Syrer an der türkischen Grenze | Bildquelle: AP

Zehntausende Flüchtlinge an der Grenze Türkei lässt Syrer weiter warten

Stand: 07.02.2016 12:22 Uhr

Zehntausende Menschen sitzen an der syrisch-türkischen Grenze fest. Die Türkei versorgt sie mit Lebensmitteln und Zelten, lässt sie aber nicht einreisen. Nur Verletzte dürfen ins Land, die anderen müssen in der Kälte ausharren. Ankara sieht die Aufnahmefähigkeit für Flüchtlinge erschöpft.

Noch immer warten Zehntausende Syrer, die wegen einer Regierungsoffensive im Raum Aleppo geflohen sind, an der syrisch-türkischen Grenze. Dort versorgt die Türkei nach eigenen Angaben 30.000 bis 35.000 gestrandete Menschen auf syrischem Gebiet vor allem mit Lebensmitteln und Notunterkünften. Die Grenze ist aber geschlossen. Familien mit Kindern harren auf der syrischen Seite in provisorischen Lagern in der Kälte aus.

Lage an syrisch-türkischer Grenze bleibt weiter angespannt
tagesschau 20:00 Uhr, 07.02.2016, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Die EU forderte die türkische Regierung auf, die Vertriebenen passieren zu lassen. Bei einem Treffen der europäischen Außenminister in Amsterdam sei dem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu deutlich gemacht worden, dass die Grenzen offen bleiben sollten, erklärte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Cavusoglu selbst betonte, die Türkei lasse Bürgerkriegsflüchtlinge aus Aleppo weiter ins Land. "Wir halten an der Politik der offenen Tür für diejenigen fest, die vor der Gewalt des Regimes und den russischen Luftschlägen fliehen", sagte Cavusoglu. "Wir haben bereits 5000 von ihnen aufgenommen und 50.000 bis 55.000 sind auf dem Weg."

"Keine Notwendigkeit, die Leute in der Türkei zu versorgen"

Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gab sich hilfsbereit. Die syrische Führung habe "einen Teil von Aleppo blockiert." Wenn die dadurch vertriebenen Zivilisten "vor unseren Türen stehen und keine andere Wahl haben, müssen und werden wir unsere Brüder hereinlassen."

Flüchtlingslager an der türkisch-syrischen Grenze (Quelle: Oliver Mayer-Rüth)
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Flüchtlingslager an der türkisch-syrischen Grenze

Doch passiert ist nichts. Gouverneur Süleyman Tapiz liefert am Grenzübergang Oncupinar nahe der türkischen Stadt Kilis die Begründung: "Unsere Türen sind nicht geschlossen, aber momentan besteht keine Notwendigkeit, diese Leute innerhalb unserer Grenzen zu versorgen." Die Flüchtlinge erhielten in den Lagern Lebensmittel, Decken und Zelte.

Die Türkei sieht sich inzwischen bei der Aufnahme von Flüchtlingen am Ende ihrer Möglichkeiten. Die Türkei beherberge derzeit drei Millionen Flüchtlinge, unter ihnen allein 2,5 Millionen Syrer, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus dem Fernsehsender CNN-Türk. In den vergangenen Tagen seien 15.000 weitere Menschen ins Land gekommen. Die Grenze des Fassungsvermögens sei erreicht. Trotzdem seien die Türen nicht geschlossen.

ARD-Korrespondent Oliver Mayer-Rüth hält zwei Gründe für das türkische Verhalten für denkbar: "Die Türken hatten schon immer vor, im Norden Syriens eine Schutzzone zu errichten, wo die Flüchtlinge versorgt werden", sagt er. "Das könnte nun eine Art Startschuss sein, um zu zeigen, wie es funktionieren könnte". Die andere Erklärung: Die Türkei will verhindern, dass Zehntausende unkontrolliert einreisen. Man will sie so ins Land lassen, dass kein Chaos entsteht und alle registriert werden können.

Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul, zur Lage an der türkisch-syrischen Grenze
tagesschau 13:15 Uhr, 07.02.2016

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