Kämpfer der Freien Syrischen Armee | Bildquelle: dpa-Depo Photos/AP/dpa

Militäroffensive in Afrin Mit unverminderter Härte

Stand: 24.01.2018 13:32 Uhr

Das türkische Militär kämpft seit fünf Tagen gegen Syriens Kurden in Afrin. Die Menschen in der Region fühlen sich in Stich gelassen, doch Erdogan kündigt militärische Härte an.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan droht der syrischen Kurdenmiliz YPG mit unverminderter Härte. Die Türkei werde "die Spielchen an ihrer Grenze durchkreuzen", warnte Erdogan. Den Anfang werde die nordsyrische Region Manbidsch machen.

Im etwas weiter westlich gelegenen Afrin kämpft das türkische Militär inzwischen den fünften Tag in Folge auf syrischem Boden gegen die YPG und die von ihr dominierten, von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF). Erdogan forderte internationale Nicht-Regierungsorganisationen auf, den Einsatz des türkischen Militärs gegen die YPG zu unterstützen. "Ich habe Zweifel an der Menschlichkeit derer, die dieser Organisation helfen und die Türkei einen Angreifer nennen."

Hilferuf der Jesiden

Die Menschen in der Region Afrin befürchten das Schlimmste. In der Region leben überwiegend Kurden, aber auch Angehörige von Minderheiten wie Aleviten, Jesiden und Christen. Und die fürchten sich vor allem vor radikalen Islamisten, die an der Seite der Türkei kämpfen, um kurdische Milizen aus dem strategisch wichtigen Grenzgebiet zu vertreiben.

Kamal Sido, Nahost-Referent der "Gesellschaft für bedrohte Völker" in Göttingen sagte: "Die türkische Armee rückt gemeinsam mit islamistischen, gar dschihadistischen Truppen vor." Viele Menschen seien aus ihren Häusern geflüchtet und versteckten sich in Berghöhlen, sagt Sido, der selbst aus Afrin stammt.

Auch der Zentralrat der Jesiden in Deutschland schlägt Alarm: "Wir senden einen lauten, verzweifelten Hilferuf." Der Vorsitzende Irfan Ortac sagte, die Welt müsse alles dafür tun, "dass die Region nicht jesiden- und christenfrei wird". Seinen Angaben nach leben derzeit rund 15.000 Jesiden in dem Gebiet unter den derzeit rund 800.000 Einwohnern.

Kurden fühlen sich in Stich gelassen

Viele Kurden selbst fühlen sich hingegen von den USA verraten. Mehr als Appelle zur "Zurückhaltung" an die Adresse Ankaras waren aus Washington bisher nicht zu hören, obwohl sich die türkische Offensive gegen einen engen Verbündeten im Kampf gegen die Dschihadisten richtet. "Für uns haben die USA eine moralische Verpflichtung, die Demokratie in dieser Region zu schützen", sagt Sinam Mohammed, die als Gesandte die selbsterklärte halbautonome Region Rojava vertritt, zu der auch der kurdische Kanton Afrin gehört.

Doch einige Kurden haben auch das Gefühl, dass sie von Russland im Stich gelassen werden, zu dem sie bislang ein gutes Verhältnis hatten.

Nach Angaben der SDF kämpfen auch Freiwillige aus Deutschland, Großbritannien und den USA gegen die türkische Armee. Es sei der Wunsch eines Teils der ausländischen Kämpfer in Rakka und Deir al-Sor gewesen, nach Afrin zu gehen, sagte der führende SDF-Vertreter Redur Xelil. Eine genaue Zahl nannte er nicht, er sprach aber von einem zweistelligen Wert. "Sie werden im Kampf gegen die türkische Invasion im Einsatz sein. Unter ihnen sind Amerikaner, Briten, Deutsche, Angehörige verschiedener Nationalitäten aus Europa, Asien und Amerika."

Telefonat mit Trump

Auf dem diplomatischen Feld könnte es heute allerdintgs Bewegung geben. Die türkische Regierung kündigte an, Erdogan werde mit US-Präsident Donald Trump telefonieren. Präsidentensprecher Ibrahim Kalin erklärte im Fernsehsender CNN Türk: "Unsere Erwartung ist eigentlich sehr simpel, deutlich und konkret: Nämlich, dass die Unterstützung der YPG ab jetzt beendet wird. Sobald dies erfüllt wird, werden wir dies als Garantie verstehen." Aber ob Trump soweit geht, ist fraglich.

Was bei dem Gespräch am Abend im Fokus stehen könnte, umriss US-Außenamtssprecherin Heather Nauert: "Wir können die türkische Sorge, was verschiedene Terrororganisationen anbelangt, voll verstehen. Wir verstehen auch die Sorge in Bezug auf die PKK", sagte Nauert. "Aber wir fordern die Türkei auf, zur Deeskalation der Lage in Afrin beizutragen. Wir appellieren, die Gewalt nicht weiter anschwellen zu lassen, sondern sie zu verringern."

Mit Informationen von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichteten am 24. Januar 2018 tagesschau24 um 11:00 Uhr sowie um 15:30 Uhr und NDR Info ab 13:00 Uhr im "Mittagsecho" sowie um 16:08 Uhr.

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