Luftangriffe auf Ost-Ghouta | Bildquelle: AFP

Ost-Ghouta Mehr als 90 Tote bei Luftangriffen

Stand: 20.02.2018 01:03 Uhr

Die syrische Armee verstärkt ihre Angriffe auf die Rebellenhochburg Ost-Ghouta. Nach Angaben von Aktivisten sind bei der letzten Offensive aus der Luft mehr als 90 Zivilisten getötet worden.

Bei neuen Luftangriffen und Artilleriebeschuss auf das syrische Rebellengebiet Ost-Ghouta nahe der Hauptstadt Damaskus sind Aktivisten zufolge mehr als 90 Zivilisten ums Leben gekommen - darunter sehr viele Frauen und Kinder.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete zudem etwa 400 Verletzte. Die zivilen Rettungshelfer der Weißhelme erklärten über Twitter, allein bei einem Luftangriff auf Wohngebiete in dem Ort Hamuriah seien 20 Menschen getötet worden.

Angriffe auf Wohngebiete

Aktivisten der Region meldeten Angriffe auf zahlreiche Orte. Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge wurden vor allem Wohngebiete getroffen. Bilder der Weißhelme zeigten Opfer, die unter Trümmern begraben waren. Auf den Aufnahmen waren Menschen zu sehen, die verzweifelt versuchten, Überlebende aus zerstörten Häusern zu retten.

Bereits am Vortag hatte es Angriffe auf Ost-Ghouta gegeben. Regierungsnahe syrische Medien berichteten, die Angriffe kämen in Vorbereitung einer Bodenoffensive auf Ost-Ghouta. In den vergangenen Wochen war dort die Gewalt immer wieder eskaliert.

Keine der beiden Seiten konnte jedoch entscheidende Geländegewinne erzielen. Alle Versuche, eine Waffenruhe für das schwer umkämpfte Gebiet zu erreichen, waren in der Vergangenheit gescheitert.

Ein Mann in Hamouria steht vor einem zerstörten Haus | Bildquelle: AFP
galerie

Die Luftangriffe fanden vor allem auf Wohngebiete statt.

Humanitäre Lage an kritischem Punkt

Die Region Ost-Ghouta gehört in dem Bürgerkriegsland zu den letzten Gebieten, die noch unter Kontrolle von Rebellen stehen. Dominiert werden die Regierungsgegner dort von islamistischen Milizen.

Das Gebiet ist seit Monaten von Regierungstruppen eingeschlossen. Rund 400.000 Menschen sind dort wegen der Blockade fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Helfer berichten von einer dramatischen humanitären Lage.

Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) hat die humanitäre Lage in Ost-Ghouta einen kritischen Punkt erreicht. Die Menschen seien in einer Situation gefangen, in der Leben langsam unmöglich werde. Hunderte Verletzte und Kranke bekämen keine lebensrettende medizinische Versorgung. Niedrige Wintertemperaturen machten die Lage noch schlimmer, Öl zum Heizen gebe es kaum.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Februar 2018 um 04:00 Uhr.

Darstellung: