Eine Passagiermaschine von Iran Air am Flughafen Mehrabad in Teheran  | Bildquelle: AFP

Geldtransfer in den Iran 1,6 Tonnen Bargeld

Stand: 10.07.2018 16:56 Uhr

Um 300 Millionen Euro von Hamburg nach Teheran zu bringen, gibt es einfachere Wege als es bar in einem Flugzeug zu verschicken. Doch der Iran hat genau das vor.

Von Konstantin Kumpfmüller, MDR

Es wäre wohl einer größten Geldtransporte in der Geschichte der Bundesrepublik: Das Land will Hunderte Millionen Euro in bar von Deutschland in den Iran ausfliegen. Das Land fürchtet, dass im Zuge von US-Sanktionen Auslandskonten eingefroren werden könnten.

300 Millionen Euro in Bar sollen deshalb von der Europäisch-Iranischen Handelsbank in Hamburg nach Teheran gebracht werden. Das bestätigte die Bundesregierung. Sie will den Vorgang aber noch prüfen. Zuständig dafür ist die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin. Einem Bericht der "Bild" zufolge argumentiert der Iran damit, dass man das Geld brauche, um es an iranische Bürger weiterzugeben, die mangels Zugang zu international anerkannten Kreditkarten bei Auslandsreisen auf Bargeld angewiesen seien.

Ein 150 Meter hoher Geldstapel

Die Bank selbst bestätigte die Massenabhebung bisher noch nicht. Auch wie genau der Transport ablaufen soll, ist unklar. Sollten die 300 Millionen Euro aber in 200-Euro-Scheinen, den nach Abschaffung der 500-Euro-Note größten Scheinen, ausbezahlt werden, hätte die Geldmenge ein Gewicht von rund 1620 Kilogramm. Übereinandergelegt wäre der Stapel von 1.500.000 Geldscheinen etwa 150 Meter hoch.

Die 300 Millionen Euro in 200-Euro-Scheinen hätten ein Volumen von mindestens 1.880 Litern. Aufgeteilt in herkömmliche Papiergeld-Behälter, wie sie von der deutschen Bundesbank verwendet werden, ergäbe das 85 voll gefüllte Geldkoffer.

Container mit Bargeld erreichen die Zentralbank Zyperns.
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2013 wurden Container voll Bargeld nach Zypern gebracht.

Noch höhere Summen waren während der Finanzkrise nach Zypern gebracht worden. 2013 wurden fünf Milliarden Euro mit schwer bewachten Lastwagen und einem Flugzeug von der Europäischen Zentralbank zur zyprischen Nationalbank in Nikosa transportiert worden, um an Bankfilialen verteilt zu werden.

Transaktion sei nicht leicht zu untersagen

Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, forderte die Bundesregierung dazu auf, den geplanten Bargeld-Transfer zu stoppen. Der Bankenexperte am "Bayerischen Finanz Zentrum", Wolfgang Gerke, warnte hingegen davor, dem Iran zu verbieten, 300 Millionen Euro in Deutschland abzuheben.

Dem SWR sagte er, dass das Geld nicht hinterzogen worden sei. Es handele sich um offizielles Geld, das in einer europäischen Handelsbank in Hamburg liege, die dem Iran gehöre. Die Transaktion sei daher nicht so leicht zu untersagen.

Mitarbeit: Bert Holst

Über dieses Thema berichteten am 10. Juli 2018 Deutschlandfunk um 13:18 Uhr und tagesschau24 um 15:00 Uhr im Wirtschaftsblock.

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