Kinder und Erwachsene warten an einem Lagerfeuer im Ostteil von Aleppo auf ihre Evakuierung. | Bildquelle: REUTERS

Evakuierung von Ost-Aleppo Menschen warten in eisiger Kälte auf Rettung

Stand: 17.12.2016 12:42 Uhr

Die Evakuierung von Ost-Aleppo könnte schon bald fortgesetzt werden. Rebellen und regierungstreue Truppen haben einen Deal ausgehandelt. Darin verpflichten sich beide Seiten zu Zugeständnissen. Unterdessen wird die humanitäre Lage in Aleppo immer dramatischer.

In Aleppo gehen die Verhandlungen über die Evakuierung des von Rebellen gehaltenen Ostteils der Stadt weiter. Die regierungstreuen Truppen und die Rebellen haben nach übereinstimmenden Angaben einen Deal ausgehandelt: So sollen die Rebellen ihrerseits zwei von ihnen eingekesselte Schiitendörfer freigeben, sodass diese evakuiert werden können. Auch aus zwei Städten nahe der Grenze zum Libanon, die von regierungsnahen Kämpfern belagert werden, sollen Verletzte evakuiert werden, sagte Rebellen-Vertreter Al-Faruk Abu Bakr dem Nachrichtensender Al-Arabija al-Hadath. Im Gegenzug soll Ost-Aleppo komplett evakuiert werden. Die syrische Regierung äußerte sich ähnlich.

Die humanitäre Lage in Ost-Aleppo ist verheerend. Tausende Bewohner warten Medienberichten zufolge bei eisiger Kälte auf eine Fortsetzung der Evakuierung. Sie haben weder Essen noch Trinken. Was die Situation weiter verschärft: Weil die Menschen zuletzt glaubten, sie würden die Stadt verlassen, hatten viele ihren Besitz verbrannt - auch, damit er nicht in die Hände der Soldaten fällt.

Kranke Bewohner von Ost-Aleppo liegen in Decken gehüllt auf der Straße und warten auf die Evakuierung. | Bildquelle: REUTERS
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Humanitäre Katastrophe: Kranke Bewohner von Ost-Aleppo liegen bei Eiseskälte auf der Straße und warten auf die Evakuierung.

Waffenstillstand gebrochen

Die Evakuierung der betroffenen Stadtviertel hatte nach vorangegangenen Kämpfen und Beschuldigungen mit Verspätung am Donnerstag begonnen. Doch die syrische Armee setzte sie am Freitag aus. Sie warf den Rebellen vor, diese hätten sich nicht an die "Bedingungen der Vereinbarung" gehalten. Aus Militärkreisen hieß es, Rebellen hätten das Feuer eröffnet und versucht, Geiseln zu nehmen. Die Gegenseite bestreitet dies und behauptet das Gegenteil.

Ein junger Mann aus Ost-Aleppo schilderte in einem Handyvideo folgende Situation: Er habe sich in einem Wagen mit Zivilisten befunden, dem ersten des Konvois, direkt hinter dem Fahrzeug des Roten Kreuzes. Plötzlich sei der Wagenkolonne von iranischen Milizen aufgehalten worden. Die Menschen seien in Panik geraten und geflohen. Auf dem Video ist zu hören, wie jemand ruft: Gleich schießen sie! Dann ertönen tatsächlich Schüsse. Kurz darauf bricht die Aufnahme.

Offenbar neue Vereinbarung für Fortsetzung der Evakuierung Ost-Aleppos
J. Stryjak, ARD Kairo
17.12.2016 12:42 Uhr

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Lage ist unklar

Kurz darauf machte unter den Betroffenen offenbar die Einschätzung die Runde, dass schiitische Milizen den Konvoi so lange an der Weiterfahrt hindern wollten, bis auch die Evakuierung zweier schiitischer Dörfer bei Idlib begonnen habe, die von Aufständischen im Gegenzug offenbar zugesichert worden war. So könnte es gewesen sein, vielleicht auch anders. Die Angaben von Augenzeugen können nicht unabhängig überprüft werden.

Seit Donnerstag wurden nach Angaben von Aktivisten rund 8500 Menschen, darunter 3000 Kämpfer, nach West-Aleppo gebracht.

"Ein Synonym für Hölle"

Der scheidende UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte am Freitag eine sofortige Wiederaufnahme der Evakuierungsaktionen in Aleppo gefordert. "Aleppo ist nun ein Synonym für Hölle", sagte Ban bei seiner letzten Pressekonferenz in New York. Er gibt sein Amt zum Jahreswechsel ab. Die Vereinten Nationen mobilisierten alle Ressourcen und Mitarbeiter, gleichzeitig müssten die Konfliktparteien alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, "um eine sichere Wiederaufnahme des Evakuierungsprozesses zu ermöglichen", sagte Ban. Das Blutbad in Syrien bleibe "ein klaffendes Loch im globalen Gewissen".

Frankreich und Deutschland beantragten eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. Das mächtigste UN-Gremium hat sich im Syrien-Konflikt allerdings wiederholt als nicht handlungsfähig erwiesen. Russland, das die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad massiv bei der Rückeroberung Aleppos unterstützt, hat im Sicherheitsrat ein Vetorecht.

Aleppo - Flucht und Erinnerung an bessere Zeiten
nachtmagazin 01:00 Uhr, 17.12.2016, Juri Sonnenholzner, SWR

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Mit Informationen von ARD-Korrespondent Jürgen Stryjak.

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 16. Dezember 2016 um 01:00 Uhr und in tagesschau24 am 17. Dezember 2016 um 11:00 Uhr.

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