Explosion vor einer Friedensdemo in Ankara | Bildquelle: AFP

Explosionen in Ankara Anschlag tötet mindestens 30 Demonstranten

Stand: 10.10.2015 14:44 Uhr

Es ist ein Attentat, das die Spannungen zwischen Kurden und der türkischen Regierung noch einmal erhöhen dürfte: In Ankara sind bei zwei Explosionen mindestens 30 Teilnehmer einer Friedenskundgebung getötet worden. Die Demo war auch von einer kurdischen Partei organisiert worden.

Bei einem mutmaßlichen Terroranschlag auf eine Friedensdemonstration sind in der türkischen Hauptstadt Ankara mindestens 30 Menschen getötet worden. Mehr als 125 Menschen wurden verletzt, teilte das türkische Innenministerium mit.

Die Detonationen ereigneten sich am Vormittag innerhalb weniger Minuten in etwa 20 Meter Abstand, als sich vor allem linke und kurdische Demonstranten versammelten. Fernsehbilder zeigten zahlreiche Verletzte, die auf den Straßen lagen und von Krankenwagen abtransportiert wurden. Berichte, dass es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt haben könnte, bestätigten sich bislang nicht.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, der Anschlag ziele auf den Frieden in der Nation ab. Er rief seine Landsleute dazu auf, als Antwort auf den Terror solidarisch und entschlossen zu sein. "Ich glaube daran, dass die Täter in kürzester Zeit festgesetzt und der Justiz übergeben werden." Erdogan kam nach dem Attentat mit Ministerpräsident Ahmed Davutoglu und weiteren Kabinettsmitgliedern zu einem Krisentreffen zusammen.

Zahlreiche Tote und Verletzte bei Anschlag in Ankara
tagesschau24 14:00 Uhr, 10.10.2015, Tina Petersen, ARD-Aktuell

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Mit der Kundgebung wollten die Teilnehmer für ein Ende der jüngst aufgebrochenen Gewalt zwischen den türkischen Sicherheitsgruppen und kurdischen Rebellen demonstrieren. Sie war unter anderem von der pro-kurdischen Partei HDP und von Gewerkschaften organisiert worden. Selahattin Demirtas, Ko-Vorsitzender der HDP, sprach von einem "großen Massaker" und einem "barbarischen Angriff". Diejenigen, die Frieden wollten, seien ermordet worden.

Ein Video, das unter anderem auch die türkische Zeitung "Hurriyet" getwittert hat, zeigt den Moment des Anschlags:

In Folge des Syrienkonflikts war ein zweijähriger Waffenstillstandes zwischen der Regierung und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Juli zerbrochen. Seither eskaliert im Südosten der Türkei die Gewalt. Hunderte Menschen kamen dabei ums Leben. Zudem sind die Beziehungen zwischen der türkischen Regierung und der HDP angespannt, weil die Regierungspartei AKP der HDP eine Unterstützung der PKK vorwirft. Die HDP wiederum hält Erdogan das Schüren nationalistischer Stimmungen vor, um im Zuge der anstehenden Parlamentswahlen seine Macht ausbauen zu können.

Mehr als 30 Tote durch Explosionen in Ankara
R. Baumgarten, ARD Istanbul
10.10.2015 12:44 Uhr

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Steinmeier: "Eskalation entgegenwirken"

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte das Attentat "auf das Schärfste". Der "brutale Terroranschlag auf friedliche Demonstranten" sei zugleich ein Angriff auf den demokratischen Prozess in der Türkei, erklärte Steinmeier. Er rief alle Kräfte in der Türkei dazu auf, einer weiteren Eskalation entgegenzuwirken. Den Tätern gehe es offensichtlich darum, im Vorfeld der Parlamentswahl "ein Klima der Angst und Einschüchterung zu verbreiten und Hass und Zwietracht zu schüren".

Das Auswärtige Amt verschärfte nach dem Anschlag seine Reisehinweise für die Türkei. Die Innenstadt von Ankara und größere Menschenansammlungen sollten gemieden werden. "Landesweit ist mit einer Zunahme der politischen Spannungen zu rechnen, weitere Anschläge oder gewaltsame Auseinandersetzungen sind nicht ausgeschlossen", hieß es.

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