Alternative Nobelpreise vergeben

Alternativer Nobelpreis Drei Preisträger mit ähnlicher Mission

Stand: 26.09.2017 09:00 Uhr

Der Alternative Nobelpreis wird in diesem Jahr dreigeteilt: Geehrt werden ein Anwalt, eine Journalistin und eine Aktivistin. In unterschiedlichen Ländern finden sie "praktische Lösungen für globale Probleme", urteilt das Komitee.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Der Alternative Nobelpreis wird in diesem Jahr dreigeteilt: Preisträger sind der indische Menschenrechtsanwalt Colin Gonsalves, die Journalistin Khadija Ismayilova aus Aserbaidschan und die Äthiopierin Yetnebersh Nigussie.

Bei der Preisvergabe wird nach den Worten des Chefs der Stiftungsleiters Ole von Uexküll besonders auf die "Signalwirkung" der Preisträger geachtet. Die sollen eben nicht nur für ihre individuellen Leistungen ausgezeichnet werden.

"Praktische Lösungen für globale Probleme"

Die von ihnen gefundenen und gelebten "praktischen Lösungen für globale Probleme" sollen andere dazu ermutigen, ihrem Beispiel zu folgen. Etwa, wenn es darum geht, grundlegende Menschenrechte von Bürgern am Rand einer Gesellschaft zu schützen. Das habe der diesjährige Preisträger - der indische Anwalt Colin Gonsalves - getan: "Ein Beispiel dafür war der 'Right To Food'-case, wo er vor dem Obersten Gerichtshof das Recht auf Nahrung erstritten hat. Dadurch hat sich dann für 400 Millionen Menschen der Alltag dahingehend geändert, dass jetzt ihre Nahrungsmittel anders subventioniert werden als vorher und dass jeder Schüler und jeder Student in Indien das Recht auf ein freies Mittagessen hat", erklärt von Uexküll.

Colin Gonsalves | Bildquelle: dpa
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Gonsalves habe sich drei Jahrzehnte lang in Prozessen unermüdlich und erfindungsreich für die Menschenrechte der am meisten gefährdeten und an den Rand gedrängten Menschen der indischen Gesellschaft eingesetzt.

Kampf gegen Korruption

Ausgezeichnet wird auch die Journalistin Khadija Ismayilova aus Aserbaidschan für ihren "Mut und ihre Hartnäckigkeit", Korruption auf höchster Regierungsebene durch hervorragenden investigativen Journalismus aufzudecken. "So etwas in Aserbaidschan zu betreiben ist gefährlich und das dann auch noch mit einer solchen Qualität und einer solchen Recherchetiefe zu machen - das ist einfach brillant und dafür bekommt sie den Preis", sagt von Uexküll.

Die dritte im Bunde der diesjährigen Preisträger ist die seit ihrem sechsten Lebensjahr blinde Äthiopierin Yetnebersh Nigussie: "Sie hat mehrere Organisationen gestartet und aufgebaut. Zum Beispiel eine Organisation für die Rechte von Menschen, die mit Behinderungen leben", sagt von Uexküll. So habe sie es geschafft, eine große Aufbauarbeit für die Zivilgesellschaft allgemein in Äthiopien zu machen.

Yetnebersh Nigussie | Bildquelle: imago/Eibner Europa
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Die blinde Aktivistin Yetnebersh Nigussie

Umweltanwalt bekommt Ehrenpreis

Sie und die beiden anderen Preisträger teilen sich das Preisgeld von umgerechnet etwa 315.000 Euro. Verliehen wird die Auszeichnung am 1. Dezember im Stockholmer Vasa-Museum. Den nicht dotierten Ehrenpreis bekommt in diesem Jahr der Amerikaner Robert Bilott. "Er ist einer der wichtigsten Umweltanwälte und hat einen riesigen Skandal von chemischer Kontamination von Trinkwasser in den USA aufgedeckt." Er habe es geschafft, Entschädigungen für die Opfer zu erstreiten.

Konkret ging es um den Zusammenhang zwischen Perfluoroctansäure (PFOA) als Ursache und als Folge schweren Erkrankungen bei Menschen, die verseuchtes Wasser getrunken hatten. 19 Jahre hatte der Rechtsstreit gedauert, allein sieben Jahre lang wurden etwa 70.000 toxikologische Untersuchungen gemacht und ausgewertet. Der für die Sammelkläger schließlich erfolgreiche Prozess gegen den DuPont-Chemiekonzern gilt als Meilenstein in der Geschichte des Umweltrechtes.

Alternativer Nobelpreis vergeben
C. Schmiester, ARD Stockholm
26.09.2017 08:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. September 2017 um 09:00 Uhr.

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