Aufräumarbeiten nach Anschlag in Kabul Anfang Februar | Bildquelle: dpa

UN-Bericht zu Afghanistan Häuser, Märkte und Schulen werden zur Todesfalle

Stand: 14.02.2016 13:01 Uhr

Im Konflikt zwischen Regierung und Taliban in Afghanistan sind nach Angaben der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr 11.000 Zivilisten getötet oder verletzt worden - so viele wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2009.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu Delhi

Die Vereinten Nationen versuchen seit 2009, die verletzten und getöteten Zivilisten in Afghanistan zu dokumentieren. Seitdem ist die Zahl der erfassten zivilen Opfer jedes Jahr gestiegen. Insgesamt waren es in den vergangenen sieben Jahren fast 60.000. Das Jahr 2015 erlebte einen Anstieg von vier Prozent gegenüber 2014. Insgesamt dokumentierten die Vereinten Nationen im vergangenen Jahr mehr als 11.000 Fälle. 3545 Zivilisten verloren ihr Leben, fast 7500 wurden verletzt, viele von ihnen schwer.  Die Zahl der weiblichen Opfer stieg um fast 40 Prozent, die der Kinder um fast 15 Prozent. Häuser, Märkte, Straßen, Felder und Schulen wurden zu Todesfallen.

Tote durch Kämpfe und Straßenbomben

Die UN machen vor allem die Gefechte zwischen den vom Westen unterstützten Regierungskräften und den radikal-islamischen Taliban und ihren Verbündeten für die deutlich gestiegene Opferzahl verantwortlich. Immer mehr Afghanen seien zwischen den Fronten gefangen. Nach den direkten Kämpfen sind vor allem die Straßenbomben und Selbstmordanschläge der Taliban und anderer Regierungsgegner hauptverantwortlich für das Leid der Zivilisten im afghanischen Krieg.

150.000 Afghanen suchen Zuflucht in Deutschland

Derzeit laufen Versuche unter Beteiligung Pakistans, Chinas und der USA, Vertreter der Taliban und der afghanischen Regierung für direkte Gespräche an einen Tisch zu bekommen. Der Ausgang ist ungewiss. Der afghanische Exodus, den auch Deutschland zu spüren bekommt, hält an. Im vergangenen Jahr haben mehr als 150.000 Afghanen Zuflucht in Deutschland gesucht.

Die internationalen Truppen haben ihren Kampfauftrag im Dezember 2014 beendet. Doch weil sich die Sicherheitslage im vergangenen Jahr so sehr verschlechtert hat, haben die NATO-Staaten ihren Truppenabzug gestoppt. Amerikanische Spezialkräfte können sich auf Grund eines bilateralen Abkommens zwischen den USA und Afghanistan aktiv an Anti-Terror-Operationen beteiligen. Derzeit verstärkt das amerikanische Militär seine Präsenz in der umkämpften südafghanischen Provinz Helmand.   

Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan auf neuem Höchststand
Sandra Petersmann, ARD Neu-Delhi
14.02.2016 11:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Februar 2016 um 20:00 Uhr.

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