Eine Frau liest in Kabul eine Zeitung mit der Ankündigung, dass US-Präsident Trump das US-Engagement in Afghanistan verstärken will. | Bildquelle: dpa

Reaktionen auf Trumps Rede "Spielplatz Afghanistan"

Stand: 22.08.2017 09:18 Uhr

Noch mehr US-Truppen in Afghanistan, ein noch längerer Einsatz? Nicht mit uns, sagen die radikalislamischen Taliban und drohen mit der Fortsetzung des Dschihad. Auch in der Bevölkerung sind die Reaktionen auf Trumps Rede geteilt.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu Delhi

Fast 16 Jahre dauert der Einsatz der USA in Afghanistan schon an. Die US-Truppen werden bleiben, Ende offen. Viele Generäle werden US-Präsident Donald Trump dazu geraten haben, kein finales Datum anzugeben, wie es sein Vorgänger Barack Obama vor einigen Jahren getan hatte - er nannte lange Zeit das Jahr 2014 für den Abzug der Truppe. Kritiker behielten recht, dass die Extremisten auf diesen Zeitpunkt nur warten würden, um sich dann wieder mehr Macht in Afghanistan zu erkämpfen.

Drohungen der Taliban

Mit einer scharfen Kriegsdrohung haben die radikalislamischen Taliban auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump reagiert, das militärische Engagement in Afghanistan zu verstärken. Die Kämpfer hielten am Dschihad fest, erklärte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid. Er forderte einen kompletten Rückzug der US-Truppen. Sollte das nicht bald passieren, werde Afghanistan bald ein "weiterer Friedhof für diese Supermacht".

Aus US-Berichten geht hervor, dass die derzeitige Regierung in Afghanistan nicht einmal mehr 60 Prozent ihres Landes selbst verwaltet. Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Nadschib Danish allerdings glaubt, dass die afghanischen Sicherheitskräfte die Lage im Land gut im Griff hätten: "Wir kämpfen jetzt schon seit den letzten Jahren allein. Wenn die USA wollen, dass wir gewinnen, müssen sie dafür sorgen, dass die Terroristen keinen Unterschlupf mehr finden. Sie müssen Pakistan dazu bringen, die Unterschlüpfe zu schließen und uns besser ausrüsten."

Reaktionen auf Trumps neue Afghanistan-Strategie
tagesschau 17:00 Uhr, 22.08.2017, Marion von Haaren, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Druck auf Pakistan

Das scheint nun auch der Plan der USA zu sein: Pakistan solle mehr in die Pflicht genommen werden. Schon lange fordern die Afghanen, mehr Druck auf seinen Nachbarn aufzubauen. Sie geben dem pakistanischen Militär und der Regierung die Schuld, dass so viele Terroranschläge in Afghanistan stattfinden. Der letzte große Anschlag vor der deutschen Botschaft soll nach Angaben des afghanischen Geheimdiensts auch auf das Konto des Haqqani-Netzwerkes gehen, das aus Pakistan agiert.

Auch die Professorin Maryam Mohammadi, die an der Universität in Kabul lehrt, sieht die größte Gefahr für Afghanistan im Nachbarland: "Pakistan unterstützt Terroristen, das haben sie schon immer getan. Sie gewähren ihnen Schutz. Und das ist der Grund, warum es in Afghanistan seit Jahrzehnten keinen Frieden gibt."

Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums teilt Trumps Meinung, es gehe in Afghanistan darum, Terroristen zu töten, die nicht nur Afghanistan, sondern die gesamte Welt bedrohen würden: "Wir vertrauen auf die Fähigkeiten unserer Armee, wir haben lange Zeit unser Land selbst verteidigt. Aber wir sind an der Front, um Terrorismus zu bekämpfen - und das mit Hilfe regionaler und internationaler Partner. Wir brauchen die internationale Unterstützung."

Kritik an Trump

Aber nicht alle Afghanen sind davon überzeugt, dass die USA sich weiterhin in die Belange ihres Landes einmischen sollten. Roman Zazai arbeitet als Handelsvertreter in Kabul, er gehört zu der jungen Generation, die in den letzten Jahren an der Universität hat studieren können: "Trump hat doch sein eigenes unabhängiges Amerika, er muss keine Strategie für unser Land verkünden. Afghanistan hat einen eigenen Präsidenten und Minister und die müssten endlich mal eine eigene Strategie haben, wie sie unser Land wieder sicher machen wollen."

Einige Vertreter der jungen Elite halten nicht besonders viel von Trump. Ahmad Omarzai ist Vertriebsleiter in Kabul, er glaubt nicht, dass dieser US-Präsident oder die westliche Gemeinschaft irgendetwas für sein Land oder für Muslime tun werden: "Für sie ist das alles doch nur ein Spiel. Sie haben aus Afghanistan einen Spielplatz gemacht. Jetzt sagen sie, sie würden Pakistan unter Druck setzen, aber Sie kennen doch die Realität - die wollen uns Afghanen damit einfach was vormachen." Er könne immer noch nicht glauben, dass die USA wirklich eine gute Zukunft für sein Land erschaffen wollten.

In der Tat sagte der US-Präsident in seiner Rede, es ginge den USA nicht darum, andere Länder aufzubauen, sondern darum, Terroristen zu töten.

Trumps Rede an die Nation - Was die Afghanen davon halten
Silke Diettrich, WDR Neu-Delhi
22.08.2017 09:44 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 22. August 2017 um 07:14 Uhr.

Darstellung: