Italienische Polizisten | Bildquelle: AP

Bericht von Amnesty International Italienische Polizei soll Flüchtlinge misshandelt haben

Stand: 03.11.2016 03:28 Uhr

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der italienischen Polizei schwere Misshandlungen von Flüchtlingen vor. Sicherheitskräfte sollen Menschen mit Schlägen und Elektroschockgeräten zur Abgabe ihrer Fingerabdrücke gezwungen haben. In einigen Fällen liefen die Misshandlungen auf Folter hinaus.

Die italienischen Behörden sollen laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International Flüchtlinge schwer misshandelt haben.

Sicherheitskräfte hätten Flüchtlinge mit Schlägen und Elektroschockgeräten zur Abgabe von Fingerabdrücken gezwungen, heißt es in einer Untersuchung, die in Rom vorgelegt wurde. In einigen Fällen liefen die Misshandlungen "auf Folter hinaus". Die Befunde beruhen auf der Befragung von rund 170 Flüchtlingen.

Zu den Misshandlungen kam es laut Amnesty in den so genannten "Hotspots". Dort wird den Flüchtlingen der Fingerabdruck abgenommen. Die Daten werden gespeichert, um sicherzustellen, dass die Menschen nicht in einem anderen EU-Land Asyl beantragen. Manche Flüchtlinge wehren sich deshalb dagegen, den Fingerabdruck abzugeben.

Die Grenzen des Legalen überschritten

Amnesty führte das Verhalten der italienischen Polizei auf den Druck zurück, den die EU auf Italien ausübe, um die Zahl der Flüchtlinge zu senken. "Die EU-Chefs haben die italienischen Behörden an die Grenzen des Legalen - und darüber hinaus - getrieben", kritisierte der Amnesty-Italienexperte Matteo de Bellis. "Als Konsequenz werden die traumatisierten Menschen fehlerhaften Verfahren und in einigen Fällen abstoßenden Misshandlungen durch die Polizei ausgesetzt."

Insgesamt dokumentierte Amnesty im Zuge der Untersuchung 24 Fälle von Misshandlungen. In 16 davon habe die Polizei Flüchtlinge geschlagen. In mehreren Fällen sei auch ein Elektroschockgerät zum Einsatz gekommen. Ein 27-Jähriger habe berichtet, er habe sich ausziehen müssen und sei an den Genitalien gequält worden.

Seit Anfang des Jahres wurden den italienischen Behörden zufolge bereits mehr als 153.000 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet und nach Italien gebracht - so viele wie im gesamten Vorjahr.

Amnesty International wirft Italien Misshandlung von Flüchtlingen vor
N. Nützel, BR
03.11.2016 10:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. November 2016 um 04:55 Uhr.

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