sind mindestens 70 Menschen getötet worden. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamierte die Tat für sich. In Pakistan kommt es immer wieder zu Anschlägen auf Sufi-Stätten.

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Karte von Pakistan

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Schrein liberaler Sufi-Muslime in Südpakistan sind mindestens 70 Menschen getötet und viele weitere verletzt worden. Nach Angaben eines Arztes stieg die Zahl der Toten inzwischen auf 75. Man habe 248 Verletzte registriert, etwa 50 von ihnen seien in schlechter Verfassung. Unter den Toten sind nach Angaben eines Mitarbeiters der Rettungsorganisation Edhi 19 Kinder. Notretter warnten, die Opferzahl könne noch steigen, da viele Verletzte in kritischer Verfassung seien.

Nach Polizeiinformationen sprengte sich ein Selbstmordattentäter im Hof eines Sufi-Schreins in der Stadt Sehwan in die Luft. Die Bombe soll während eines traditionellen Tanzes explodiert sein. Der sehr bekannte, im 14. Jahrhundert erbaute Schrein ist jede Woche ein Anziehungspunkt für Hunderte Gläubige. Die Zeitung "Dawn" berichtete, der Tempel sei donnerstags besonders gut besucht. Die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" reklamierte den Anschlag für sich. Der Sufi-Zweig des Islam ist radikalen sunnitischen Gruppen im Land ein Dorn im Auge.

Grenze zu Afghanistan geschlossen

Laut pakistanischer Regierung ist der IS in Pakistan weder in großer Zahl vertreten noch gut organisiert. Dennoch gehen immer wieder blutige Anschläge auf sein Konto. In einer Erklärung der Armee hieß es, "feindliche Mächte" ordneten Anschläge in Pakistan an, die dann von Afghanistan aus durchgeführt würden. Armeesprecher Asif Ghafoor meldete in der Nacht, die Grenze zu Afghanistan sei mit sofortiger Wirkung geschlossen.

Bei Anti-Terroraktionen nach dem Anschlag töteten pakistanische Sicherheitskräfte nach Behördenangaben mindestens 39 Verdächtige. Weitere 47 Personen seien festgenommen worden, davon einige in der südpakistanischen Provinz Sindh, sagten drei Beamte von Sicherheitsdiensten.

Sehwan liegt in der Provinz Sindh, rund 200 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Karachi. Pakistan wird zurzeit von einer Welle der Gewalt erschüttert. Allein seit Montag sind nun mindestens 94 Menschen als Folge von Anschlägen getötet worden. Der jüngste Anschlag war aber der schwerste seit längerer Zeit.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Februar 2017 um 20:00 Uhr.

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