Rauch steigt nach zwei Explosionen auf einem Markplatz in der pakistanischen Stadt Parachinar auf. | Bildquelle: AFP

Kurz vor Ende des Ramadan Viele Tote bei Anschlagsserie in Pakistan

Stand: 23.06.2017 19:56 Uhr

Kurz vor dem Ende des Fastenmonats Ramadan ist Pakistan von mehreren Anschlägen erschüttert worden. Bei drei Explosionen im Süden und im Nordwesten des Landes sowie einem Überfall wurden mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt.

Pakistanische Sicherheitskräfte begutachten den Ort, an dem vier Polizisten erschossen wurden. | Bildquelle: AFP
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In einem Straßenrestaurant in Karatschi wurden vier Polizisten erschossen.

Anschläge und Überfälle in Pakistan haben zahlreiche Menschen das Leben gekostet. Mehr als 260 Menschen wurden verletzt. Die Urheberschaft der beiden folgenschwersten Attacken blieb zunächst offen, zu einer weiteren bekannten sich gleich zwei Gruppierungen.

Am späten Abend schossen in der südpakistanischen Millionenstadt Karatschi Männer von Motorrädern aus auf Polizisten, die zum Fastenbrechen in einem Straßenrestaurant gesessen hatten. Vier Polizisten seien bei dem Überfall in einem Industriegebiet getötet worden, sagte ein örtlicher Beamter. Auf die Täter gebe es noch keine Hinweise.

Angriff auf belebten Marktplatz

Bereits am Nachmittag explodierten nach Behördenangaben zwei Bomben innerhalb von drei Minuten an einem belebten Markt in der Stadt Parachinar in Nordwestpakistan. Als nach der ersten Explosion die Menschen den Verletzten zur Hilfe eilten, sei der zweite Sprengsatz gezündet worden.

Der Doppelanschlag richtete sich offenbar gegen Schiiten. Ein Abgeordneter aus der Gegend sagte, die Bomben seien kurz nach der Auflösung einer schiitischen Prozession explodiert.

Dritter Anschlag in Parachinar seit Jahresbeginn

Parachinar in der Kurram Agency, einem halbautonomen Territorium an der Grenze zu Afghanistan, ist mehrheitlich von Schiiten bewohnt und schon mehrmals Ziel von Anschlägen sunnitischer Extremisten. Der neue Anschlag war der dritte in der Stadt seit Jahresbeginn. Wer hinter der Tat steckt, ist unklar, einen ähnlichen Angriff in der Stadt Ende März hatte die sunnitische Extremistengruppe Jamaat ul-Ahrar für sich reklamiert. Die Gruppe hatte damals weitere Anschläge auf Schiiten angekündigt.

Pakistans Premierminister Nawaz Sharif verurteilte die Tat scharf. Kein Muslim könne sich jemals vorstellen, eine solch "abscheuliche" Tat zu begehen, erklärte der Regierungschef.

Taliban-Gruppierung und IS bekennen sich zu Explosion

In der südpakistanischen Provinz Balutschistan hatte sich am Morgen ein Selbstmordattentäter in einem Auto nahe dem Amtssitz des Polizeichefs in die Luft gesprengt. Dabei wurden am Morgen mindestens 13 Menschen getötet und 20 verletzt. Die Explosion war so stark, dass sie in der gesamten Provinzhauptstadt Quetta zu hören gewesen sei und Fensterscheiben von umliegenden Gebäuden zum Bersten gebracht habe, sagte ein Polizeisprecher.

Ermittler begutachten die Reste eines Autos in der pakistanischen Provinz Balutschistan, in dem sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hat. | Bildquelle: AP
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In der Provinz Balutschistan sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einem Auto in die Luft.

Diesen Anschlag reklamierten gleich zwei Gruppierungen für sich. Wenige Stunden nach der Tat bekannte sich Jamaat-ul-Ahrar zu dem Anschlag, eine Splittergruppe der pakistanischen Taliban. Ihr Sprecher Asad Mansoor sagte, Ziel sei, islamisches Recht im Land durchzusetzen. Er kündigte weitere Anschläge an.

Später erklärte auch die Terrormiliz "Islamischer Staat", sie sei für die Tat verantwortlich. Einer ihrer Anhänger habe seinen Sprengstoffgürtel nahe dem Polizeigebäude gezündet. Der IS veröffentlichte zugleich ein Foto des mutmaßlichen Attentäters und dessen Namen.

Quetta ist die Hauptstadt der Unruheprovinz Balutschistan, eine Hochburg islamistischer Aufständischer. In der an Afghanistan und den Iran grenzenden Region kämpft die pakistanische Regierung seit 2004 gegen islamistische und nationalistische Aufständische.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Juni 2017 um 19:40 Uhr.

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