Ein Mann mit Nahrungsmittel aus einer Hilfslieferung im syrischen Aleppo (6.10.2016) | Bildquelle: REUTERS

Krieg in Syrien Kaum noch Lebensmittel in Ost-Aleppo

Stand: 25.11.2016 17:08 Uhr

Eingekesselt und unter Dauerbeschuss: Man kann sich die Lage der Menschen in Ost-Aleppo nicht dramatisch genug vorstellen. Hilfsorganisationen warnen: Die Lebensmittelvorräte gehen in wenigen Tagen zu Neige. Und Hilfe ist nicht in Sicht.

Die Lage der Bewohner in der umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo wird immer verzweifelter. Nach Auskunft des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) gehen die Lebensmittelvorräte im östlichen Teil der Stadt zur Neige. Ost-Aleppo wird von Rebellen kontrolliert, der übrige Teil der Stadt befindet sich in der Hand von Regierungseinheiten. Diese haben den Osten Aleppos eingekreist.

IKRK-Sprecherin Ingy Sedky sagte der Deutschen Presse-Agentur, viele Grundnahrungsmittel seien entweder sehr teuer oder gar nicht mehr auf den Märkten zu kaufen. Die Rettungsorganisation Weißhelme erklärte, die Mehl-Vorräte reichten nur noch für 15 Tage.

Auch die Ölvorräte sind laut IKRK in vielen Vierteln auf einen kritisch niedrigen Stand gesunken, so dass die Menschen dort keinen Strom mehr hätten. Wie die Weißhelme weiter mitteilten, gingen zudem die medizinischen Vorräte zu Ende.

Kinder in Ost-Aleppo sammeln Holz | Bildquelle: REUTERS
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Alltag in Ost-Aleppo: Kinder sammeln Holz in den Ruinen der Stadt.

Auch die medizinische Versorgung ist zusammengebrochen

In Ost-Aleppo leben noch rund 270.000 Menschen. Angriffe auf Kliniken haben zu einem Kollaps der medizinischen Versorgung geführt. Ein Klinikpfleger berichtete der dpa, nur noch ein Krankenhaus sei in Betrieb.

Eine Feuerpause, in der die notleidende Bevölkerung versorgt werden könnte, ist indes weiter nicht in Sicht. Die Rebellen haben das laut UN zwar angeboten - die syrische Regierung und die russischen Truppen aber nicht.

"Zu Weihnachten gibt es kein Ost-Aleppo mehr"

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, warnte vor einer völligen Zerstörung Ost-Aleppos. Wenn das Bombardement so weitergehe wie derzeit, dann werde "es zu Weihnachten kein Ost-Aleppo mehr geben", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Er habe den Eindruck, dass die syrische Führung dort eine beschleunigte militärische Entscheidung anstrebe.

Den Regierungstruppen könne es zwar gelingen, die Rebellengebiete in Ost-Aleppo zu übernehmen, "wenn es fast zerstört ist", sagte de Mistura. In diesem Fall drohe aber eine "große Tragödie für die Menschen" und es würde "Zehntausende Flüchtlinge geben, die sich Richtung Türkei bewegen". De Mistura hatte am Wochenende versucht, eine Waffenruhe für Ost-Aleppo zu erreichen, die Regierung von Präsident Baschar al-Assad habe jedoch abgelehnt.

In Aleppo gingen die heftigen Kämpfe weiter. Jets und Hubschrauber des Regimes hätten Viertel in Ost-Aleppo bombardiert, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Diese Angaben sind für Außenstehende aber kaum zu überprüfen. Syriens Armee und verbündete Milizen waren in den vergangenen Tagen in den Rebellenstadtteil Masakin Hanano im Nordosten Aleppos vorgedrungen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. November 2016 um 16:00 Uhr

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