Pub in London | Bildquelle: picture alliance / blickwinkel/a

Britische Absage an absurde Gesetze "Sich im Pub zu besaufen, kostet Strafe"

Stand: 31.12.2015 16:39 Uhr

"Sich im Pub zu besaufen, kostet Strafe" - das ist nur eines von vielen britischen Gesetzen, die merkwürdig anmuten. Auch Ritterrüstungen sind im Parlament in London verboten - bislang auf jeden Fall. Doch die Briten streichen nun so einige absurde Gesetze.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio London.

Dass es verboten ist, das britische Parlament in Ritterrüstung zu betreten, mag in früheren Zeiten durchaus eine sinnvolle Regelung gewesen sein, als noch mit Schwert und Hellebarde regiert wurde.

"It is illegal to enter the Houses of Parliament wearing a suit of armour."

Für den Parlamentarier des 21. Jahrhunderts dürfte die Versuchung, im geschmiedeten Ganz-Körper-Panzer oder Kettenhemd im Unterhaus aufzutauchen, allerdings relativ gering sein. Das Gesetz aus dem Jahr 1313 könnte also bald Vergangenheit sein.

Ebenso auf dem Prüfstand: Das Verbot, in weniger als 300 Metern Entfernung von einer Behausung entfernt, eine Kanone abzufeuern. Und die Teppich-Ausklopf-Regelung.

"It is illegal to beat or shake any carpet or rug in any street. However, beating or shaking a doormat is allowed before 8am. "

Teppiche vor dem Haus ausklopfen ist verboten, allenfalls die Fußmatte darf ausgeschüttelt werden – allerdings nur vor 8 Uhr morgens." Das Gesetz aus dem Jahr 1839 untersagt außerdem, eine Wäscheleine über die Straße zu spannen, oder ein Brett über den Bürgersteig zu tragen. "It is illegal to carry a plank along a pavement."

Im Laufe der Jahrhunderte ist der britische Gesetzesdschungel immer unübersichtlicher geworden. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert wurden ständig neue juristische Regelungen erlassen. Und da die Briten kein Grundgesetz haben, wucherten Vorschriften wild in alle Lebensbereiche. Heutzutage werden nach diversen Lesungen im Parlament jährlich etwa 25 neue Gesetze erlassen. Insgesamt kämpfen sich die Durchforster im britischen Gesetzesurwald durch 44.000 gesetzliche Vorschriften. Und stoßen dabei immer wieder auf erstaunliche Skurrilitäten.

"It is illegal to handle salmon in suspicious circumstances."

"Mit Lachs darf nicht unter verdächtigen Umständen hantiert werden." Dabei gilt keinesfalls, dass ältere Gesetze per se eher Streichkandidaten sind. Eine mittelalterliche Regelung aus dem Jahr 1290 ist etwa noch heute die Grundlage für wichtige Prinzipien des englischen Eigentumsrechts. Die Gesetzesentrümpler der Law Commission diskutieren mögliche Streichkandidaten mit der Polizei und anderen Behörden, bevor sie auf der Vorschlagsliste für überflüssige Gesetze landen.

Interessanterweise droht ein englisches Gesetz aus dem Jahr 1872 übrigens all denjenigen Strafe an, die sich auf dem Gelände von Einrichtungen mit Alkohollizenz betrinken.

"Every person found drunk on any licensed premises, shall be liable to a penalty."

Sprich: Sich im Pub besaufen kostet eigentlich Strafe. Wer schon mal am Wochenende in einem englischen Pub war, weiß, dass sich um dieses Gesetz aber wirklich überhaupt niemand schert. Hier möchte man appellieren, nicht zu prüfen, ob das Gesetz damit überflüssig wäre, sondern, ob man es vielleicht endlich mal anwenden könnte. Ach ja, und noch ein Hinweis für alle Pferdefreunde – betrunken reiten ist übrigens auch verboten: It is illegal to be drunk in charge of a horse.

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