Ein Mann mit Nahrungsmittel aus einer Hilfslieferung im syrischen Aleppo (6.10.2016) | Bildquelle: REUTERS

UN-Bericht zur Lage in Syrien Aleppo droht Hungerkatastrophe

Stand: 10.11.2016 15:10 Uhr

Es gibt kaum noch Nahrungsmittel für die etwa 250.000 Menschen im Ostteil Aleppos. Angesichts der letzten Rationen, die derzeit verteilt werden, haben die UN vor einer Hungerkatastrophe in der belagerten Stadt gewarnt und zu schnellem Handeln gedrängt.

Im Ostteil der belagerten syrischen Stadt Aleppo droht eine Hungerkatastrophe: Die Nahrungsmittelvorräte gingen nach Angaben der Vereinten Nationen zu Ende. Derzeit würden "die letzten Essensrationen" ausgeteilt, sagte der Chef der UN-Hilfsmission für Syrien, Jan Egeland. Er warnte vor einem Massensterben - ab der nächsten Woche werde es keine Reserven mehr für die 250.000 Menschen in dem abgeriegelten Stadtteil geben.

Männer verkaufen Lebensmittel auf einem Markt im Ostteil Aleppos | Bildquelle: AFP
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September 2016: Auf dem Markt in Ost-Aleppo bieten Verkäufer ihre wenigen Waren zum Verkauf an.

Die letzten Vorräte stammten nach Aussage von Egeland aus Hilfslieferungen vom Anfang Juli. Die Vereinten Nationen hätten den Kriegsparteien einen Vier-Punkte-Plan übermittelt, der so schnell wie möglich umgesetzt werden müsse. Er sieht den umgehenden Transport durch die UN von Lebensmitteln, medizinischen Gütern und Gesundheitspersonal nach Aleppo vor. Rund 300 Patienten sollen aus dem Gebiet evakuiert werden.

Das Regime des Machthabers Baschar al-Assad und seine Verbündeten wie Russland sowie die bewaffneten Oppositionellen hätten den Plan seit einigen Tagen vorliegen, erklärte Egeland. Bislang sei aber noch keine Zustimmung erfolgt. Ohne eindeutige Sicherheitsgarantien der Kriegsparteien könnten die UN keine Hilfsoperationen starten.

Gespaltene Reaktionen auf Trumps Sieg

Zugleich appellierten die Vereinten Nationen an die USA, auch unter einer Präsidentschaft Donald Trumps weiterhin Hilfe in Syrien zu leisten. In den kommenden Monaten benötigten die UN ein "ungestörtes Engagement" der Vereinigten Staaten im Syrienkonflikt, sagte Egeland. Fortschritt werde nur gemacht, wenn die USA und Russland die diplomatischen Bemühungen anführten.

Syrische Rebellen befürchten zudem, dass sie unter Trump künftig weniger Unterstützung aus den USA im Kampf gegen die Truppen des Präsidenten Baschar al-Assad erhalten. Ihre Lage werde sich verschlechtern, sagte Sakaria Malahifdschi, ein Vertreter einer Rebellengruppe in Aleppo gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Er verwies darauf, dass Trump der Niederschlagung der radikalislamischen IS-Miliz eine höhere Priorität eingeräumt habe als der Absetzung Assads. Auch Trumps mutmaßliche Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, dem engsten Verbündeten Assads, beunruhigt die gemäßigten Rebellen. In der Assad-Führung dagegen hofft man darauf, dass die neue US-Regierung ihre Haltung gegenüber Assad ändert. "Wir können optimistisch sein, aber vorsichtig optimistisch", sagte der Abgeordnete Scherif Schehada.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. November 2016 um 22:00 Uhr

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