Helfer nach den Angriffen der syrischen Armee in Ghouta | Bildquelle: AP

Angriffe der syrischen Armee Bombenhagel auf Enklave Ost-Ghouta

Stand: 20.02.2018 13:37 Uhr

Syrische Regierungstruppen greifen das Rebellengebiet Ost-Ghouta massiv mit Artillerie und Kampfjets an - offenbar vor allem Wohnhäuser. Die eingeschlossenen Menschen befürchten eine Bodenoffensive.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Unmittelbar nach dem Angriff herrscht Chaos in den Trümmern des Wohnhauses. Kinder schreien, Menschen rufen verzweifelt nach Angehörigen. Zivilschützer sind bereits eingetroffen, um Verletzte zu bergen. Einer der Ersthelfer hat diese Szenen mit einer Kamera an seinem Helm gefilmt, Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters haben die Aufnahmen überprüft.

Auch am Morgen und am Vormittag soll es wieder Bombenangriffe auf die Enklave Ost-Ghouta gegeben haben. Aktivisten zufolge bombardierten Kampfjets und Artillerieeinheiten der Regierungsarmee vor allem Wohnhäuser.

Verzweifelte Angehörige in einem Krankenhaus in Douma, Ost-Ghouta | Bildquelle: MOHAMMED BADRA/EPA-EFE/REX/Shutt
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In einem Krankenhaus in Douma bangen Menschen um ihre Angehörigen.

Chaos in den Krankenhäusern

In den Krankenhäusern herrscht Chaos. Angesichts der vielen Verletzten sind Ärzte und Pfleger völlig überfordert. Augenzeugen berichteten, dass auch auf Krankenwagen und Rettungskräfte geschossen wurde.

In dem Gebiet von Ost-Ghouta bei Damaskus befinden sich rund 400.000 Menschen. Es wird von Aufständischen kontrolliert und seit 2013 von Regierungstruppen belagert. Jüngst verstärkte die Armee von Präsident Bashar al-Assad gemeinsam mit ihren Verbündeten die Angriffe auf das Gebiet. Die Bewohner von Ost-Ghouta befürchten, dass demnächst eine Bodenoffensive gestartet wird.

Angst auch in Damaskus

Selbst im von der Regierung kontrollierten Damaskus - nur rund 15 Kilometer weiter westlich - haben Menschen Angst vor solch einer Offensive. "Sie sagen, dass die Armee demnächst in Ost-Ghouta einmarschiert. Auch wir hier könnten dann mit Granaten beschossen werden", sagt ein Mechaniker aus Damaskus.

Ein anderer Einwohner von Damaskus sprach sich für die Angriffe der syrischen Armee aus: "Wir möchten, dass die Regierung dem Ganzen endlich ein Ende bereitet, egal mit welchen Mitteln", sagte er. Tag und Nacht würden die Aufständischen die Hauptstadt mit Granaten beschießen. Aus Angst davor schicke niemand mehr seine Kinder zur Schule.

Eigentlich Waffenruhe vereinbart

Für das Gebiet von Ost-Ghouta wurde eigentlich eine Waffenruhe vereinbart. Sie gilt jedoch nicht für den Kampf gegen die Terroristen des sogenannten "Islamischen Staats" (IS) und der früheren Al-Nusra-Front. Da in Ost-Ghouta Aufständische aktiv sind, die der einstigen Nusra-Front angehörten, fühlt sich das Regime offenbar nicht zur Einhaltung der Waffenruhe verpflichtet.

Unter den Angriffen leiden vor allem die Zivilisten. "Seit Jahresanfang mussten wir alle 24 Stunden vermelden, dass eine Klinik in Ost-Ghouta angegriffen wurde", sagt Muhammed Katoub von der "Syrisch-Amerikanischen Mediziner-Gesellschaft". Niemand könne dort leben, wo Krankenhäuser angegriffen werden, sagt er.

Rauchwolken nach den Angriffen der syrischen Armee in dem Dorf Mesraba in Ost-Ghouta | Bildquelle: AFP
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Die Angriffe richteten sich offenbar vor allem gegen Wohngebiete.

Fokus auf Ereignisse im Norden des Landes

Womöglich hat das Regime seine Angriffe nun intensiviert, weil es hofft, dass das Ausland besonders auf die Ereignisse im Norden Syriens schaut. Dort haben kurdische Vertreter verkündet, dass sie die Angriffe der türkischen Armee auf ihre Gebiete zukünftig zusammen mit Truppen des Assad-Regimes abwehren würden.

Die syrischen Staatsmedien bestätigten diesen Plan. Inzwischen werfen die Kurden allerdings Russland vor, diese Zusammenarbeit zu torpedieren. Moskau würde die Entsendung syrischer Regierungstruppen in den kurdischen Norden verhindern.

Die internationale Gemeinschaft zeigt sich angesichts der Entwicklung besorgt. Er sei "zutiefst beunruhigt", ließ Uno-Generalsekretär Antonio Guterres ausrichten. Er appeliere an alle Konfliktparteien, sich an die grundlegenden Prinzipien des Menschenrechts zu halten und Zivilisten zu schützen.

Bombenhagel auf Ost-Ghouta
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
20.02.2018 12:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Februar 2018 um 12:00 Uhr.

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Jürgen Stryjak, SWR

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