Reaktor des AKW Fessenheim | Bildquelle: AFP

Bericht über Notstromaggregate in Frankreichs AKW Häufig heruntergekommen

Stand: 18.03.2016 13:56 Uhr

Der Super-GAU von Fukushima hat gezeigt, was geschieht, wenn die Notstromsysteme von Atomkraftwerken nicht funktionieren. Nun haben französische AKW-Experten die Systeme in den Meilern des Landes geprüft. Ergebnis: Kein einziges ist ohne Probleme.

Von Jürgen Döschner, WDR

Grün bedeutet: "Keine Probleme", Weiß: "unter Beobachtung", Gelb gleich "heruntergekommen" und die Farbe Rot steht für "inakzeptabel". Die Fachleute des staatlichen französischen Energiekonzerns EDF haben sich Mühe gegeben, ihre Untersuchungsergebnisse über den Zustand der Notstromdiesel in den 58 Atomreaktoren des Landes anschaulich zu machen. Und so fällt beim ersten Blick in den Bericht für 2014 auf, dass die Farbe Grün nicht ein einziges Mal auftaucht.

Jedes Quartal hatten sich die Prüfer die für die Sicherheit der Kraftwerke im Störfall unverzichtbaren Notstromaggregate angeschaut. Das Ergebnis: In keinem einzigen Fall gab es gar keine Probleme. Knapp 44 Prozent wurden als "dégradé", zu Deutsch "heruntergekommen" eingestuft, 13 Prozent gar als "inakzeptabel".

Die übrigen hatten immerhin so große Mängel, dass sie unter verschärfte Beobachtung gestellt wurden. Eine französische Fachzeitschrift hatte die umfangreichen Unterlagen zugespielt bekommen und diese Woche als erste über den brisanten Inhalt berichtet.

Langer Prüfungszeitraum

Jeder Atomreaktor in Frankreich verfügt über zwei getrennte Notstromsysteme plus einem Reservesystem für die gesamte Anlage. Insgesamt drei Jahre lang, von 2012 bis 2014, hatten die Techniker von EDF die Notstromaggregate jeweils alle drei Monate genauer unter die Lupe genommen.

Sie fanden von Öl- und Treibstofflecks über defekte Kühlung bis hin zu schadhaften Relais Dutzende Fehler. In manchen Fällen ließen sich die Generatoren erst gar nicht starten.

Das französische AKW Cattenom | Bildquelle: dpa
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Unzureichende Sicherheitssysteme: das französische AKW Cattenom

Es wurde nicht besser

Von den Mängeln besonders betroffen sind unter anderem die Atomkraftwerke Flammanville, Paluel, Gravelines, Chooz, Cattenom und Fessenheim. Auffällig ist die Tatsache, dass sich über den Zeitraum der Untersuchungen von 2012 bis 2014 der Zustand der Notstromsysteme in der Summe nicht verbessert, sondern sogar verschlechtert hat.

Als Ursache für die Mängel führt der Stromkonzern EDF in dem jüngsten Bericht überwiegend "menschliches Fehlverhalten" an. Damit sind offenbar Versäumnisse bei der Wartung und Instandhaltung der Anlagen gemeint.

Die Notstromversorgung ist das Rückgrat im Sicherheitssystem eines jeden Atomkraftwerks. Sie sorgt im Störfall unter anderem dafür, dass die Brennstäbe kontinuierlich gekühlt werden. In Fukushima hatte der Ausfall der Notstromversorgung zur dreifachen Kernschmelze geführt.

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